Kategorie: Allgemein

  • KI in der Bildung: Stellen wir die richtigen Fragen?

    KI in der Bildung: Stellen wir die richtigen Fragen?

    Eine Leitlinie des chinesischen Bildungsministeriums aus dem Jahr 2025 zeigt, wie weit dieser Weg bereits gedacht ist: KI wird systematisch in Lehren, Lernen und Assessment integriert und mit der Förderung von kritischem Denken, Problemlösefähigkeit und praktischen Kompetenzen verbunden. Für 2026 ist eine noch konsequentere Umsetzung als Priorität gesetzt. 

    Mit dieser Perspektive bin ich im März 2026 zur Seventh Sino German Didactics Dialogue Conference nach Shanghai, Hefei und Wuhu gereist. 

    Seitdem beschäftigt mich eine Frage: 
    Setzen wir in der Debatte über KI in der Bildung die richtigen Schwerpunkte? 

    KI kann heute Texte formulieren, Rückmeldungen geben und Lernstände analysieren. 
    Das ist beeindruckend und zugleich irritierend. 

    Denn es führt zu einer Verschiebung, die wir leicht unterschätzen. 

    Wenn Wissen jederzeit verfügbar ist, stellt sich die Frage neu: 
    Was müssen Schülerinnen und Schüler noch selbst können? 

    In vielen Beiträgen tauchten immer wieder ähnliche Begriffe auf: 
    Urteilskraft, Verständnis, Kreativität und Verantwortung. 

    Das sind keine neuen Begriffe. Aber sie bekommen eine andere Bedeutung. 

    Der blinde Fleck der Debatte 

    Viele Diskussionen kreisen um Anwendungen: Chatbots, automatisierte Korrekturen, personalisierte Lernpfade. 

    Das ist nachvollziehbar, greift aber zu kurz. 

    Denn wenn Maschinen Teile der kognitiven Arbeit übernehmen, verändert sich der Maßstab von Bildung. 

    Nicht nur das Ergebnis zählt, sondern der Weg dorthin: 
    Fragen entwickeln, Annahmen überprüfen, Gedanken verwerfen und neu ordnen. 

    Genau dort entsteht das, was wir eigentlich unter Lernen verstehen. 

    KI kann unterstützen – aber nicht ersetzen 

    Die Potenziale sind klar: schnelleres Feedback, differenziertere Diagnostik, mehr Individualisierung. 

    Und gleichzeitig wurde eine Grenze immer wieder deutlich: 

    Was sich auswerten lässt, ist nicht automatisch verstanden. 
    Eine Rückmeldung ersetzt keine Beziehung. 
    Und keine Maschine kennt den Kontext, in dem ein Kind lernt. 

    Das klingt banal. Ist es aber nicht. 

    Zwei Perspektiven – ein gemeinsamer Umbruch 

    Der Vergleich zwischen Deutschland und China hat diese Fragen geschärft. 

    In Deutschland liegt der Fokus oft auf Unterrichtsqualität, Feedback und Lehrerprofessionalität. 

    In China wird stärker gefragt, wie Bildung als System, als kulturelle Praxis und als Zukunftsaufgabe neu gedacht werden muss. 

    Während hierzulande noch über Einsatzmöglichkeiten diskutiert wird, ist KI dort längst Teil einer strategisch gesteuerten Bildungsreform. 

    Das ist kein Detailunterschied. Es ist eine andere Perspektive auf Bildung. 

    Gute Ergebnisse reichen nicht 

    Besonders deutlich wurde das im Blick auf PISA. 

    In Deutschland wird gefragt: Wie werden wir besser? 
    In China: Was sagen gute Ergebnisse eigentlich aus – und was kosten sie? 

    Zeit, Druck, Motivation, Gesundheit. 

    Ein System kann im Messen stark sein und gleichzeitig zu eng, wenn es um Kreativität, Neugier und Problemlösefähigkeit geht. 

    Bildung ist mehr als das, was sich messen lässt. 

