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  • Cornelsen-Schulleitungsstudie 2026: Zwischen Überlastung und Aufbruch

    Cornelsen-Schulleitungsstudie 2026: Zwischen Überlastung und Aufbruch

    Das sind zentrale Ergebnisse der Cornelsen-Schulleitungsstudie 2026 „Zwischen Überlastung und Aufbruch“. Sie fasst die Einschätzungen von Schulleitungen zu ihren Aufgaben, zentralen Schulleitungsthemen und aktuellen Entwicklungen zusammen.

    Zentrale Ergebnisse

    • 37 % der Schulleitungen sind mit der aktuellen Situation an ihrer Schule zufrieden.
    • 94 % berichten von stetig wachsenden Aufgaben ohne ausreichende Entlastung.
    • 87 % fehlt Zeit für Führung und Gestaltung.
    • 83 % fühlen sich durch Bürokratie ausgebremst.

    Wer wurde befragt?

    • 2.066 Schulleitungen wurden bundesweit befragt.
    • Davon leiten 1.819 eine allgemeinbildende Schule und 247 eine berufsbildende Schule.
    • Zusätzlich wurden 16 leitfadengestützte Interviews geführt.
    • Der Erhebungszeitraum war von Februar bis Juni 2026.
    • Durchgeführt wurde die Studie vom FiBS Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie im Auftrag des Cornelsen Verlags.

    Welche Themen beschäftigen Schulleitungen besonders?

    Allgemeinbildende Schulen:

    • 73 % nennen den Umgang mit Kindern mit herausforderndem Verhalten als wichtigstes Thema.
    • 40 % nennen die Gesundheit aller Schulakteure.
    • 39 % nennen die Personalgewinnung.

    Berufsbildende Schulen:

    • 51 % nennen die Anforderungen durch Künstliche Intelligenz als wichtigstes Thema.
    • 44 % nennen die Personalgewinnung.
    • 43 % nennen die Gewinnung von Schülerinnen und Schülern.

    Wie bewerten Schulleitungen das Startchancen-Programm?

    • 93 % der teilnehmenden Schulleitungen sehen einen Nutzen für die eigene Schule.
    • 82 % nennen Dokumentationspflichten als Hürde für die Umsetzung.
    • 75 % nennen das Antragsverfahren als Hürde.
    • 63 % nennen den Personalmangel als Hürde.
    • 36 % der betroffenen Schulleitungen erwarten, dass an ihrer Schule der Anteil der Kinder, die die Mindestanforderungen in Deutsch und Mathematik noch nicht erreichen, halbiert werden kann.

    Was bedeutet der Ganztagsanspruch für die Grundschulen?

    • 86 % der Befragten sehen im Ganztag vor allem ein Betreuungs- und kein Bildungsangebot.
    • 20 % der Grundschulen halten unter den aktuellen Gegebenheiten eine hochwertige Ganztagsbildung für möglich.
    • Die größten Hürden sind Räumlichkeiten und qualifiziertes Personal.
    • In Ostdeutschland, Berlin und Hamburg werden schon heute mehr als 80 % der Grundschulkinder ganztägig beschult oder im Hort betreut.
    • Im Rest der Republik besteht Aufholbedarf.

    Welche Belastungen prägen den Schulalltag?

    • 88 % der Schulleitungen berichten von psychischen Problemen in der Schülerschaft.
    • 81 % berichten von familiären Herausforderungen.
    • 79 % berichten von sozialen Auffälligkeiten.
    • 74 % berichten von Lernschwierigkeiten.

    Welche Herausforderungen gibt es bei Demokratie und Gewalt?

    • 51 % fühlen sich alleingelassen, wenn es darum geht, demokratische Werte in der Schule zu verteidigen.
    • 50 % berichten von Eltern, die demokratische Werte nicht mittragen.
    • 32 % betonen, dass der Schulalltag durch Gewalt belastet wird.
    • In ländlichen Regionen Ostdeutschlands liegt dieser Anteil bei 65 %.

    Welche Ansätze werden für mehr Lernerfolg genannt?

    • 79 % nennen eine stärkere Förderung von Basiskompetenzen als möglichen Ansatz.
    • 71 % nennen einen besseren Umgang mit der Heterogenität der Schüler:innenschaft.
    • 69 % nennen multiprofessionelle Teams.
    • 61 % nennen eine grundlegende Anpassung der Rahmenlehrpläne.

    Welche Regeln wünschen sich Schulleitungen für Social Media und Smartphones?

