Mit next:schule startet die Heraeus Bildungsstiftung ein zweijähriges Pilotprojekt zur Schulentwicklung. Christine Heraeus und Martin Fugmann erklären, warum Teams und Schüler:innenpartizipation im Programm eine zentrale Rolle spielen.  

Warum braucht es next:schule gerade jetzt?  

Martin Fugmann:
Schulen stehen unter einem enormen Druck, und wir erleben Schulleitungen und Teams, die sich Veränderungen herbeisehnen und klare Vorstellungen davon haben, wie sich ihre Schulen entwickeln müssten. Unsere Seminare bestärken sie und vermitteln das methodische Rüstzeug. Gleichzeitig sehen wir, dass es um ein Zusammenspiel geht: von punktuellen Impulsen, individuellem Coaching und der Begleitung von ganzen Teams. Veränderungsbereite Schulen brauchen eine nachhaltige Begleitung als ganze Organisation. Dazu gehören auch die Schüler:innen – nicht nur als Adressaten, sondern als Akteure.  

Christine Heraeus:
Viele Schulleitungen und Lehrkräfte spüren, dass der Veränderungsdruck von außen steigt und möchten sich verändern. Dabei brauchen sie längerfristige Unterstützung, die wir ihnen gerne anbieten möchten. 

Warum ist es so wichtig, die Schüler:innen einzubeziehen? 

Martin Fugmann:
Wir sind überzeugt davon, dass eine verbindungsstarke Schule den Unterschied macht. Wenn sich die Bildungsrealität für die Schüler:innen ändern soll, dann müssen wir sie beteiligen. Wir unterstützen sie dabei, sich zu organisieren, ihre Ziele zu klären und diese zu kommunizieren. Dann können sie gemeinsam mit Lehrkräften und Schulleitungen Veränderungen wirksam gestalten. 

Christine Heraeus:
Es wird häufig über Schüler:innen gesprochen und viel zu selten mit ihnen gesprochen. Bei next:schule stehen ihre Bedürfnisse im Zentrum. Sie sind ganz aktiv am Veränderungsprozess beteiligt. Dadurch entsteht Selbstwirksamkeit und Verbindung – und das stärkt auch das Wohlbefinden. 

Martin Fugmann:
Wir müssen die Realitäten der Kinder und Jugendlichen zum Ausgangspunkt machen. Gerade die Bildungsrealitäten von Kindern aus bildungsfernen Schichten kennen wir oft zu wenig. Dieser Dialog fördert das Lernen auf beiden Seiten. 

Warum ist die Heraeus Bildungsstiftung die richtige Partnerin für dieses Programm? 

Martin Fugmann:
Unser Ziel ist, Veränderungen direkt in den Schulen anzustoßen. Wir wollen das weniger dem Zufall überlassen. Deshalb möchten wir gemeinsam mit den Menschen vor Ort eine Verantwortungsgemeinschaft bilden. Über zwei Jahre arbeiten wir daran, beziehungsstarke Schulen zu gestalten. 
Ich bin überzeugt, dass wir die Kompetenz haben, um diese Prozesse gut zu gestalten. Wir haben uns gezielt Expertise von erfahrenen Organisationsentwickler:innen in die Stiftung und in das Team geholt. Gemeinsam arbeiten wir nun an einer langfristigen Begleitung. 

Christine Heraeus:
Was uns besonders stark macht: Wir tun selbst, was wir von den Schulen erwarten. 
Wir kennen nicht den einen richtigen Weg, sondern wir begeben uns auf Augenhöhe. Wir sprechen mit den Menschen vor Ort und suchen gemeinsam nach Lösungen. Wir geben den Schulen kein festgelegtes Programm vor, sondern erarbeiten die Veränderung miteinander. 

Die Schulen werden von Transformationsbegleiter:innen unterstützt. Welche Rolle nehmen sie ein?

