Diskussionsreihe „Kathinka fragt nach“ Was muss Schule heute leisten?
Drei Zukunftsfragen. Zwei Hanauer Stiftungen. Ein gemeinsames Ziel: Schule so gestalten, dass Kinder und Jugendliche ihre Stärken entfalten und gut auf das Leben vorbereitet sind.
Gemeinsam mit der Kathinka Platzhoff Stiftung lädt die Heraeus Bildungsstiftung in diesem Herbst zu drei Diskussionsabenden in Hanau ein.
Lehrkräfte, Schulleitungen, Schüler:innen und Expert:innen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Stiftungen kommen bei der beliebten Veranstaltungsreihe „Kathinka fragt nach“ miteinander ins Gespräch.
Seien Sie dabei und diskutieren Sie mit uns.
Wie gerecht ist Schule? Chancen für alle – Wege zu einer fairen Schule
Mittwoch, 30. September 2026 | 18:30-20:30 Uhr Kathinka-Platzhoff-Stiftung Hanau
Schule soll allen Kindern gleiche Chancen bieten. Doch soziale Herkunft, Sprache und individuelle Bedürfnisse beeinflussen den Bildungserfolg stärker, als sie sollten.
Wie können Integration und individuelle Förderung gelingen? Was brauchen Kinder, um ihre Potenziale zu entfalten?
Auf dem Podium:
Prof. Dr. Frank E. P. Dievernich, Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt
Roswitha Malewski, Schulleiterin der Grundschule Kuppelnau und Preisträgerin beim Deutschen Lehrkräftepreis
Dr. Jan Scharf, DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation
Miriam Zeleke, Landesbeauftragte für die Förderung und Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in Hessen
Wie macht Schule Schüler:innen stark? Was junge Menschen heute brauchen, um ihren Weg zu gehen
Mittwoch, 25. November 2026 | 18:30-20:30 Uhr Kulturforum Hanau
Wie stellen sich Schüler:innen die Schule der Zukunft vor? Was brauchen sie, um motiviert zu lernen und gut auf das Leben vorbereitet zu sein?
Schüler:innen der Hohen Landesschule Hanau berichten aus ihrem Pilotprojekt zum selbstgesteuerten Lernen. Sie bringen ihre Erfahrungen, Wünsche und Ideen in die Diskussion ein.
Auf dem Podium:
Daniele Esposito, Head of Google for Education DACH
Martin Fugmann, Geschäftsführender Vorstand der Heraeus Bildungsstiftung
Jasmin Khader, Lehrerin und Preisträgerin beim Deutschen Lehrkräftepreis
„Es bringt nichts, nur mehr vom Gleichen zu machen“ Schulleiterin Roswitha Malewski im Interview
Geht nicht, gibt’s nicht – so beschreiben die Kolleg:innen von Roswitha Malewski die Haltung ihrer Schulleiterin. Die Rektorin der Grundschule Kuppelnau in Baden-Württemberg wurde 2025 mit dem Deutschen Lehrkräftepreis ausgezeichnet – auf Empfehlung ihres Teams.
Frau Malewski, Sie sind offiziell eine „vorbildliche Schulleitung“: Was heißt das denn für Sie, Schulleiterin zu sein?
Roswitha Malewski: Puh, erst mal bedeutet Schulleiterin zu sein eine sehr große Umstellung. Darauf bereitet einen das Lehramtsstudium nicht vor, und eine Ausbildung zur Schulleitung gibt es ja auch nicht. Wenn man dann Schulleitung ist, bekommt man zwar Unterstützung in Form von verschiedenen Modulen, aber das meiste lernt man, indem man es einfach macht.
Schulleiterin zu sein, macht mein Leben sehr abwechslungsreich und vielfältig – es ist einfach großartig.
Insgesamt sind Sie nun schon seit zehn Jahren als Schulleiterin tätig. Was gab damals den Ausschlag für den Wechsel?
Tatsächlich bin ich zuerst vom Lehrerinnendasein in die Fortbildung gewechselt. Damals gab es in Baden-Württemberg den großen Aufbruch rund um die Gemeinschaftsschulen und den Schulstrukturveränderungen. Da wollte ich gern dabei sein und habe Schulen beraten. So habe ich unheimlich viele Schulen kennengelernt und gesehen, was gut läuft. Immer mal wieder habe ich gedacht: „Ach, das könnte ich auch“ oder „Das würde ich als Schulleiterin so und so machen“.
Als dann die damalige Schulleitung meiner jetzigen Schule in den Ruhestand gegangen ist, dachte ich: Das ist der Moment, noch mal etwas anderes zu machen – und irgendwie hat das geklappt.
In der Nominierung für den Deutschen Lehrkräftepreis, die Ihr Kollegium verfasst hat, wird deutlich, wie viel Wert Sie als Schulleiterin auf Partizipation legen. Eltern, Schüler:innen, Lehrkräfte – alle können sich beteiligen, etwa über Arbeitsgemeinschaften, Fördervereine oder Beiräte. Warum ist Ihnen das so wichtig?
Eine Schule kann man niemals allein leiten, das ergibt überhaupt keinen Sinn. Schule ist wie ein sehr träger Tanker, eine einmal eingeschlagene Richtung lässt sich nicht so schnell verändern. Deshalb ist es sinnvoll, die Menschen mitzunehmen.
Je mehr Menschen Teil des Prozesses sind, desto eher kann man gemeinsam etwas bewegen. Das gilt auch für die Kinder: Die haben oft so viele gute Ideen und setzen die unglaublich gut um. Die erreichen bei der Stadt manchmal viel mehr als ich.
Die Partizipationsmöglichkeiten erstrecken sich bei Ihnen an der Schule auch auf den Bereich der Schulentwicklung. Warum muss sich Schule weiterentwickeln?
In vielen Punkten ist Schule noch so, wie man sie sich um die Jahrhundertwende vorgestellt hat – und zwar die vor 120 Jahren, nicht die vor 20. Aber Kinder haben sich verändert, die Gesellschaft hat sich verändert, Eltern haben sich verändert, also muss Schule sich ebenfalls verändern.
