Wieviel Empathie verträgt der Chefsessel? Die Balance zwischen Führungsstärke und Einfühlungsvermögen

Empathie hat eine kognitive und eine emotionale Komponente, zum einen zu verstehen, was im Kopf eines anderen vorgeht, zum anderen dabei mit unserem Gegenüber mitzufühlen. Diese Phänomene sind aufgrund unserer Biologie und Sozialisierung in uns angelegt. Wir sind in der Lage Empathie zu regulieren, denn für eine adäquate Reaktion auf ein Problem brauchen wir sowohl Empathie als auch fachliche Kompetenz. Wir erwarten von unserem Kinderarzt nicht, dass er mit uns weint.

Die Führungskraft in der Balance

einsJemand, der seine eigenen Gefühle nicht gut wahrnehmen und verschiedenste Regungen nicht voneinander unterscheiden kann, kann sie meist auch nur in geringerem Maß bei anderen spüren und interpretieren. Eine gelungene Kommunikation setzt aber stets Empathie voraus. Dies lässt sich noch bis in das Erwachsenenalter hinein trainieren und ist Gegenstand aktueller Forschung, z.B. in der Medizin für die empathische Kommunikation mit Patienten. Ein Zuviel an emotionaler Empathie verursacht jedoch emotionale Erschöpfung und das Risiko eines „Burn out“.

Emotionen zuzulassen, sie aber auch kurzfristig zurückzustellen und im passenden Moment artikulieren zu können, das ist die Basis emotionaler Intelligenz. Eine gute Führungskraft schafft es daher, eine Balance herzustellen zwischen Distanz und Nähe, zwischen Emotion und Sachlichkeit.

Motive „guter“ Führung

Ein aufgaben- und leistungsorientiertes Arbeitsklima trägt ebenso zum Erfolg bei, wie mitarbeiterorientiertes Führen, dies haben Meta-Studien gezeigt. Wenig erfolgsversprechend ist es, nicht zu führen und gemeinsame Ziele und Regeln nicht transparent zu machen. Ein wichtiges Motiv guter Führung ist die Anschlussfähigkeit ans Team, was auch vor der Einsamkeit an der Spitze schützt. Drei Aspekte zählen: Situativ auf den Einzelnen eingehen, das Team mitbestimmen lassen, die Organisationsstruktur transparent machen. Die eigenen inneren und äußeren „Leitplanken“ sind klar zu definieren und zu kommunizieren. Dabei ist es wichtig, die eigene Persönlichkeit zu kennen, zu reflektieren und Feedback zuzulassen.

Führung in der Schule

Als Schulleiter kommt man oft „aus den eigenen Reihen“ als „primus inter pares“. Eine vielleicht belastende Situation, an der man aber arbeiten kann. So können Schulleiter beispielsweise in Fortbildungen der Heraeus Bildungsstiftung Kompetenzen erwerben, die im Studium nicht oder nicht umfangreich vermittelt wurden. Die Aufgaben von Leitung sind vielfältig, darauf sollte man optimal vorbereitet sein. Eine junge Lehrerin formulierte es so: „Auch an Schulen ist es wichtig, Raum zu schaffen für Bedenken oder Anregungen seitens der Kollegen und Schüler und gemeinsame Regeln zu finden. Man sollte nicht den IST-Zustand verfluchen, sondern sich den Herausforderungen stellen“.

In der Gesprächsrunde waren als Experten zu diesem Thema Prof. Dr. Dieter Zapf (Professor für Arbeits- & Organisationspsychologie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt), Stephanie Schwedhelm (administrative Direktorin der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung) und Dr. Sylvia Löhken (Autorin, Coach und Spezialistin für intro- und extrovertierte Kommunikation) zu Gast.

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