#Mutausbruch_Schule

Exzellenzcamp 2021

Was brauchen exzellente Schulleiter*innen und Lehrer*innen?

Wir glauben: Raum und Zeit. Für das gemeinsame Lernen aus „erfolgreichen Fehlern“, für die Diskussion von aktuellen Herausforderungen an den Schulen und für das Entwickeln von Ideen für die Schule der Zukunft im Team – schulformübergreifend, fächerübergreifend und über die Grenzen der Bundesländer hinweg. Ein wenig Kaffee zwischendurch schadet sicherlich auch nicht. Erstmals fand im November 2021 das Exzellenzcamp #Mutausbruch_Schule für die Preisträgerinnen des Deutschen Lehrerpreises – Unterricht innovativ statt. Die Idee dahinter: Neben der öffentlichen Aufmerksamkeit und den Geldpreisen, die mit dem Deutschen Lehrerpreis – Unterricht innovativ verbunden sind, den Gewinner*innen als Expert*innen für Schule und Bildung ein nachhaltiges Geschenk machen und Netzwerke ermöglichen.

Der Deutsche Lehrerpreis – Unterricht innovativ wird vom Deutschen Philologenverband und der Heraeus Bildungsstiftung veranstaltet.

Förderpartner des Deutschen Lehrerkräftepreises – Unterricht innovativ sind:

Die Teilnehmer*innen des Exzellenzcamps 2021 waren:

Mehmet Cosgunoglu (Albert-Schweitzer-Schule Remscheid-Lennep) | Daniela Heinrich-Stiller (Lahntalschule Biedenkopf) | Luisa Paratore, Katja Gerstenmaier und François Genthner (Robert Blum Gymnasium Berlin) | Florian Bagus und Norman Seeliger (Arnold-Bode-Schule Kassel) | Tanita Heindl und Teresa Fruntke (Johann-Gottfried-Seume Gymnasium Vacha) | Susanne Schäfer und Stephanie Lehmann (Grundschule Herten-Mitte) | Simone Starke, Simone Uhlig und Daniela Maurath (Maria-Sibylla-Merian-Grundschule Wiesloch) | Lena Büttner (Dürer Gymnasium Nürnberg) | Karsten Brill (Marie-Curie-Gymnasium Bönen) | Ina Steinke-Haupt (Landesschule für Blinde und Sehbehinderte Chemnitz)

Warum ein Exzellenzcamp #Mutausbruch_Schule?

Fotografische Einblicke in #Mutausbruch_Schule

Die Frage nach dem “Why” – Was bedeutet Schule für dich?

Wir sind nur dann gut, wenn wir wissen, warum wir etwas tun. Die Teilnehmer*innen des Exzellenzcamps #Mutausbruch_Schule haben gemeinsam an der Frage gearbeitet, was Schule für sie bedeutet und was sie Tag für Tag motiviert. Die Ergebnisse haben wir mittels Graphic Recording und Video festgehalten. Schauen Sie ’rein!

Dein positives Zukunftsbild von Schule – wie sieht das aus?

Wir wollen uns verändern und stark in die Zukunft gehen. Was bedeutet das für unsere Schulen, die Schüler*innen, das gesamte Schulteam und die Gesellschaft? In welcher Art von Schule würden wir gerne arbeiten? Lernen Sie hier die Ideen und Visionen der Teilnehmer*innen des Exzellenzcamps kennen.

Neue Arbeits – und Lebenskonzepte für unsere Schulen

„Wir müssten neue Arbeits- und Lebenskonzepte für unsere Schulen entwickeln und eine Infrastruktur schaffen, die Lernen ermöglicht. Es gibt schon tolle Beispiele, wie diese „Bienenwaben“, die als Lernraum genutzt werden können oder, wie an einer Schule in Marburg, ein paar ausgediente Gondeln, die in der Pausenhalle stehen und in die man sich zum Lernen zurückziehen kann. Die kleinen Balken stehen für die digitale Infrastruktur, z.B. W-Lan.