Die PISA-Ergebnisse sind schlecht, die Vera-Ergebnisse sind schlecht. Und trotzdem doktern wir immer nur im Klein-Klein herum: hier noch eine Förderstunde, dort noch zusätzlicher Matheunterricht. Ich glaube, man müsste das viel größer denken. Man müsste von den Besten lernen – und nicht nur ins Ausland fahren, sich das anschauen und dann sagen: „Ja, interessant, aber wir lassen lieber alles so, wie es ist.“
Kultuspolitik ist natürlich schwierig, weil Bildung Ländersache ist und deshalb alles sechzehnmal unterschiedlich geregelt wird. In meinen Augen ergibt das aber überhaupt keinen Sinn.
Wenn Sie die Möglichkeit hätten, das Bildungssystem zu verändern – wo würden Sie als Erstes ansetzen?
Ich würde erst mal die Vielfalt der vielen verschiedenen Schularten reduzieren und die Kinder länger gemeinsam lernen lassen, bis zur 8. oder 9. Klasse. Danach könnten sie selbst entscheiden, wie es weitergeht. Außerdem würde ich viel stärker die Bereiche in den Mittelpunkt stellen, die immer gekürzt werden: Sport, Kunst, Theater – all das, was Kinder brauchen.
Natürlich sind Lesen, Schreiben und Rechnen elementar wichtig. Aber es bringt nichts, immer nur mehr vom Gleichen zu machen. Ein Kind lernt doch auch, sich auszudrücken, zu lesen und zu schreiben, wenn es beispielsweise Theater spielt, Briefe verfasst oder mit alten Menschen in Kontakt kommt.
Ich glaube einfach, wir müssten viel größer denken.
Gerade diesen kulturellen Bereich haben Sie an Ihrer Schule stark ausgebaut, durch das Theaterprofil. Wie hat sich Schule dadurch verändert?
Ein Theaterprojekt gab es an der Schule tatsächlich schon, als ich vor zehn Jahren Schulleiterin geworden bin. Um die Ecke steht ein kleines städtisches Theater, dessen Theaterpädagoginnen schon damals ein Projekt mit unseren Zweitklässlern organisierten. Sechs Wochen lang arbeiteten sie mit den Kindern an einer eigenen Aufführung, die zum Abschluss im Theater präsentiert wurde. Das war natürlich großartig – die Eltern kamen ins Theater und sahen ihre Kinder auf der Bühne.
Dann hatten wir das Glück, eine Kollegin zu bekommen, die Theaterpädagogin ist und selbst am Theater arbeitet. Gemeinsam haben wir das Theaterprofil aufgebaut. Jetzt wird schon in Klasse 1 Theater gespielt, in Klasse 2 folgt das erwähnte Projekt mit dem Theater Ravensburg und in Klasse 3 und 4 haben die Kinder jede Woche zwei Stunden Theaterunterricht fest im Stundenplan verankert. Das ist keine freiwillige AG, sondern regulärer Unterricht.
Theater heißt daher bei uns nicht: Kostüme anziehen und Dornröschen spielen. Die Kinder entwickeln eigene Stücke, machen Improtheater, bespielen das ganze Schulhaus, erstellen Podcasts – das ist unglaublich vielfältig. Und das macht so viel mit den Kindern. Weiterführende Schulen sagen uns oft, dass unsere Kinder sich unglaublich gut ausdrücken und präsentieren können und selbstbewusst auftreten.
Inwiefern passt dieser Schwerpunkt zu Ihrer Forderung, dass Schule sich verändern muss? Also: Was muss Schule Kindern heute bieten, um sie gut auf das Leben vorzubereiten?
Ich glaube ehrlich gesagt gar nicht, dass wir Kinder auf das konkrete Leben vorbereiten können, das sie erwartet, weil sich alles so schnell verändert – Stichwort KI. Von daher ist es sinnvoller, Kinder so zu stärken, dass sie selbstbewusst sind, Dinge hinterfragen können, wissen, wo sie etwas nachschauen und wem sie vertrauen können – gerade im Netz. Hinzu kommt, dass sie lernen sollten, wie sie Beziehungen aufbauen, im Team arbeiten und ihr Wissen flexibel auf Probleme anwenden können.
Wir brauchen einen umfassenderen Bildungsbegriff, der sich nicht darauf beschränkt, dass Kinder Lesen, Schreiben und Rechnen können. Die Kinder müssen später in einer Welt zurechtkommen, die so komplex sein wird, dass wir sie uns heute kaum vorstellen können.
Sie selbst versuchen ja schon, Schule entsprechend zu verändern. Wie groß sind die Einflussmöglichkeiten einer Schulleitung?
Nach zehn Jahren als Schulleiterin muss ich leider feststellen, dass die eher gering sind – zumindest, wenn es um grundsätzliche Fragestellungen geht. Was ich aber in meiner Position sehr stark beeinflussen kann, ist die Atmosphäre an der Schule. Wenn ich als Schulleiterin die Kinder mag, die Eltern und Kolleginnen mag und einfach gerne hierherkomme, dann macht das etwas mit der Schule. Heute Morgen kam eine Schülerin und hat mich gleich umarmt, als ich mit dem Fahrrad auf den Schulhof gefahren bin. Früher hätte doch niemand seine Schulleiterin umarmt. Niemals.
Für die Kinder ist diese vertrauensvolle Atmosphäre aber selbstverständlich. Genauso selbstverständlich kommen sie zu mir ins Büro, wenn sie ein Pflaster oder ein Kühlpack brauchen. Ich laufe mit Kindern auch nach Hause, wenn sie nicht abgeholt werden, oder hole sie morgens ab, wenn sie niemand bringt. An diesen Punkten kann ich aktiv ansetzen.
Was ich nicht verändern kann, ist die Kultuspolitik. Da bleibt einem nur, selbst politisch oder gewerkschaftlich aktiv zu sein. Aber das ist zäh; es geht immer wieder vor und zurück.
