Pro Diversity 2019 – ein Rückblick

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Künstliche Intelligenz – eingeklemmt zwischen Macht, Maschine und Moral

Frankfurt, 09.05.2019 – Unter dem Titel „Künstliche Intelligenz – eingeklemmt zwischen Macht, Maschine und Moral“ lud die Heraeus Bildungsstiftung am 9. Mai 2019 ab 18:30 Uhr zur jährlichen Podiumsdiskussion Pro Diversity ins Senckenberg Naturmuseum Frankfurt am Main – in Kooperation mit der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und BCG Boston Consulting Group.

Roboter assistieren Krankenpflegern bei ihrer täglichen Arbeit; sie messen Blutdruck und Temperatur, bringen Medikamente und zeigen die Patientenakte auf dem Display. Selbstlernende Computer helfen bei der Krebsdiagnostik. In Deutschland sind erste humanoide Roboter auf dem Arbeitsmarkt zu finden, als Verkäufer, Rezeptionistin oder Spielpartner für Demente; in Japan haben Maschinenmenschen gleich eine eigene TV-Show. Sogar als Gottheit dient künstliche Intelligenz bei der kürzlich in Kalifornien gegründeten Glaubensgemeinschaft “Way of the Future”. Viele sehen große Chancen im Einsatz künstlicher Intelligenz. Doch selbst Tesla-Chef Elon Musk warnt vor den Gefahren von KI. Die Technologie sei viel gefährlicher als Atomwaffen und das größte Risiko für unsere Zivilisation. Laut einer Studie des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) glauben 48 Prozent der Befragten in Deutschland, dass der Mensch die Kontrolle beim Verhältnis Mensch-Maschine verlieren werde.

Welche Chancen birgt KI für die Entwicklung der Zukunft und gleichzeitig welche Gefahren für die Gesellschaft? Wer behält die Macht über die Programmierung, bedenkt man, dass KI-Spezialisten von Deep Mind ein Programm entwickelten, das beim Go-Spiel nicht nur gewinnt, sondern sich das Spielen binnen drei Tagen selbst beibrachte? Wie autonom werden die Maschinen? Wissen darüber bedeutet Macht. Macht wiederum bedeutet Verantwortung – eine große Herausforderung für die Ausbildung.

Unter Moderation des Journalisten und Buchautoren Manuel J. Hartung, Ressortleiter von ZEIT CHANCEN, diskutierten in diesem Jahr folgende Experten auf dem Podium: Hanno Terbuyken, Leiter Digitale Kommunikation „chrismon digital plus“ und Portalleiter evangelisch.de, Hans-Christian “Chris” Boos, führender KI-Experte & CEO arago AG, Prof. Dietmar Harhoff, Ph.D., Direktor am Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb und Innovationsberater der Bundesregierung sowie August Zirner, Schauspieler und Musiker. Impulsvorträge hielten Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, und Carsten Kratz, Chairman Deutschland & Österreich, Boston Consulting Group.

„Wo aber lässt sich mit Hilfe von KI Entlastung schaffen, um in der gewonnenen Zeit Wesentlicheres zu bewirken?“ fragte Dr. h. c. Beate Heraeus zu Beginn der Diskussion. „Wie öffnen wir mit neuen Medien den Unterricht, um bspw. den Wald unter biologischen, betriebs- und volkswirtschaftlichen Aspekten zu betrachten, ohne den Wert des regenerativen Nutzens eines Waldspaziergangs zu übersehen?“

„Wenn Technik dem Menschen dienen soll, dann sollten wir Arbeit outsourcen, die keiner machen will, aber menschliche Dinge wie z. B. Personalentscheidungen können wir nicht Maschinen machen lassen“, forderte Terbuyken, denn „wenn Bildung das Ziel hat, Persönlichkeiten hervorzubringen, wie stellt man dann sicher, dass diese nicht durch einen Algorithmus aussortiert werden?“

Auch Boos schloss sich dieser Meinung an: „Mein größtes Thema ist, dass Maschinen uns Zeit zurückgeben, die wir sinnlos verplempern mit Dingen, die wir schon lange können. Oder wollen Sie von Beruf Kran sein?“

„Wir müssen lernen“, so Harhoff, „mit wirktechnischen Dingen besser umzugehen, Leitplanken, dort wo wir sie brauchen, einzusetzen und unsere Kinder zu ermächtigen, dies zu lernen.“

„Die irrtümliche Angst vor KI ist die Angst vor Menschen, denn KI ist menschgemacht. Es ist der Mensch, der zu Ungeheurem imstande ist, aber dafür kann der Computer ja nichts“, fasste Zirner zusammen.

Als Resümee des Abends forderte Heraeus, dass bei allen Möglichkeiten die Technik immer dem Menschen dienen muss. KI kann Aufgaben intelligenter lösen als der Mensch, aber über die Aufgabenstellung muss immer noch der Mensch entscheiden.

Manuel Hartung lud im Anschluss alle Anwesenden zur weiteren Diskussion unter den Dinos im Lichthof 1 ein.

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