Ehrenamt? Lass das mal die anderen machen! Wie Schule zu außerunterrichtlichem Engagement motivieren kann

Freiwillig Aufgaben zu übernehmen, ist aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken – ehrenamtliches Engagement ist Teil unserer Kultur! Aber auch das Ehrenamt unterliegt gerade, wie auch unsere Gesellschaft, einem (Werte-) Wandel. Zwischen verstaubt und sozial verträumt bis zu wichtigem Impulsgeber sucht es nach einer neuen Positionierung in unserem Leben. Wer engagiert sich und warum?

Selbstwirksamkeit erfahren

Vereine scheinen ausgedient zu haben, um sich z.B. mit Gleichaltrigen zu treffen. Eine Fülle an Freizeit- und Sportangeboten lässt sich außerhalb eines Engagements für einen Verein realisieren. Und doch gibt es das innere Bedürfnis, sich für andere oder für die Belange einer Gemeinschaft einzusetzen. „Die positiven Emotionen der Fürsorge kann man nur erleben, nicht beschreiben“, so ein junger Freiwilliger.

Ein sechsköpfiges Schülerteam der Internatsschule Schloss Hansenberg gründete zu diesem Zweck einen Verein, CommuniCare, der die Interaktion von Jugendlichen und Älteren fördert. Hierzu entwickelten sie eine App, die über Push Nachrichten jungen Freiwilligen Aufgaben aus der Nachbarschaftshilfe zukommen lässt. Spontan und flexibel, das passt in den Zeitgeist. So wüschte sich eine alte Dame Hilfe bei der Bedienung ihres Tablets, ein Herr brauchte Unterstützung bei der Gartenarbeit – über das Telefon rufen sie bei der Nachbarschaftshilfe an, Communicare streut die Nachricht auf die Smartphones der Jugendlichen. Wer Zeit hat kommt. Im besten Fall erwachsen hierdurch Freundschaften zwischen den Generationen. Es ist die Vision bestehende Strukturen (wie die Nachbarschaftshilfe) zu nutzen und „Volunteers“ zu gewinnen.

Gemeinschaftsgefühl, eine neue Sehnsucht im Zeitalter der smartphones

Vorbildlich sind Schulen, die nicht nur Raum für soziales Engagement schaffen, sondern gezielt fördern. So auch in der Georg Christoph Lichtenberg Schule, einer integrierten Gesamtschule in Ober-Ramstadt. Schüler engagieren sich in vielen Projekten an der Schule, u.a.kümmern sie sich in abwechselnden Diensten um die Tiere ihres Biotops. Hühner und Hasen müssen auch am Wochenende und in den Ferien gefüttert und gepflegt werden. Schulleiter Dirk Karl Pilgram weiß, „Ehrenamtliches Engagement weckt Leidenschaft. Wir sollten nicht fragen, warum sind so viele noch nicht dabei, sondern diejenigen bestärken und bekanntmachen, die sich bereits einbringen.“

Die Internatsschule Schloss Hansenberg organisiert und initiiert eine freiwillige, soziale Tat pro Woche. „Auf diese Weise entsteht bei uns das Gefühl sozial zu handeln und nicht nur zu konsumieren“, beschreibt es einer der Schüler. Sich füreinander einzusetzen ist auch an der Gesamtschule in Ober-Ramstadt Bildungsziel: „An einer Schule für alle ist differenziertes, heterogenes Lernen eine Verpflichtung. Jeder bringt sich ein stückweit für den anderen ein und erfährt dadurch Wertschätzung“.

Das wünscht sich die Jugend

Das Gefühl von Selbstwirksamkeit und Wertschätzung sind bis heute Gründe, warum junge Menschen zur freiwilligen Feuerwehr gehen oder sich für die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft einbringen. „Ich darf Verantwortung übernehmen und merke, dass ich etwas Wichtiges bewirken kann“, sagt eine junge Trainerin des DLRG. Das Fehlen von gesellschaftlicher Anerkennung und Wertschätzung könnte wiederum erklären, warum es manchen Vereinen an Nachwuchs mangelt. Das Schülerteam um den Verein CommuniCare ergänzt diesen Gedanken noch um die Feststellung, dass Personen und Strukturen von Organisationen überaltert sind und gelegentlich modernisiert und aufgelockert werden müssten, um neues, aufgeschlossenes Engagement zu fördern. Die Jungen wünschen sich, dass man ihnen vertraut, zutraut und echte Verantwortung überlässt.

Schule neu denken – warum nicht künftig zusammen agieren?!

Ein gezielter Austausch der Vereine mit Schulen und zwischen Schulen, die bereits einen aufgeklärten Weg beschreiten, empfiehlt sich! Vereine sollten verstärkt an Schulen ihre Aktivitäten vorstellen. Unterricht darf künftig auch „draußen“ stattfinden, in der Gesellschaft oder in der Natur. Nur auf diese Weise kann eine Anbindung an echte Lebenswelten geschaffen werden. Schulen im Aufbruch können sich zusammentun und verstärkt über ihre Projekte austauschen, Impulse nach außen tragen, damit gute Ideen flächendeckender umgesetzt werden können.

Allgemeine Informationen zum Kamingespräch und die Termine der kommenden Veranstaltungen finden Sie hier.

Menü