Wir als Schule beteiligen uns zum Beispiel am Schulversuch „Lernförderliche Leistungsrückmeldung“. Das heißt, wir haben uns entschieden, auf Noten zu verzichten und stattdessen Rückmeldungen zu den Kompetenzen der Kinder zu geben. Durch die Einführung der teilweise verbindlichen Grundschulempfehlung und den damit verbundenen Tests liegt der Fokus aber wieder stärker auf Noten. Das bestätigt wiederum die Eltern, die ohnehin lieber Noten hätten, weil sie die für aussagekräftiger halten als eine Rückmeldung darüber, was ein Kind konkret kann.
Deutscher Lehrkräftepreis: Im Februar 2026 erhielt Roswitha Malewski (m.) den 2. Platz in der Kategorie „Ausgezeichnte Schulleitung“. Simone Oldenburg (l.) und Alexandra Heraeus (r.) überreichten den Preis.
Das konterkariert den Schulversuch natürlich.
Ja, genau. Solche Veränderungen sind unglaublich zäh, besonders, wenn ein Ministerium nicht mutig genug ist zu sagen: „Wir führen das landesweit ein“, sodass einzelne Schulen nicht allein auf verlorenem Posten mit den Eltern diskutieren müssen.
Und wenn Eltern unbedingt eine bestimmte Schule für ihr Kind wollen, dann wird plötzlich um jede Zehntelnote gekämpft. Dabei kennen die Lehrerinnen und Lehrer die Kinder doch eigentlich sehr gut und können sie einschätzen. Aber solange diese Drei-, Vier- oder Fünfgliedrigkeit im Schulsystem existiert und die weiterführenden Schulen unterschiedlich bewertet werden, bleibt dieser Druck bestehen. Ein Gymnasium gilt immer noch als „besser“ als eine Realschule oder Gemeinschaftsschule. Das macht alles unglaublich schwierig.
Trotzdem versuchen Sie, Schule zu verändern – ein Aspekt, den auch Ihr Kollegium sehr schätzt. In der Nominierung zum Deutschen Lehrkräftepreis beschreibt Ihr Team Sie etwa als „Ermöglicherin“ mit der Grundhaltung „geht nicht, gibt’s nicht“. Was bedeutet Ihnen diese Rückmeldung und die damit verbundene Auszeichnung?
Das rührt mich einfach sehr. Es ist unbeschreiblich wertschätzend. Ich bin überzeugt, dass ganz viele Schulleitungen diesen Preis verdient hätten. Ich bin ja nicht toller als andere. Aber dass sich meine Kolleginnen und Kollegen hingesetzt und sich die Zeit genommen haben, diese Bewerbung zu schreiben – das ist einfach großartig. Das ist wie eine warme Dusche, die gar nicht aufhört.
Das Interview führte Anna Hückelheim von der Agentur für Bildungsjournalismus für news4teachers.
Nationaler Bildungsbericht Warum Qualifizierung zur Entwicklungsfähigkeit von Schule beitragen muss
Wenn über die Herausforderungen im Bildungssystem gesprochen wird, steht häufig der Lehrkräftemangel im Mittelpunkt. Der Nationale Bildungsbericht 2026 lenkt den Blick auf eine weitere zentrale Frage: Wie können Lehrkräfte und Schulleitungen so qualifiziert werden, dass sie mit den wachsenden Anforderungen im Schulalltag erfolgreich umgehen können?
Denn die Aufgaben werden nicht weniger. Fachkräftemangel, zunehmende Heterogenität, Bildungsungleichheit, Digitalisierung und knappe Ressourcen prägen den Alltag vieler Schulen. Zugleich benennt der Bericht die Gewinnung, Bindung und Qualifizierung pädagogischer Fachkräfte ausdrücklich als zentrale Herausforderung des Bildungssystems.
Die Ergebnisse legen nahe: Die entscheidende Frage lautet nicht mehr nur, ob Lehrkräfte und Führungskräfte fortgebildet werden. Zunehmend kommt es darauf an, wie Qualifizierung zur Entwicklungsfähigkeit von Schulen und des Bildungssystems beiträgt.
Es geht nicht nur um mehr Personal
Der Bericht zeichnet ein differenziertes Bild. Während sich der Lehrkräftemangel im Primarbereich perspektivisch entspannen könnte, bleibt er insbesondere in der Sekundarstufe hoch. Gleichzeitig steigt der Anteil von Lehrkräften ohne klassische Lehramtsausbildung. Bundesweit verfügen inzwischen 12 Prozent der voll- und teilzeitbeschäftigten Lehrkräfte über keine anerkannte Lehramtsprüfung.
Diese Entwicklung erhöht den Bedarf an professioneller Begleitung und Qualifizierung. Zugleich verändern sich die Anforderungen an den Beruf. Individuelle Förderung, Ganztagsausbau, multiprofessionelle Zusammenarbeit und digitale Transformation gehören heute selbstverständlich zum Schulalltag.
Neue Aufgaben erfordern neue Kompetenzen
Besonders deutlich werden die Herausforderungen bei Digitalität und Künstlicher Intelligenz. Viele Lehrkräfte berichten von Fortbildungsbedarf, gleichzeitig liegt die Fortbildungsbeteiligung in Deutschland international unter dem Durchschnitt. Der Bericht macht deutlich: Es reicht nicht, digitale Infrastruktur bereitzustellen. Entscheidend ist, wie digitale Werkzeuge pädagogisch sinnvoll eingesetzt werden.
Auch die Zusammenarbeit unterschiedlicher Professionen gewinnt an Bedeutung. An den meisten Schulen arbeiten inzwischen weitere pädagogische Fachkräfte. Viele Schulleitungen sehen die Koordination dieser Zusammenarbeit als wichtige Aufgabe, berichten jedoch gleichzeitig von fehlenden Kapazitäten dafür.