Als zweites hatten wir uns ein offenes Schulsystem überlegt: Es gibt eine gewisse Anzahl an Kursen, die Schüler*innen belegen müssen. Je jünger man ist, desto mehr Basisinhalte hat man. Mit zunehmendem Alter werden die Pflichtkurse zurückgeschraubt und stattdessen kann man Wahlkurse belegen oder auch externe Angebote wahrnehmen.

Unser Schulsystem soll durchlässig sein und wir haben überlegt, mit A, B und C-Kursen zu arbeiten. Unsere Kernidee war aber, dass nicht die Lehrkraft sagt: „Du bist ein A-, B- oder C-Schüler“, sondern dass Schüler*innen sich selbst in die Kurse wählen und dann feststellen, ob es für sie passt. Sie können ihre Entscheidungen auch wieder rückgängig machen. Wir würden den Schüler*innen gerne Mentor*innen an die Seite stellen, die nicht in einer Bewertungssituation sind. Wichtig ist uns auch die Fehlerkultur: Es soll nicht „schlimm“sein, sich für einen „falschen“ Kurs entschieden zu haben – man kann auch wechseln.

Zu „Back to Kerngeschäft“: Wir möchten fachfremde Bereiche auslagern an Externe, z.B. Verwaltung, IT, BWL, Schulpsychologie. Wir sehen uns als multiprofessionelle Teams, die aber trotzdem durch Externe entlastet werden. Dann können wir uns wieder auf unsere Kernaufgaben konzentrieren: unterrichten, Inhalte vermitteln und Bildung transportieren. Wir haben die Idee einer Pflichtstundenzahl, die man jedoch für Wahl-Stunden tauschen kann– flexibel in jedem Schuljahr. Entweder mache ich als Lehrkraft die komplette Basisstundenzahl oder ich veranstalte ein interessantes Projekt und reduziere die Basisstundenzahl.“

Mehr dazu

Ist die Ausbildung von Lehrkräften noch zeitgemäß?

Wir haben uns gefragt: „Wie könnte unsere Schule aussehen?“ und hatten die Vorstellung, in ein Gebäude zu kommen, das lichtdurchflutet ist, das einfach einlädt.  In dieser Schule gibt es modulare Lernlandschaften, wo man sich einen Lernort suchen kann, der einem entspricht. Die Schüler*innen können überlegen: „Wonach ist mir denn heute? Möchte ich vielleicht liegen, möchte ich sitzen, möchte ich mit jemandem arbeiten, möchte ich mich zurückziehen, möchte ich in einem Gruppenraum sein?“

Wir wollen alle Ressourcen, die wir an der Schule haben, versuchen auszunutzen, so dass man voneinander lernen kann. Die Leute, die etwas einbringen können, sollte man sprechen und agieren lassen. Die Lehrkraft ist in dieser Lernlandschaft auch nicht mehr die klassische Lehrerperson, sondern Mentor*in. Jemand, der die Schüler*innen begleitet, berät und Zeit für Gespräche hat. Dass man sich auf Augenhöhe begegnet ist uns ganz wichtig.

Aber: Wie kann man denn Lehrer oder Mentor sein, wenn man bewerten muss?“ Sobald ich jemandem eine Note gebe für eine Leistung, verschiebt sich ja dieses ganze Beziehungsgeflecht, das Gefüge, das Vertrauensverhältnis, das sich angenommen Fühlen. Wenn ich sage: „Okay, du bist zwar ein netter Kerl, aber du hast jetzt nur zwei Punkteda passiert was mit einem. Brauchen wir überhaupt Noten? Oder könnten wir uns auch eine andere Art von Bewertung, Beurteilung vorstellen? Vertrauen sehen wir als ganz wichtig an, als etwas, das einen ständig begleitet im schulischen Leben.