    Was sich gerade verschiebt 

    Je leistungsfähiger KI wird, desto weniger reicht es, Bildung als Wissensvermittlung zu verstehen. 

    Gefragt sind andere Qualitäten: Orientierung, Selbstständigkeit, Verantwortung und die Fähigkeit, mit anderen zu arbeiten und zu denken. 

    Das ist kein neues Ideal. Aber es wird jetzt zur Voraussetzung. 

    Die eigentliche Frage 

    Die entscheidende Frage lautet nicht, wie viel KI Schule verträgt. 

    Sondern: Welche Form von Schule entsteht, wenn wir sie sinnvoll nutzen? 

    Eine Schule, die Prozesse effizienter organisiert? Oder eine Schule, die die neuen Möglichkeiten nutzt, um Lernen zu vertiefen? 

    Diese Entscheidung ist nicht technisch. Sie ist pädagogisch. 

    Fazit 

    Für mich war diese Reise auch persönlich besonders: Ich war von Hilbert Meyer eingeladen worden, an dieser Konferenz teilzunehmen und mich einzubringen. 

    Was bleibt, ist vor allem eine Einsicht: 

    Wenn wir KI nur einführen, ohne Schule neu zu denken, werden wir vielleicht modernisieren – aber wenig verändern. 

    KI fordert uns nicht nur heraus, Schule und Unterricht anzupassen. 
    Sie zwingt uns, Bildung neu zu begründen. 

  • Deutscher Lehrkräftepreis erhält neuen Sonderpreis „Medien und Demokratie“

    Deutscher Lehrkräftepreis erhält neuen Sonderpreis „Medien und Demokratie“

    Neuer Sonderpreis „Medien und Demokratie“

    Gemeinsam mit dem neuen Förderpartner ZDF goes Schule vergeben wir erstmals den Sonderpreis „Medien und Demokratie“.

    Denn klar ist: Medienbildung ist keine Zusatzaufgabe. Sie gehört zum Kern von Schule.

    Worum es geht

    Demokratie braucht Menschen, die Informationen einordnen können. Die hinterfragen. Die Verantwortung übernehmen.

    Dr. Florian Kumb, Direktor Audience im ZDF

    Was wir auszeichnen

    Wir suchen Projekte, die Meinungs-, Medien- und Demokratiebildungskompetenz fördern:

    • Schüler:innen lernen, Quellen zu prüfen und Fakten einzuordnen
    • sie entwickeln eine eigene, begründete Haltung
    • sie setzen sich mit unterschiedlichen Perspektiven auseinander
    • sie erleben, dass ihre Stimme zählt

    Warum jetzt

    Mit ZDF goes Schule gewinnen wir einen starken Partner hinzu. Die Initiative fördert Medienbildung für Kinder und Jugendliche – und bringt ihre Perspektiven stärker in den schulischen Kontext.

    Gemeinsam wollen wir sichtbar machen, was bereits gelingt. Und andere ermutigen, eigene Wege zu gehen.

    Reichen Sie Ihr Projekt ein und zeigen Sie, wie Sie Medienkompetenz und Demokratiebildung an Ihrer Schule stärken.

    Gemeinsam mit dem Deutschen Philologenverband sind wir Träger des Deutschen Lehrkräftepreises. Mit der Auszeichnung wollen wir die Leistungen von Lehrkräften und Schulleitungen würdigen und in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung rücken.

    Förderpartner der Wettbewerbsrunde 2026 sind der Cornelsen Verlag, die Schöpflin Stiftung und ZDF goes Schule.

    Die Preisverleihung findet am 30. November 2026 in Berlin statt.

  • Akademietag fördert Austausch von Leitungskräften

    Akademietag fördert Austausch von Leitungskräften

    Kooperation mit der Stiftung Ein Quadratkilometer Bildung
    Akademietag fördert Austausch von Leitungskräften

    Die Heraeus Bildungsstiftung kooperiert mit der Stiftung Ein Quadratkilometer Bildung.