Hinzu kommt eine weitere Herausforderung: Bildungsungleichheiten entstehen nicht an einem einzelnen Punkt, sondern entlang der gesamten Bildungskette. Für Schulen bedeutet dies zusätzliche Anforderungen bei Förderung, Übergangsgestaltung und Zusammenarbeit mit Eltern, Kommunen und weiteren Partnern.
Was wir daraus schließen
Für die Heraeus Bildungsstiftung ergeben sich daraus mehrere Handlungsfelder. Wir sehen einen wachsenden Bedarf an Programmen für Schulleitungen und Führungsteams, die Priorisierung, Schulentwicklung und den Umgang mit komplexen Veränderungsprozessen verbinden. Ebenso leiten wir aus den Ergebnissen einen hohen Qualifizierungsbedarf zu Basiskompetenzen und Bildungsgerechtigkeit ab – insbesondere für Schulen in herausfordernden Lagen.
Der Bericht bestätigt uns darin, dass Digitalität und Künstliche Intelligenz nicht als reine Technikthemen verstanden werden sollten. Für Schulen geht es zunehmend darum, diese Entwicklungen pädagogisch sinnvoll zu nutzen und in Lernprozesse, Führung und Schulentwicklung zu integrieren.
Auch die zunehmende Bedeutung multiprofessioneller Teams spricht aus unserer Sicht für Angebote, die Zusammenarbeit, Rollenklärung und gemeinsame Verantwortung stärken. Die Ergebnisse legen zudem nahe, dass Qualifizierung künftig stärker als langfristiger Entwicklungsprozess gedacht werden sollte – mit Transfer, Begleitung, kollegialem Lernen und Evaluation statt ausschließlich punktueller Fortbildungsangebote.
Für Lehrkräfte geht es aus unserer Sicht vor allem um die Weiterentwicklung von Unterricht, Förderung und den professionellen Umgang mit Digitalität und Künstlicher Intelligenz. Für Schulleitungen wird es zunehmend wichtiger, Teams zu entwickeln, Prioritäten zu setzen und Schulentwicklung unter knappen Ressourcen zu gestalten.
Der Bildungsbericht beschreibt die Herausforderungen eines Bildungssystems im Wandel. Für uns lautet die zentrale Erkenntnis: Gute Schulen brauchen nicht nur ausreichend Personal. Sie brauchen Lehrkräfte und Schulleitungen, die die Kompetenzen entwickeln können, um mit den wachsenden Anforderungen erfolgreich umzugehen und Schule aktiv weiterzuentwickeln.
Über den Nationalen Bildungsbericht
„Bildung in Deutschland“ ist ein indikatorengestützter Bericht, der das deutsche Bildungswesen als Ganzes abbildet – von der frühen Bildung bis zur Weiterbildung im Erwachsenenalter. Der aktuelle Bericht legt den Fokus auf das Thema „Bildungsungleichheiten nach sozialer Herkunft“.
Der nationale Bildungsbericht für Deutschland wird von einer unabhängigen Gruppe von Wissenschaftler:innen unter der Federführung des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation erarbeitet.
Qualifizierung zur Grundschulleitung Erfolgreiche Stiftungsinitiative „Grundschule voraus“ wird von der Stadt Hamburg fortgesetzt
Grundschulen sind weit mehr als nur ein Lernort für das ABC – sie sind zentraler Schauplatz für Bildungsgerechtigkeit. Hier kommen Kinder mit unterschiedlichsten Voraussetzungen zusammen und genau hier wird das Fundament für ein demokratisches Miteinander gelegt. Da diese Aufgabe immer komplexer wird, braucht es eine starke, reflektierte Leitung, die diesen Prozess aktiv gestaltet.
Das Qualifizierungsangebot „Grundschule voraus“ setzt genau hier an: In dem speziell für Grundschullehrkräfte entwickelten Programm bekommen Lehrkräfte ab dem fünften Berufsjahr das Rüstzeug zur Grundschulleitung. Am 17. Juni 2026 erhielten die Programmteilnehmenden des dritten Jahrgangs ihre Zertifikate, gleichzeitig wurde der Abschluss des auf drei Jahre angelegten Modellprojekts erstmals mit allen Absolventinnen und Absolventen gefeiert. Künftig wird das von drei Stiftungen initiierte Programm von der Stadt Hamburg fortgesetzt.
Das berufsbegleitende Qualifizierungsprogramm besteht aus drei Bausteinen: dem Führungstraining, begleitenden Netzwerkveranstaltungen und einem Praxisprojekt in der Schule. Ziel ist, die Lehrkräfte durch die einjährige Weiterbildung optimal auf den Beruf der Schulleitung vorzubereiten. Unterstützt wird die Initiative durch ein großes Netzwerk aus Schule, Bildung und Wissenschaft.
Mit der Übernahme von ‚Grundschule voraus‘ als Landesprogramm setzen wir in Hamburg ein starkes Zeichen für die gezielte Förderung unseres Führungskräftenachwuchses an Grundschulen. Das Programm hat bereits bewiesen, wie praxisnah und wirksam es Lehrkräfte auf die verantwortungsvolle Aufgabe der Schulleitung vorbereitet. Ich danke den Stiftungen für ihr Engagement und freue mich, dass wir dieses erfolgreiche Qualifizierungsangebot nun dauerhaft in Hamburg verankern und damit die Qualität unserer Grundschulen weiter stärken.
Bildungssenatorin Ksenija Bekeris
Angehende Grundschulleitungen auf ihrem Weg begleiten zu dürfen und sie in ihrer Persönlichkeit sowie Gestaltungskompetenz zu stärken, war uns eine große Freude. Die systematische Fortführung verstehen wir auch als Ausdruck gelingender und vertrauensvoller Zusammenarbeit zwischen den Stiftungen und der Bildungsbehörde. Unser besonderer Dank gilt allen Programmteilnehmenden für die inspirierende Zusammenarbeit und das entgegengebrachte Vertrauen. Für ihren weiteren Weg – ebenso wie für alle kommenden Jahrgänge am LI – wünschen wir Zuversicht Schule verantwortungsvoll und mutig zu gestalten.