    • Schulleitungen wünschen sich klare, rechtssichere Leitplanken.
    • 96 % der Schulleitungen an allgemeinbildenden Schulen befürworten ein Smartphone-Verbot im Unterricht.
    • 91 % befürworten ein ganztägiges Smartphone-Verbot.
    • 92 % wünschen sich mehr Unterstützung beim Thema Cybermobbing.

    Wie bewerten Schulen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz?

    • Schulen wollen Digitalisierung vorantreiben.
    • 78 % sehen den größten Bedarf bei einer nachhaltigen Finanzierung.
    • 72 % sehen den größten Bedarf bei der Fortbildung der Lehrkräfte.
    • 99 % fordern eine medienkritische Begleitung von KI.
    • 78 % fürchten, dass KI eigenständiges Denken der Schüler:innen gefährdet.
    • 30 % erwarten durch den Einsatz von KI mehr Chancengerechtigkeit.

  • Nationaler Bildungsbericht „Bildung in Deutschland“

    Nationaler Bildungsbericht „Bildung in Deutschland“

    Denn die Aufgaben werden nicht weniger. Fachkräftemangel, zunehmende Heterogenität, Bildungsungleichheit, Digitalisierung und knappe Ressourcen prägen den Alltag vieler Schulen. Zugleich benennt der Bericht die Gewinnung, Bindung und Qualifizierung pädagogischer Fachkräfte ausdrücklich als zentrale Herausforderung des Bildungssystems.  

    Es geht nicht nur um mehr Personal

    Der Bericht zeichnet ein differenziertes Bild. Während sich der Lehrkräftemangel im Primarbereich perspektivisch entspannen könnte, bleibt er insbesondere in der Sekundarstufe hoch. Gleichzeitig steigt der Anteil von Lehrkräften ohne klassische Lehramtsausbildung. Bundesweit verfügen inzwischen 12 Prozent der voll- und teilzeitbeschäftigten Lehrkräfte über keine anerkannte Lehramtsprüfung. 

    Diese Entwicklung erhöht den Bedarf an professioneller Begleitung und Qualifizierung. Zugleich verändern sich die Anforderungen an den Beruf. Individuelle Förderung, Ganztagsausbau, multiprofessionelle Zusammenarbeit und digitale Transformation gehören heute selbstverständlich zum Schulalltag. 

    Neue Aufgaben erfordern neue Kompetenzen

    Auch die Zusammenarbeit unterschiedlicher Professionen gewinnt an Bedeutung. An den meisten Schulen arbeiten inzwischen weitere pädagogische Fachkräfte. Viele Schulleitungen sehen die Koordination dieser Zusammenarbeit als wichtige Aufgabe, berichten jedoch gleichzeitig von fehlenden Kapazitäten dafür. 

    Für die Heraeus Bildungsstiftung ergeben sich daraus mehrere Handlungsfelder. Wir sehen einen wachsenden Bedarf an Programmen für Schulleitungen und Führungsteams, die Priorisierung, Schulentwicklung und den Umgang mit komplexen Veränderungsprozessen verbinden. Ebenso leiten wir aus den Ergebnissen einen hohen Qualifizierungsbedarf zu Basiskompetenzen und Bildungsgerechtigkeit ab – insbesondere für Schulen in herausfordernden Lagen. 

    Der Bericht bestätigt uns darin, dass Digitalität und Künstliche Intelligenz nicht als reine Technikthemen verstanden werden sollten. Für Schulen geht es zunehmend darum, diese Entwicklungen pädagogisch sinnvoll zu nutzen und in Lernprozesse, Führung und Schulentwicklung zu integrieren. 

    Auch die zunehmende Bedeutung multiprofessioneller Teams spricht aus unserer Sicht für Angebote, die Zusammenarbeit, Rollenklärung und gemeinsame Verantwortung stärken. Die Ergebnisse legen zudem nahe, dass Qualifizierung künftig stärker als langfristiger Entwicklungsprozess gedacht werden sollte – mit Transfer, Begleitung, kollegialem Lernen und Evaluation statt ausschließlich punktueller Fortbildungsangebote. 

    Für Lehrkräfte geht es aus unserer Sicht vor allem um die Weiterentwicklung von Unterricht, Förderung und den professionellen Umgang mit Digitalität und Künstlicher Intelligenz. Für Schulleitungen wird es zunehmend wichtiger, Teams zu entwickeln, Prioritäten zu setzen und Schulentwicklung unter knappen Ressourcen zu gestalten. 

    Über den Nationalen Bildungsbericht

    Der nationale Bildungsbericht für Deutschland wird von einer unabhängigen Gruppe von Wissenschaftler:innen unter der Federführung des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation erarbeitet.