    Im Rahmen dieser Zusammenarbeit fand im März 2026 in Ronnenberg der zweite Akademietag für Leitungskräfte statt.

    13 Schulleitungen und zehn Leitungen Pädagogischer Werkstätten aus sechs Bundesländern tauschten sich in Workshops zu den Themen Team- und Kommunikationskultur, effektive Zusammenarbeit und Projektmanagement aus.

    Die Stiftung Ein Quadratkilometer Bildung setzt sich dafür ein, Bildungschancen für Kinder und Jugendliche in sozial benachteiligten Quartieren zu verbessern. Sie arbeitet dabei eng mit Schulen, Kitas und lokalen Partnern zusammen. Zugleich stärkt sie Bildungsnetzwerke vor Ort, um nachhaltige Entwicklung im direkten Lebensumfeld junger Menschen zu ermöglichen.

    Damit die Teilnehmer:innen ihren Austausch auch nach dem Präsenztreffen aktiv weiterführen können, sind weitere digitale Workshops sowie ein dritter Akademietag geplant.

    Der Akademietag der Stiftung Ein Quadratkilometer Bildung knüpft damit direkt an zentrale Ansätze der Heraeus Bildungsstiftung an: Persönlichkeitsentwicklung, Leadership und Beziehungskultur. Im Fokus steht eine Führung, die Menschen stärkt, Zusammenarbeit ermöglicht und Entwicklung im Schulalltag verankert.

  • Warum Positive Psychologie Schule nachhaltig verändert

    Warum Positive Psychologie Schule nachhaltig verändert

    Mandy Geisler und Sven von der Heyde sitzen an einem Holztisch während des Interviews zum Thema psychologische Sicherheit
    Programmleiterin Mandy Geisler und Traíner Sven von der Heyde

    Im Gespräch erläutern Programmleiterin Mandy Geisler und Trainer Sven von der Heyde, warum dieser Ansatz Schulen stärkt, wie er im Alltag wirkt – und warum er ein tragendes Fundament für nachhaltige Schulentwicklung ist. 

    Was verbindet ihr persönlich mit Positiver Psychologie – und warum ist sie für Schulen relevant? 

    Mandy Geisler:  
    Für mich bedeutet die Umsetzung der Erkenntnisse der Positive Psychologie einen echten Kulturwandel. Schule habe ich häufig als Ort von Leistungsdruck und Stress erlebt – Wohlbefinden spielte dabei oft nur eine Nebenrolle. Dabei ist genau das eine zentrale Voraussetzung für gutes Lernen: eine positive Kultur, in der Kinder und Jugendliche sich sicher fühlen und gern lernen. 

    Ein zweiter Punkt ist für mich der Blick auf Unterrichtsstörungen. Die Antwort darauf ist traditionell die Verstärkung von Ordnung, Routinen und Classroom-Management. Aus meiner Sicht liegt der entscheidende Hebel jedoch in der Prävention: in einer gemeinsam getragenen Basis aus Vertrauen, Beziehung und klaren Werten. Störungsfreien Unterricht wird es nie geben – aber in einer tragfähigen Gemeinschaft treten Störungen seltener auf oder sie werden anders wahrgenommen und konstruktiver bearbeitet. 

    Das Beachten von Elementen der positiven Psychologie setzt genau hier an: nicht bei einzelnen Methoden oder Maßnahmen, sondern bei der Kultur einer Schule – bei den Bedingungen, unter denen Lernen, Entwicklung und Gemeinschaft überhaupt möglich werden. 

    Sven von der Heyde:  
    Schon als Lehrkraft habe immer ich versucht, die Erkenntnisse der Positiven Psychologie für die Gestaltung des Lernens zu nutzen. Entscheidend war für mich dabei auch, dass es  eine wissenschaftliche Grundlage für mein pädagogisches Handeln gibt:  eine positive Atmosphäre schaffen, psychologische Sicherheit geben, Fehlerfreundlichkeit leben. 