Ansgar Wimmer, Vorstandsvorsitzender der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S.
Grundschule voraus hat gezeigt, wie wirksam gute Qualifizierung für Schulleitungen sein kann. Die Initiative ermutigt Lehrkräfte, Verantwortung zu übernehmen und Grundschule aktiv mitzugestalten. Besonders wertvoll ist für uns die wissenschaftliche Evaluation der Universität Lüneburg. Die Erkenntnisse daraus nutzen wir, um unsere Programme weiterzuentwickeln. Dass Hamburg Grundschule voraus nun verstetigt, ist ein starkes Signal für die Bedeutung guter Schulleitungsqualifizierung und zugleich eine schöne Anerkennung unserer gemeinsamen Arbeit.
Alexandra Heraeus, Vorstandsvorsitzende der Heraeus Bildungsstiftung
Das Projekt ‚Grundschule voraus‘ ist ein voller Erfolg für die Bildung in Hamburg und auch für uns als initiierende Stiftungen. Mit ‚Grundschule voraus‘ haben wir eindrücklich gezeigt, dass wir als Stiftungen mit unserer Arbeit in die Gesellschaft wirken und mit Schulen, Behörde und Wissenschaft erfolgreich an einem Strang ziehen. Als ZEIT STIFTUNG BUCERIUS wollen wir Wandel anstoßen, nachhaltig Impulse setzen und Menschen zum Mitgestalten ermutigen.
Prof. Manuel Hartung, Vorstandsvorsitzender der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS
Dass gezielte Weiterbildungsprogramme den Schulleitungsmangel wirksam bekämpfen, zeigt die Studie von Prof. Dr. Marcus Pietsch (Leuphana Universität) zur Initiative „Grundschule voraus“. Teilnehmende von Führungsqualifikationen empfinden demnach deutlich höhere Entwicklungsmöglichkeiten als Lehrkräfte im Bundesschnitt. Das Programm „Grundschule voraus“ fördert Motivation, Führungserfahrung und Lernzielorientierung, wodurch Lehrkräfte besser auf Führungsrollen vorbereitet werden.
Das Weiterbildungsprogramm „Grundschule voraus“ richtet sich an Hamburger Grundschullehrkräfte ab dem fünften Berufsjahr, die sich vorstellen können, künftig mehr Führungsverantwortung zu übernehmen. Das einjährige und berufsbegleitende Qualifizierungsprogramm, das aus drei Modulen (Akademietage – Netzwerk – Praxisprojekt) besteht, wurde in den ersten drei Jahrgängen (2023, 2024 und 2025) bereits von 52 Hamburger Grundschullehrkräften erfolgreich absolviert. Rund die Hälfte aller Teilnehmenden sind heute in einer Führungsposition – zum Schuljahr 2026/27 startet bereits der vierte Jahrgang.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mut zum Aufbruch Preisträger:innen des Deutschen Lehrkräftepreises treffen sich in Hanau zum Exzellenzcamp
Was gibt Menschen Kraft, sich jeden Tag für eine Schule einzusetzen, in der junge Menschen ihre Stärken entfalten können?
Mit dieser Frage kamen die diesjährigen Preisträger:innen des Deutschen Lehrkräftepreises zum Exzellenzcamp in das Stiftungshaus der Heraeus Bildungsstiftung nach Hanau. Unter dem Motto „#Mutausbruch_Schule“ stand ein gemeinsames Ziel im Mittelpunkt: voneinander lernen, Erfahrungen teilen und neue Energie für die eigene Arbeit gewinnen.
„Sie hören nicht auf, an Schüler:innen zu glauben.“
Die ausgezeichneten Lehrkräfte und Schulleitungen verbindet eine Haltung, die im Schulalltag den Unterschied macht: Sie hören nicht auf, an ihre Schüler:innen zu glauben. Sie wollen jungen Menschen zeigen, dass sie etwas bewegen können, und geben ihnen Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten.
In Workshops und Gesprächen ging es darum, eigene Stärken sichtbar zu machen, Herausforderungen im Schulalltag konstruktiv zu begegnen und Erfolge miteinander zu teilen. Viele Teilnehmende nutzten die Gelegenheit, Erfahrungen aus unterschiedlichen Schulformen und Bundesländern auszutauschen und neue Verbindungen zu knüpfen, die über das Exzellenzcamp hinaus Bestand haben.
Wer gibt jungen Menschen Orientierung?
Ein besonderer Programmpunkt war der Austausch mit Dinesh Kumari Chenchanna vom ZDF. Mit der Initiative ZDF goes Schule unterstützt das ZDF den neuen Sonderpreis Medien und Demokratie des Deutschen Lehrkräftepreises. Gemeinsam diskutierten die Teilnehmenden darüber, wie Schule jungen Menschen Orientierung geben kann – in einer Zeit, in der Informationen jederzeit verfügbar sind und traditionelle Autoritäten zunehmend hinterfragt werden.
Viele Gespräche kreisten um die Frage, wie Schulen junge Menschen dabei unterstützen können, sich in einer zunehmend komplexen Welt zurechtzufinden. Dabei ging es weniger um fertige Antworten als um die Erfahrung, selbst etwas bewirken zu können. Immer wieder wurde deutlich, wie wichtig es ist, Schüler:innen Verantwortung zuzutrauen und sie zu ermutigen, ihre Umwelt aktiv mitzugestalten. Der Austausch mit Kolleg:innen aus anderen Schulen eröffnet dafür neue Perspektiven und hilft, eigene Ideen weiterzuentwickeln.
Eine Community, die verbindet
An diesem Punkt setzt das Alumni-Programm des Deutschen Lehrkräftepreises an. Denn mit der Preisverleihung hört die gemeinsame Reise nicht auf. Die Heraeus Bildungsstiftung begleitet die Preisträger auch über die Auszeichnung hinaus und schafft Räume für Austausch, kollegiale Unterstützung und gemeinsames Lernen.
