Diskussion: Jugend forsch!

26.11.2019

Was finden junge Menschen heute „Sinn“-voll? Wofür treten sie ein, welche Form wählen sie für ihr Engagement und was brauchen sie, um mutig zu werden? Und was meinen ihre Lehrer/-innen dazu? Diesen Fragen ging unsere Diskussionsveranstaltung „Jugend forsch! wieviel Rebellion verträgt unser System, wieviel Mündigkeit braucht unsere Zukunft?“ am 26.11.2019, 16.30 Uhr, in Berlin nach. Dr. h. c. Beate Heraeus, Vorstandsvorsitzende der Heraeus Bildungsstiftung, diskutierte mit: Boris Hermann (Ozeanschützer & Profisegler und Skipper von Greta Thunberg nach New York), Helena Marschall (Umweltaktivistin von Fridays-for-Future), Tim Kniepkamp (European Youth Parliament), David Ziegler (Coach und jüngster Persönlichkeitsentwickler Deutschlands) sowie Thomas Ferber und René Norwig (Schulleitung Richtsberg-Gesamtschule Marburg).

Konsens der Gesprächspartner/-innen war: Um in einer sich verändernden Gesellschaft wirksam zu werden, brauchen wir Allianzen und das Selbstbewusstsein zu handeln. Auf dem gemeinsamen Weg gewinnen wir: an Partnern, an Wissen und an Erfahrungen von Selbstwirksamkeit. Und das macht stark!

Aus persönlicher Erfahrung Verantwortung spüren

Für Hauptredner und Profisegler Boris Herrmann ist der Ozean „Arbeitsplatz und Zuhause“. Er und sein Team bringen bei „My Ocean Challenge“ Kindern und Jugendlichen das Thema Meeresschutz live ins Klassenzimmer. Die Bildungskampagne erklärt 8-12-jährigen die Grundfunktionen des Planeten Erde und die Bedeutung des Ozeans. Via Skype können die Schüler/-innen an Bord der „Malizia“ gehen. Herrmann, der im Jahr etwa 100 Tage auf dem Ozean verbringt, erlebt die durch den Klimawandel bedingten Veränderungen hautnah – etwa, wenn sich die Malizia durch unnatürlich stark wucherndes Seegras ihren Weg bahnen muss oder wenn eine Regatta eine andere Route nimmt, da sich durch schmelzendes Eis neue Wege ergeben. „Wenn man das persönlich erlebt, entsteht der natürliche Impuls, den Ozean zu schützen“, so Herrmann. Ein Anliegen, das er mit Greta Thunberg teilt, die er als Skipper zum UN-Klimagipfel nach New York segelte. https://www.borisherrmannracing.com/my-ocean-challenge/

Gemeinsam Grenzen überwinden

Die Relevanz des Selbsterfahrens sah auch Diskutant Tim Kniepkamp, Pressesprecher des European Youth Parliaments. Das Aktivwerden in nationalen und internationalen Gremien, die Diskussion mit Anderen aus EU-Ländern, lässt Jugendliche Demokratie, Europa und gegenseitigen Respekt erleben und gestalten – und auch gemeinsam schützen.

https://eyp.de/de/

Helena Marschall, Fridays-for-Future-Aktivistin in Frankfurt, begegnete in der letzten Zeit oft Erstaunen ob der Professionalität und des Erfolgs des von ihr und anderen Jugendlichen organisierten Klima-Kongresses und wundert sich: „Es ist doch nicht so, als könne man die ersten 18 Jahre seines Lebens nichts zur Gesellschaft beitragen.“ Ihre Eltern, so Helena Marschall, hätten ihr Selbstvertrauen gestärkt, indem sie ihr viel zugetraut und wenig begrenzt hätten – und das sollte Schule ihrer Meinung nach auch tun.

Grenzen tatsächlich verschoben und aufgehoben haben Thomas Ferber und René Norwig sowie ihre Kolleg/-innen der Richtsberg-Gesamtschule in Marburg. Im schuleigenen PerLenWerk („Personalisierte Lernumgebung mit Werkstätten“) erfahren die Schüler/-innen und Lehrer/-innen eine neue Art des Unterrichtens und Lernens: mit viel Raum und Luft, individuellen Arbeits- und Zeitplänen und mehr Eigenverantwortung für die Kinder.

https://www.richtsbergschule.de/schule/perlenwerk

Auf sich und seine Stärken besann sich auch David Ziegler, der sich nach seiner Schulzeit weder für eine Ausbildung noch für ein Studium entschied. Er gründete 2 Wochen nach dem Abitur sein erstes Unternehmen. Als jüngster Persönlichkeitsentwickler Deutschlands begleitet er heute Kundinnen und Kunden aus kleinen und mittelständischen Unternehmen.

https://davidziegler.info/

Jugend forsch! gehörte zu den Dialogveranstaltungen der Heraeus Bildungsstiftung. Sie liefern kreative Denkanstöße und vernetzen Schule mit Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur.

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