    Das Schöne ist: Eine positive Schul- und Lernkultur lässt sich systematisch mit Kollegien entwickeln – und wird so das Fundament für erfolgreiche Schulentwicklung. Die Resonanz ist groß: bei Schulleitungen, Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern und auch bei Eltern. 
    Positive Psychologie ist kein pädagogischer Trend, sondern ein evidenzbasierter Ansatz, der Struktur und Sprache für Schulentwicklung liefert. 

    Was PERMA bedeutet – und warum es Führung in Schule betrifft 

    Die Positive Psychologie geht maßgeblich auf Martin Seligman zurück. Sein Ansatz ergänzt die klassische Psychologie um die Frage: Was brauchen Menschen, um sich zu entfalten – nicht nur, um weniger zu leiden? 

    Das PERMA-Modell beschreibt fünf Faktoren von Wohlbefinden: 

    • P – Positive Emotionen (z. B. Freude, Dankbarkeit, Stolz) 
    • E – Engagement (stärkenorientiertes Arbeiten) 
    • R – Relationships (tragfähige Beziehungen, psychologische Sicherheit) 
    • M – Meaning (Sinnorientierung) 
    • A – Accomplishment (Ziele erreichen, Erfolge sichtbar machen) 

    Mit PERMA-Lead übertrug Dr. Markus Ebner dieses Modell auf Führung. Für die Heraeus Bildungsstiftung meint Führung dabei nicht nur Schulleitung: Auch Lehrkräfte gestalten als Führungspersonen den Lernraum und die Beziehungskultur.  

    Wie lassen sich die fünf PERMA-Säulen auf Schule übertragen? 

    Sven von der Heyde:  
    PERMA ist kein abstraktes Modell, sondern ein Orientierungsrahmen für Führung, Lernen und Zusammenarbeit. 

    • Positive Emotionen lassen sich fördern – nicht nur durch Humor und „Witze erzählen“, sondern durch gezielte Fragen, Strukturen und die Gestaltung von Zusammenarbeit. 
    • Engagement entsteht, wenn der Blick auf Stärken statt Defizite gerichtet wird – auch bei Personaleinsatz und Schulentwicklung. 
    • Relationships brauchen Vertrauen und psychologische Sicherheit: Fehler dürfen sein, Lernen bleibt möglich. 
    • Meaning heißt, das „Warum“ von Schule und Unterricht immer wieder zu klären – gerade in unsicheren Zeiten. 
    • Accomplishment bedeutet, Fortschritte sichtbar zu machen – individuell und als Schulgemeinschaft. Das stärkt Selbstwirksamkeit. 

    Wie stärkt PERMA die Beziehungskultur an Schulen? 

    Sven von der Heyde: 
    Es gibt Hebel, die in vielen Schulen funktionieren. Damit entstehen Vertrauen, Selbstwirksamkeit und eine Kultur, in der Lernen möglich wird. 

    • Im Kollegium: durch kollegiale Beratung, Hospitation und offene Gespräche über Herausforderungen. 
    • Im Unterricht: durch projektorientiertes und fächerübergreifendes Arbeiten und offene Lernformen, die Beziehung ermöglichen. 
    • In der Schulentwicklung: durch das bewusste Sichtbarmachen von Fortschritten und gemeinsam Erreichtem. 

    Wie reagieren die Teilnehmenden in den Seminaren darauf? 

    Sven von der Heyde: 
    Die Resonanz ist sehr positiv, weil die meisten Teilnehmenden eine ausgeprägte wertschätzende Grundhaltung mitbringen. Das PERMA-Lead-Modell gibt ihnen dann ein Framework, mit dem sie systematisch eine positive Lernkultur fördern können. Wichtig ist gleichzeitig die Klarstellung: Positive Psychologie kommt nicht on top. Sie lässt sich mit dem verbinden, was ohnehin geschieht – und kann entlasten, Energie geben und Wirkung verstärken. 