Viele der Gespräche werden deshalb nicht mit dem Exzellenzcamp enden. Sie werden in unserer Community fortgeführt – dort, wo Lehrkräfte und Schulleitungen jungen Menschen etwas zutrauen.
Bildungsdialog Halle Mehr Praxis in Schule – Schüler:innen mehr zutrauen
Wir müssen in Schule miteinander reden und gemeinsam Entscheidungen treffen dürfen. Schule gelingt nur, wenn unsere Perspektiven zusammenkommen.
Mit diesen Worten brachte Lucienne Balke, Vorsitzende des Landesschülerrats Sachsen-Anhalt, beim Bildungsdialog der Heraeus Bildungsstiftung in Halle (Saale) eine zentrale Frage des Abends auf den Punkt: Wie entsteht Schule, die junge Menschen wirklich auf das Leben vorbereitet?
Am 18. Mai kamen im Designhaus Halle, dem Gründungs- und Kommunikationszentrum der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, Entscheider:innen und Vordenker:innen aus Politik, Schule, Kultur und Wissenschaft aus Sachsen-Anhalt zusammen – darunter auch Bildungsminister Jan Riedel. Ziel war es, unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Wie macht Schule handlungsfähig?
Die Diskussionen des Abends kreisten um die Frage: „Lernen fürs Leben. Wie macht Schule junge Menschen handlungsfähig für eine Arbeitswelt im Wandel?“
Für die Heraeus Bildungsstiftung begrüßten Christine Heraeus und Martin Fugmann die Gäste. Martin Fugmann und Christiane Lohrmann moderierten die Impulse und Fragerunden.
Bildung aus unterschiedlichen Perspektiven sehen
Unserer Einladung gefolgt waren neben Bildungsminister Riedel unter anderem auch Staatssekretär Jürgen Böhm, LISA-Direktor Thomas Schödel, Britta Grahneis von der Handwerkskammer Halle, Franziska Hornig von der Leopoldina, Ludwig Thiede von LifeTeachUs, Lisa Wiedemuth vom Gen Ost Jugendfonds, Michael Fritz von der Initiative Zukunft Bildung und Dirk Zorn von der Bertelsmann Stiftung.
Bildungsminister Riedel betonte die Bedeutung der Menschen vor Ort. Gute Schule entstehe dort, „wo Menschen eigenständige Entscheidungen treffen, Freiräume wahrnehmen und Menschen motivieren“. Politik müsse Voraussetzungen schaffen, die eigenverantwortliches Handeln ermöglichen. In Sachsen-Anhalt sei dies an vielen Stellen bereits möglich, ergänzte Staatssekretär Jürgen Böhm.
Riedel sieht dabei vor allem die Freiheit von Schulen entscheidend, Ressourcen eigenständig einzusetzen. Zudem sprach er sich dafür aus, Schulen stärker mit ihrem Sozialraum zu vernetzen, Expert:innen von außen einzubinden und so Praxis in Schule zu holen.
Schüler:innen beim Erwachsenwerden begleiten
Ein Beispiel dafür stellte Ludwig Thiede mit LifeTeachUs vor. Das Startup bringt Menschen aus unterschiedlichen Lebensbereichen in Schulen. Sie teilen ihr Praxiswissen und ihre Erfahrungen mit Schüler:innen und begleiten sie beim Erwachsenwerden. „Jeder trägt etwas in sich, das er an Schülerinnen und Schüler weitergeben kann“, sagte Thiede.
Lucienne Balke vom Landesschülerrat machte deutlich, dass viele Schüler:innen sich mehr echte Mitgestaltung wünschen. Schule brauche mehr Praxisbezüge und mehr Räume, in denen junge Menschen mitreden und Verantwortung übernehmen können. Beteiligung müsse fester Teil des Schulalltags werden.
Auch Lisa Wiedemuth von der Sitftung Bürger für Bürger in Halle stellte den Gen Ost Jugendfonds vor, der junge Menschen darin unterstützt, eigene Ideen umzusetzen und Verantwortung zu übernehmen.
Der Bildungsdialog zeigte: Wer junge Menschen handlungsfähig machen will, muss ihnen zutrauen, Schule mitzugestalten.
Gemeinsam mit dem Ministerium für Bildung des Landes Sachsen-Anhalt und dem Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung Sachsen-Anhalt (LISA) realisieren wir den BildungsCampusLeadership Sachsen-Anhalt (BCL).
Der BCL ist ein innovativer Lern- und Gestaltungsort, um schulische Führungskräfte und Nachwuchskräfte gezielt in ihrer Handlungskompetenz zu stärken. Hier entstehen Räume für Austausch, Reflexion und Vernetzung – Schulleitungen und Lehrkräfte lernen miteinander und voneinander.
Im Rahmen dieser Zusammenarbeit fand im März 2026 in Ronnenberg der zweite Akademietag für Leitungskräfte statt.
13 Schulleitungen und zehn Leitungen Pädagogischer Werkstätten aus sechs Bundesländern tauschten sich in Workshops zu den Themen Team- und Kommunikationskultur, effektive Zusammenarbeit und Projektmanagement aus.
Die Stiftung Ein Quadratkilometer Bildung setzt sich dafür ein, Bildungschancen für Kinder und Jugendliche in sozial benachteiligten Quartieren zu verbessern. Sie arbeitet dabei eng mit Schulen, Kitas und lokalen Partnern zusammen. Zugleich stärkt sie Bildungsnetzwerke vor Ort, um nachhaltige Entwicklung im direkten Lebensumfeld junger Menschen zu ermöglichen.
Damit die Teilnehmer:innen ihren Austausch auch nach dem Präsenztreffen aktiv weiterführen können, sind weitere digitale Workshops sowie ein dritter Akademietag geplant.
Der Akademietag der Stiftung Ein Quadratkilometer Bildung knüpft damit direkt an zentrale Ansätze der Heraeus Bildungsstiftung an: Persönlichkeitsentwicklung, Leadership und Beziehungskultur. Im Fokus steht eine Führung, die Menschen stärkt, Zusammenarbeit ermöglicht und Entwicklung im Schulalltag verankert.