Martin Fugmann:
Die Transformationsbegleiter:innen arbeiten eng mit den Schulen zusammen. Sie beraten und unterstützen sie. Zugleich fordern sie die Schulen gezielt heraus, damit sieihre Ziele nicht aus den Augen verlieren und den Transformationsprozess voranbringen.
Die Begleiter:innen sind erfahrene Trainer:innen, mit denen wir bereits seit Langem vertrauensvoll zusammenarbeiten. Sie bringen umfassende Erfahrung in der Persönlichkeits- und Organisationsentwicklung mit.

Was müssen die Schulen einbringen?

Christine Heraeus:
Die Schulen brauchen Offenheit und Commitment für den zweijährigen Prozess. Wichtig ist auch ein gemeinsames Zielbild: An der Schule sollen Beziehungen gestaltet werden. Schulleitung, Kollegium und Schülerschaft sollen miteinander eine große Gemeinschaft werden. Und vor allem sollen die Schüler:innen partizipieren.

Welche Rolle spielen Widerstände und Rückschläge auf dem Weg der next:schulen?

Martin Fugmann:
Uns ist wichtig, die Schulen in einen lebendigen Prozess zu bringen. Wir helfen ihnen, trotz Störungen immer wieder auf ihren Weg zurückzufinden. 

Christine Heraeus:
Veränderung ist unheimlich schwierig. Aber sie kann gelingen, wenn man Schwierigkeiten annimmt und gemeinsam weiterdenkt. 
Das ist wie bei einer Wanderung. Wenn auf dem Weg Kühe stehen, nimmt man eine andere Route, behält aber das Ziel im Blick. Widerstände und Rückschläge können dann etwas Positives sein. 

Woran erkennt die Stiftung, dass es ein erfolgreicher Prozess war?

Christine Heraeus:
Erfolgreich ist der Prozess, wenn Schüler:innen, Lehrkräfte und Schulleitungen gerne in die Schule gehen und Freude am Lernen entwickeln. Sie sollen sich selbstwirksam fühlen und tragfähige Beziehungen aufbauen. 
Alle sollen willkommen sein und so lernen können, wie sie können. 

Martin Fugmann:
Ein wichtiges Zeichen wäre: „Da ist etwas anders geworden. Wir gehen anders miteinander um. Wir fühlen uns mehr gehört.“ Unsere Evaluation soll zeigen, ob sich Beziehungen und der Umgang miteinander verändert haben. 

Christine Heraeus:
Idealerweise haben wir uns nach den zwei Jahren obsolet gemacht, weil sich die Schulen zu lernenden Systemen entwickelt haben und sich ohne unsere Begleitung weiterentwickeln. 

Was sollen andere Schulen von next:schule lernen?  

Christine Heraeus:
Andere Schulen sollen sehen: Jede Schule kann sich verändern, völlig unabhängig von ihren Rahmenbedingungen und Voraussetzungen. 

Martin Fugmann:
Wir wollen zeigen, welches Handwerkszeug Schulen für nachhaltige Entwicklungsprozesse brauchen – und welche Begleitung sie dabei unterstützt.

Und was will die Stiftung in den nächsten zwei Jahren lernen? 

Christine Heraeus:
Für uns ist es eine große Chance, Schulen direkt zu begleiten und ihnen aufmerksam zuzuhören. So lernen wir, was Schulen brauchen, und können daraus neue, passgenaue Programme entwickeln. 

Martin Fugmann:
Wir gewinnen tiefere Einblicke darin, wie Schulleitungen, Lehrkräfte und Schüler:innen in Teams zusammenwirken.

Bitte ergänzt zum Abschluss den folgenden Satz:
next:schule ist für die Heraeus Bildungsstiftung…

Martin Fugmann: …ein neues Lernfeld. 

Christine Heraeus: …ein Projekt, mit dem wir sieben Schulen in einem Netzwerk dabei begleiten, Orte demokratischer Kultur und gemeinsamer Verantwortung zu werden. Orte, die von einer starken Beziehungskultur getragen werden. 

Vielen Dank.