    Die Stiftung setzt mit dem neuen Programm: next:schule – für verbindungsstarke Schulentwicklung auf eine längerfristige Prozessbegleitung. Welche Rolle spielt die Positive Psychologie dabei? 

    Mandy Geisler: 
    Positive Psychologie ist für mich nicht nur ein Baustein dieses Programms, sondern das Fundament. Sie zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Arbeit – auch in der Idee, Schulen zu vernetzen, damit sie gemeinsam wachsen.  
    Damit wird Positive Psychologie zum verbindenden Element zwischen Führung, Lernen und langfristiger Schulentwicklung. 

    Auf den Punkt: Warum brauchen Schulen mehr Positive Psychologie und PERMA? 

    Mandy Geisler:  
    Ich wünsche mir Schulen als „beste Lern- und Lebensorte“ für unsere Kinder und Jugendlichen: Orte, an denen alle, natürlich auch die Lehrkräfte, gerne morgens gehen, wo sie sich alle sicher fühlen, Gemeinschaft erleben, Fehler machen und lernen dürfen. Wenn Menschen gern in Schule gehen, ist die Verbindung zu Lernen und Leistung klar: Dann will man lernen und hat Freude am eigenen Wachstum.  

    Sven von der Heyde: 
    Wir wissen aus der Forschung, dass Positive Psychologie das Wohlbefinden aller Beteiligten steigern kann. Gerade weil psychische Belastungen hoch sind, gehört das zum Auftrag von Schule. Und: Es ist kein Widerspruch zu Leistung, sondern leistungsfreundlich – weil ein positives akademisches Selbstkonzept in Verbindung mit einem Growth Mindset lebenslanges Lernen unterstützen. 

  • Partizipation und Vertrauen stärken Wohlbefinden in Schule

    Partizipation und Vertrauen stärken Wohlbefinden in Schule

    Besonders betroffen sind junge Menschen aus einkommensschwachen Familien. Viele Schüler:innen berichten zudem von hohem Leistungsdruck und dem Gefühl, selbst an Wochenenden lernen zu müssen.

    Eine große Kluft zeigt sich beim Thema Mitbestimmung: Während drei Viertel der Schüler:innen mehr Einfluss auf Unterrichtsthemen oder Prüfungsformate wünschen, geben vier Fünftel an, hier kaum mitreden zu können.

    „Kinder und Jugendliche sind die Expert:innen, wenn es um ihre Anliegen geht. So müssen wir sie auch behandeln“, betont Anna Gronostaj, Bildungsexpertin der Robert Bosch Stiftung. „Wenn Schüler:innen gehört werden wollen, Lehrkräfte aber keinen Bedarf sehen, brauchen wir dringend einen Dialog zwischen den Beteiligten. Echte Partizipation ist kein ‚Nice-to-have‘ – sie ist Grundlage für Wohlbefinden und gelebte Demokratie in der Schule.“

    Wir helfen Schulen, Beziehungskultur und Wohlbefinden zu stärken

    Hier setzen wir mit unseren Angeboten für eine tragfähige Beziehungskultur an.
    Denn Beteiligung gelingt dort, wo Menschen einander vertrauen – und sich selbst etwas zutrauen.

    Mit unserem neuen Programm next:schule vertiefen wir diesen Ansatz in einer Pilotphase mit ausgewählten Schulen. Über zwei Jahre hinweg begleiten wir sie in einem gemeinsamen Lern- und Veränderungsprozess.

    Schulleitungsteams, Lehrkräfte und Schüler:innen – alle gestalten aktiv mit.
    Damit Vertrauen, Beteiligung und Wohlbefinden im Schulalltag wachsen.

  • didacta 2026: Impulse für Schulleitung im Wandel

    didacta 2026: Impulse für Schulleitung im Wandel

    Über diese Fragen haben wir am 11. März 2026 im Rahmen der didacta mit Expert:innen aus Bildungspraxis, Wissenschaft und Bildungsadministration diskutiert. Zwei Podiumsrunden widmeten sich dabei zentralen Herausforderungen der Schulentwicklung: der Rolle von Schulleitungen im Wandel – und den Wegen von Lehrkräften in Führungsverantwortung.