Forum Bildung Digitalisierung Orientierungspapier bietet Überblick zu aktuellen KI-Fortbildungsangeboten für Schulleitungen
Das Forum Bildung Digitalisierung (FBD) hat ein neues Orientierungspapier zu KI-bezogenen Schulleitungsfortbildungen in Deutschland veröffentlicht. Es zeigt klar: Künstliche Intelligenz ist ein zentraler Hebel für nachhaltige Schulentwicklung.
Die Analyse von 41 Fortbildungsangeboten macht aber deutlich: Der Schwerpunkt liegt bislang auf Verstehen und Anwenden von KI. Deutlich seltener werden Reflexion und Mitgestaltung adressiert. Langfristige Formate, Teamansätze und begleitete Transferphasen in der eigenen Schule bleiben die Ausnahme. Zugleich erreichen bestehende Angebote vor allem bereits KI-affine Schulleitungen – viele andere bleiben aufgrund von Zeitdruck, Unsicherheiten oder fehlender Relevanz außen vor.
Das Papier benennt daher konkrete Bedarfe für wirksame Fortbildung:
längerfristige, praxisnahe Formate mit Raum für Erprobung und Reflexion
zielgruppenspezifische Angebote – auch für Schulleitungsteams
eine kritisch-konstruktive Haltung zu KI
partizipative und agile Führungskultur
ein qualifiziertes Unterstützungssystem mit klaren rechtlichen Rahmenbedingungen
„Wohlbefinden ist eine zentrale Aufgabe der Schulleitung“ Im Gespräch mit Schulleiter André Szymkowiak
André Szymkowiak leitet das Gymnasium Thusneldastraße in Köln. 2023 wurde er mit dem Deutschen Lehrkräftepreis in der Kategorie „Vorbildliche Schulleitung“ ausgezeichnet. Für ihn steht fest: Wohlbefinden ist kein „Nice-to-have“, sondern die Grundlage für gelingendes Lernen – und damit eine zentrale Aufgabe der Schulleitung. Im Gespräch erklärt er, wie Vertrauen, Beteiligung und klare Strukturen Schule verändern können.
André, Wohlbefinden ist für dich die Grundlage jeder Schulgemeinschaft. Ist das nicht etwas übertrieben?
André Szymkowiak: Für mich ist völlig klar: Gerne zur Schule zu kommen und gerne zu lernen ist die Basis, damit Lernen wirklich stattfindet. Natürlich kann man auch durch Druck lernen, weil man Prüfungen bestehen muss – aber das ist kein echtes, innerlich motiviertes Lernen. Wir wollen, dass aus Überzeugung gelernt wird. Das gelingt nur in einer guten Atmosphäre – wenn man gerne hingeht und sich wohlfühlt.
Gerne zur Schule zu kommen ist die Basis, damit Lernen gelingt.
Was folgt daraus für Schulleitungen?
Wenn man das ernst nimmt, muss man überlegen, wie diese Atmosphäre entsteht. Dazu gehört, dass auch das Kollegium gerne zur Schule kommt. Wenn Lehrerinnen und Lehrer mit „dickem Hals“ kommen, können sie keine positive Stimmung verbreiten. Meine Aufgabe ist es, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass sie gerne kommen. Das setzt sich durch die ganze Schulgemeinschaft fort – auch Eltern müssen sich willkommen fühlen und nicht als Störfaktor. Das braucht Zeit, aber irgendwann spüren es alle.
Gab es einen persönlichen Moment, der diesen Gedanken bei dir gefestigt hat?
Ich habe als Lehrer in verschiedenen Kontexten erlebt, dass Kolleginnen und Kollegen gegeneinander gearbeitet haben und die Schulleitung auf Wohlbefinden kein Wert gelegt hat. Da bleibt unglaublich viel Potenzial liegen, weil Menschen innerlich kündigen. Das können wir uns nicht leisten.
Reflektieren und bewusst anders handeln.
War für dich klar: Wenn ich mal in der Schulleitung bin, mache ich es anders?
Ja, definitiv. Es gibt nicht den perfekten Schulleiter oder die perfekte Schulleiterin. Man muss seinen eigenen Weg finden – von guten und schlechten Vorbildern lernen. Manche übernehmen Verhaltensmuster, die sie selbst früher kritisiert haben, nach dem Motto: So macht man das eben. Das ist falsch. Man muss reflektieren und bewusst anders handeln.
Wie äußert sich das in deinem Führungsstil?
Durch Verantwortung und Vertrauen. Ich halte mich bewusst zurück, auch wenn ich anderer Meinung bin – das ist nicht leicht. Aber wenn man alles selbst entscheidet, kommen alle ständig zur Absicherung. Ich will, dass sie selbst entscheiden. Ich berate, aber ich bestimme nicht. Führen heißt für mich: laufen lassen können.
Führen heißt: laufen lassen können – auch wenn ich anderer Meinung bin.
Wie sieht das in der Praxis aus?
Wir arbeiten mit Koordinationsteams statt Einzelverantwortlichen. Die Teams entscheiden alles, was ihren Bereich betrifft. Beispiel: die Einschulung der Fünftklässler:innen. Das macht das Team Erprobungsstufe komplett – inklusive Anmeldegespräche. Viele Schulen erwarten, dass die Schulleitung diese Gespräche führt. Ich halte mich raus, weil das Team sagt: Wir müssen die Kinder kennen. Dann mache ich das nicht – konsequent.
Du hast die Eltern angesprochen. Wie holst du sie ins Boot?