Wir wollen auch mit den Eltern ein vertrauensvolles Verhältnis haben, wir wollen uns natürlich gegenseitig bei der Bildung und bei der Erziehung befruchten, begleiten, unterstützen. Wir wünschen uns aber auch Respekt seitens der Eltern und Wertschätzung unserer Arbeit gegenüber. Dass uns auch zugetraut wird, dass wir als Pädagogen professionell mit den Kindern und Jugendlichen umgehen. Wir haben uns auch gefragt:„Reicht’s denn, wenn wir nur die Schüler coachen oder müssen wir eigentlich heutzutage die Eltern gleich mit-coachen?“ Das System funktioniert nicht, wenn wir nur einseitig coachen. Und wer macht das dann? Das Elternhaus haben wir als unterstützendes Element dargestellt, als Treppchen raus und auch wieder rein.

Wir möchten in der Schule alle Sinne ansprechen und haptisch, sensorisch, musisch und künstlerisch arbeiten. So dass jedes Kind auch zu einer Entfaltung kommt und seine Wertigkeit erlebt, nicht nur im Bezug auf die klassischen Fächer und das Curriculum.

Das gemeinsame Ziel ist wichtig, eine gemeinsame Vision. Das haben wir absichtlich außerhalb dargestellt, weil wir auch alle von außen integrieren möchten. Wir brauchen die Unterstützung von Trägern, Ämtern und Eltern, um alles umzusetzen.

Wir möchten offen bleiben für Veränderung, um uns weiterzuentwickeln. Gleichzeitig ist uns aber auch der Schutzraum Schule wichtig. Dass man vielleicht auch mal „Nein“ sagen darf, zu bestimmten Dingen. Sich auch mal traut zu sagen: „Das können wir grade nicht leisten“ oder „Da wollen wir jetzt mal nicht mit.“ Wir sehen die Schule auch als einen Schutzraum für die Kinder, als Puffer nach außen.

Bei der Ausbildung der Lehrer*innen fragen wir uns: Ist die noch zeitgemäß? Was könnte man da verändern, auch an den Bewertungssystemen? Wie gehen wir mit neuen Lehrkräften um, mit denen es zum Beispiel nicht passt? Wenn wir uns an der Wirtschaft orientieren, dann sollten wir vielleicht auch über Gelder, Budgets und Personalressourcen entscheidenkönnen.

Dafür brauchen wir das Vertrauen von oben, vom Träger, von Ämtern, von der Politik, dass wir tatsächlich auch in der Lage sind, unsere Schule zu leiten, zu führen, sie mit Leben und mit Ideen zu gestalten und Kinder zu erziehen. Denn: Sie sind das Wichtigste, was wir haben.

Mehr dazu

Wir brauchen keine Zensuren!

„Wichtig war uns, dass wir Schule nicht einfach als Gebäude betrachten, in dem man drin ist. Schule ist mehr etwas Organisches, das fließt und sich permanent verändert, wo man links und rechts abbiegen kann. Diese Vielfältigkeit, die Bildung ja bietet, ist nicht auf ein Gebäude reduziert das soll der Fluss darstellen. Wir sind alle gemeinsam da drin, alle, die etwas mit Bildung zu tun haben. Als Kriterium ist uns wichtig: Wir wollen Kinder auf eine uns unbekannte Zukunft vorbereiten. Dafür brauchen wir aber keine Zensuren. Sie erzeugen nur ewigen Leistungsdruck und der Output ist der gleiche, wenn wir keine Noten haben.

Schule muss eine Wohlfühloase sein. Denn da, wo ich als Lehrkraft hingehe und mich wohlfühle, fühlen sich Schüler*innen, Eltern und Externe auch wohl.

Lernen auch außerhalb der Schule, raus aus der Box: Wir haben freitags bei den Demonstrationen gesehen: Was lernen Schüler*innen, wenn die Schule zu hat? Nix“, wird immer gesagt. Das stimmt aber nicht, sie lernen andere Dinge.

Die Erfolge feiern wir dann gemeinsam und verändern nachhaltig die Zukunft. Und die Chillout-Area, die ist dann für uns alle da.

Mehr dazu