    Schulentwicklung braucht geteilte Verantwortung

    In der ersten Diskussionsrunde stand die Frage im Mittelpunkt, wie Schulleitungen ihre Kollegien in Zeiten großer Veränderungen stärken können.

    Ein Gedanke zog sich durch die Gespräche: Schulentwicklung gelingt dort, wo Führung mehr ist als Organisation und Management.

    Dort,

    • wo Verantwortung im Kollegium geteilt wird
    • wo Vertrauen und psychologische Sicherheit entstehen
    • wo Schulleitung Orientierung gibt – ohne alles selbst steuern zu wollen

    Schulleiter André Szymkowiak brachte diese Perspektive auf den Punkt:
    „Wir müssen auch abgeben können, sonst fangen wir an, Schule nur noch zu verwalten.“

    Martin Fugmann betonte zudem die wachsende Bedeutung von Beziehungen in einer zunehmend digitalen Welt: „Je digitaler die Welt wird, desto mehr müssen Schulleitungen Beziehungen stärken.“

    Die Diskussion fand im Rahmen des Deutschen Lehrkräftepreises statt. Mit ihr wollten wir gemeinsam mit dem Deutschen Philologenverband auch auf die gerade gestartete Wettbewerbsrunde 2026 aufmerksam machen – und zeigen, welche Rolle engagierte Lehrkräfte und Schulleitungen für gelingende Schulentwicklung spielen.

    Gerade angesichts von Fachkräftemangel, wachsender gesellschaftlicher Komplexität und neuen technologischen Möglichkeiten brauchen Schulen heute

    • klare gemeinsame Ziele
    • gute Prozesse der Zusammenarbeit im Kollegium
    • Räume für Verantwortung und Initiative.

    Wege in Führung für Lehrkräfte

    Die zweite Diskussionsrunde richtete den Blick auf eine andere zentrale Frage:
    Wie finden Lehrkräfte den Weg in Führungsverantwortung?

    Ein Beispiel dafür ist das Qualifizierungsprogramm „Grundschule voraus“, das in Hamburg seit drei Jahren Grundschullehrkräfte auf dem Weg in die Schulleitung begleitet. Das Programm wurde von der Alfred Toepfer Stiftung, der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS und der Heraeus Bildungsstiftung initiiert und wird künftig vom Landesinstitut für Qualität und Qualitätsentwicklung in Schulen weitergeführt.

    Danke für den offenen Austausch

    Wir danken allen Podiumsteilnehmer:innen für die engagierten Gespräche und die offenen Einblicke:

    Martin Fugmann, Susanne Lin-Klitzing, Prof. Dr. Marcus Pietsch, Jessica Prehm, Christian Stork, André Szymkowiak, Christiane von Schachtmeyer

    Ein besonderer Dank gilt Moderator Jan-Martin Wiarda, der die Diskussionen klug und pointiert geführt hat – und dem Didacta Verband für die gute Zusammenarbeit.

  • Verleihung des Deutschen Lehrkräftepreises 2025

    Verleihung des Deutschen Lehrkräftepreises 2025

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    Mehr Informationen
    • Vorbildliche Schulleitung
    • Ausgezeichnete Lehrkräfte
    • Unterricht innovativ
    • Umwelt und Nachhaltigkeit – Sonderpreis des Cornelsen Verlages
    • Ausgezeichnete Lehrkräfte – Sonderpreis der PwC-Stiftung

    Gastgeberinnen waren Alexandra Heraeus, Vorstandsvorsitzende der Heraeus Bildungsstiftung, und Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes. Gemeinsam begrüßten sie die Gäste und unterstrichen die Bedeutung des Preises für die Sichtbarkeit exzellenter Bildungsarbeit.