Durch echte Gespräche, nicht durch Newsletter. Ich spreche regelmäßig mit der Schulpflegschaft und den Elternvertretungen. So entsteht Partizipation: Sie erhalten mehr Informationen, werden in Prozesse eingebunden und erleben, dass ihre Meinung zählt. Wichtig ist, diesen Mehrwert einzulösen – nicht fragen und dann doch allein entscheiden. Ein Qualitätsmerkmal für mich: Wir haben rund 35 % Geschwisterkinder. Familien, die ihre Kinder schon bei uns haben, schicken auch die nächsten – obwohl es in Köln viele Alternativen gibt. Das ist der beste Vertrauensbeweis.
Wohlbefinden ist keine Kuschelpädagogik – es ist die Voraussetzung für gelingendes Lernen.
Welche ersten Schritte würdest du empfehlen, um eine solche Kultur aufzubauen?
Zuhören. Mit dem Kollegium sprechen: Wie geht es dir? Was brauchst du?
Verantwortung geben. Entscheidungen dort treffen lassen, wo sie anfallen.
Ansprechbar sein. Sichtbar sein, Präsenz zeigen, Vertrauen aufbauen.
Zum Schluss – deine Botschaft an Schulleitungen in Deutschland?
Jedes Individuum mit seinen Bedürfnissen wahrnehmen – Schülerinnen und Schüler, Eltern, Kolleginnen und Kollegen. Wenn jemand ein Problem hat, gemeinsam nach Lösungen suchen, statt zu sagen: Da könnte ja jeder kommen. So entsteht Vertrauen – das Gegenteil von Ohnmacht. Das ist Wohlbefinden: sich sicher und ernst genommen fühlen.
Wirksam im Wandel Heraeus Bildungsstiftung macht Schulleitung zum Thema auf der didacta 2026
Wie gelingt Führung, die Schulen durch Zeiten des tiefgreifenden Wandels trägt? Die Heraeus Bildungsstiftung greift diese zentrale Frage auf und bringt das Thema Schulleitung mit zwei Podiumsdiskussionen auf die größte Bildungsmesse Deutschlands.
Am 11. März 2026 setzen wir auf der didacta in Köln ein klares Zeichen: Schulische Transformation braucht Führung, die Orientierung gibt, Verantwortung teilt und Entwicklung im Kollegium ermöglicht.
Schulleitung mit Wirkung – Kollegien im Wandel stärken 11. März 2026 | 11:45–12:30 Uhr | Forum didacta aktuell
Was macht Schulleitung wirksam – gerade in herausfordernden Zeiten? Diese Podiumsdiskussion zeigt, wie Leitungspersönlichkeiten Vertrauen aufbauen, Klarheit schaffen und gemeinsames Lernen im Kollegium fördern. Im Mittelpunkt stehen konkrete Erfahrungen aus dem Schulalltag sowie Erkenntnisse aus Wissenschaft und Verbandsarbeit.
Ausgangspunkt ist der Deutsche Lehrkräftepreis (DLP), der sichtbar macht, was gutes Leitungshandeln bewirkt: Wenn Lehrkräfte ihre Schulleitung nominieren, wird Führung aus der Perspektive derjenigen gewürdigt, die sie täglich erleben.
Auf dem Podium diskutieren:
Martin Fugmann, Geschäftsführender Vorstand der Heraeus Bildungsstiftungund Schulleiter des Ev. Stiftisches Gymnasiums Güthersloh
Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes
Christian Stork, Lehrer am Städtischen Gymnasium Thusneldastraße Köln Deutz
André Szymkowiak, Schulleiter des Städtischen Gymnasiums Thusneldastraße Köln Deutz
Moderation: Jan-Martin Wiarda, Journalist
Schulleitung voraus – Wie Lehrkräfte den Weg in Führung finden 11. März 2026 | 15:30–16:15 Uhr | Forum Bildungsperspektiven
Der Mangel an Schulleitungen ist kein Randphänomen. Zugleich zeigt die Forschung: Mehr als ein Viertel der Lehrkräfte kann sich grundsätzlich vorstellen, eine Führungsrolle zu übernehmen. Warum bleibt dieses Potenzial so oft ungenutzt?
Diese Diskussionsrunde richtet den Blick nach vorn. Sie beleuchtet, was Lehrkräfte motiviert, Verantwortung zu übernehmen – und welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit aus Potenzial echte Bereitschaft wird. Im Fokus stehen aktuelle Studien und Praxisbeispiele, die deutlich machen: Voramtsqualifizierungen, gezielte Förderung und transparente Laufbahnperspektiven erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Lehrkräfte den Schritt in Führung gehen.
Impulse aus Praxis, Qualifizierung und Forschung geben:
Martin Fugmann, Geschäftsführender Vorstand Heraeus Bildungsstiftung und Schulleiter des Ev. Stiftisches Gymnasiums Güthersloh
Prof. Dr. Marcus Pietsch, DFG-Heisenberg-Professur für Bildungsmanagement und Qualitätsentwicklung Prodekan und Forschungdekan der Fakultät Bildung Leuphana Universität Lüneburg
Jessica Prehm, Schulleiterin der Katharinenschule in der Hafencity Hamburg
Christiane von Schachtmeyer, Referatsleitung Personalentwicklung/Leitung der Agentur für Schulberatung (komm.) Landesinstitut für Qualifizierung und Qualitätsentwicklung in Schulen (LI) Hamburg
Moderation: Jan-Martin Wiarda, Journalist
Warum wir Schulleitung zum Thema auf der didacta machen
Schulleitungen prägen Schulkultur und sind damit ein zentraler Hebel für gelingende Schulentwicklung. In der Transformation sind sie mehr denn je als Leader gefragt, die Orientierung geben, Räume für Innovation öffnen und Menschen darin bestärken, Verantwortung zu übernehmen.
Wir verstehen Schulleitung nicht als Karriereziel, sondern vor allem als Beziehungs- und Gestaltungsaufgabe. Mit unseren Beiträgen auf der didacta 2026 möchten wir zeigen, wie Persönlichkeit, Haltung und Struktur zusammenspielen müssen, damit Schule wirksam transformiert werden kann.
Diskutieren Sie mit uns auf der didacta 2026 über wirksame Schulleitung im Wandel.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Turnstile. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.