    • Simone Oldenburg, Ministerin für Bildung und Kindertagesförderung des Landes Mecklenburg-Vorpommern und Schirmherrin der Wettbewerbsrunde 2025
    • Katharina Günther-Wünsch, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie des Landes Berlin
    • Anna Stolz, Staatsministerin für Unterricht und Kultus des Freistaates Bayern und Präsidentin der Bildungsministerkonferenz 2026
    • Steffen Freiberg, Minister für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg

    Ein herzliches Dankeschön geht ebenfalls an unseren Kooperationspartner, den Deutschen Philologenverband, und unsere Förderpartner Cornelsen, Schöpflin Stiftung und PwC-Stiftung. Gemeinsam bereiten wir vorbildlichen Lehrkräften und ausgezeichneten Schulleitungen die Bühne, die sie verdienen.

    Wir freuen uns, die Preisträger:innen im Alumni-Netzwerk des Deutschen Lehrkräftepreises wiederzusehen – und gemeinsam weiter an einer Schule zu arbeiten, die Kinder und Jugendliche wachsen lässt.

    Der „Deutsche Lehrkräftepreis – Unterricht innovativ” hat es sich zum Ziel gesetzt, die öffentliche Wertschätzung sowie das Image des Lehrberufs und der Arbeit der Schulleitungen zu steigern und wirkungsvolle Anstöße zur Verbesserung des Unterrichts an Schulen zu geben.

    2009 vom Deutschen Philologenverband (DPhV) und der Vodafone Stiftung Deutschland initiiert ging der Wettbewerb aus zwei Konzepten hervor: Aus dem Wettbewerb „Unterricht innovativ”, der von 2003 bis 2008 vom Deutschen Philologenverband, dem Bundesverband der Deutschen Industrie und der Stiftung Industrieforschung gemeinsam durchgeführt wurde, und dem Wettbewerb „Pisagoras – Deutscher Lehrkräftepreis”, der 2007 und 2008 auf Initiative von Prof. Susanne Porsche realisiert wurde.

    Von 2009 bis 2019 wurde der „Deutsche Lehrkräftepreis – Unterricht innovativ” gemeinsam von der Vodafone Stiftung Deutschland und dem Deutschen Philologenverband durchgeführt. Das dazu neu entwickelte Konzept kombinierte die Kategorie des Schülerinnen- und Schüler-Votums mit der Bewertung innovativer Unterrichtskonzepte.

    Zur Wettbewerbsrunde 2020 hat die Vodafone Stiftung Deutschland ihre Trägerschaft auf die Heraeus Bildungsstiftung übertragen, die bereits 2010 Partnerin des Wettbewerbs war. Die Heraeus Bildungsstiftung erweiterte die Wettbewerbskategorien um die dritte Säule „Vorbildliche Schulleitung“.

    Mehr zum Deutschen Lehrkräftepreis und zum Start der Wettbewerbsrunde 2026

  • Studie: Erste Einblicke zeigen hohe Bedeutung von Daten für die Arbeit der Schulaufsicht

    Studie: Erste Einblicke zeigen hohe Bedeutung von Daten für die Arbeit der Schulaufsicht

    Gemeinsame Verantwortung für Schulentwicklung

    Die Befragten sehen sich gemeinsam mit den Schulleitungen in der Verantwortung für erfolgreiche Bildungs- und Entwicklungsprozesse. Demnach handeln Schulen eigenverantwortlich, während die Schulaufsicht letztverantwortlich bleibt, die Schulqualität zu sichern.

    Daten als Schlüssel für Steuerung und Unterstützung

    Daten sind nach Aussage der Befragten relevant für die Arbeit der Schulaufsicht. Sie beschreiben die datengestützte Steuerung als einen „Paradigmenwechsel“: Diese ermöglicht es, schulische Situationen differenzierter einzuordnen, Wahrnehmungen zu objektivieren und Entwicklungsprozesse zielgerichteter zu begleiten. Besonders häufig nutzt Schulaufsicht nach Aussagen der Befragten Statistiken und Leistungsdaten von Schülerinnen und Schülern. Daten aus anderen Quellen – etwa Schulinspektionen oder Befragungen – kommen seltener zum Einsatz.

    Unterschiedliche Rahmenbedingungen in den Bundesländern

    Deutlich werden auch Unterschiede in den Rahmenbedingungen der Schulaufsicht in den verschiedenen Bundesländern: Daten stehen der Schulaufsicht je nach Bundesland in unterschiedlicher Bandbreite, Tiefe und Aufbereitungsform zur Verfügung. In drei der fünf Bundesländer wird an einer Strategie für datengestützte Qualitätsentwicklung gearbeitet.

    Datengestützter Dialog mit Schulleitungen

    In allen Bundesländern spielen Daten auch im Austausch mit Schulleitungen eine Rolle. In vier von fünf Bundesländern finden systematische Qualitätsgespräche auf Basis schulbezogener Daten statt, die häufig in Ziel- und Leistungsvereinbarungen münden.

    Die Interviews liefern einen ersten Einblick in Rollenverständnisse und Handlungsstrategien der Schulaufsicht. Die Vorstudie ist Teil eines mehrstufigen Forschungsprojekts, das in den folgenden beiden Teilstudien weiter vertieft wird.

    Die Studie „Schulaufsicht in Zeiten der Transformation“ wurde von der Heraeus Bildungsstiftung gemeinsam mit der Wübben Stiftung Bildung in Auftrag gegeben hat und wird von Prof. Dr. Kathrin Dedering von der Universität Erfurt geleitet.

  • Orientierungspapier zu KI-bezogenen Schulleitungsfortbildungen

    Orientierungspapier zu KI-bezogenen Schulleitungsfortbildungen

    Forum Bildung Digitalisierung
    Orientierungspapier bietet Überblick zu aktuellen KI-Fortbildungsangeboten für Schulleitungen

    Das Forum Bildung Digitalisierung (FBD) hat ein neues Orientierungspapier zu KI-bezogenen Schulleitungsfortbildungen in Deutschland veröffentlicht. Es zeigt klar: Künstliche Intelligenz ist ein zentraler Hebel für nachhaltige Schulentwicklung.

    Die Analyse von 41 Fortbildungsangeboten macht aber deutlich: Der Schwerpunkt liegt bislang auf Verstehen und Anwenden von KI. Deutlich seltener werden Reflexion und Mitgestaltung adressiert. Langfristige Formate, Teamansätze und begleitete Transferphasen in der eigenen Schule bleiben die Ausnahme. Zugleich erreichen bestehende Angebote vor allem bereits KI-affine Schulleitungen – viele andere bleiben aufgrund von Zeitdruck, Unsicherheiten oder fehlender Relevanz außen vor.

    Das Papier benennt daher konkrete Bedarfe für wirksame Fortbildung:

    • längerfristige, praxisnahe Formate mit Raum für Erprobung und Reflexion
    • zielgruppenspezifische Angebote – auch für Schulleitungsteams
    • eine kritisch-konstruktive Haltung zu KI
    • partizipative und agile Führungskultur
    • ein qualifiziertes Unterstützungssystem mit klaren rechtlichen Rahmenbedingungen
  • „Wohlbefinden ist eine zentrale Aufgabe der Schulleitung“

    „Wohlbefinden ist eine zentrale Aufgabe der Schulleitung“

    André Szymkowiak im Gespräch mit Thorsten Timmerarens
    André Szymkowiak © Heraeus Bildungsstiftung

    André Szymkowiak leitet das Gymnasium Thusneldastraße in Köln. 2023 wurde er mit dem Deutschen Lehrkräftepreis in der Kategorie „Vorbildliche Schulleitung“ ausgezeichnet. Für ihn steht fest: Wohlbefinden ist kein „Nice-to-have“, sondern die Grundlage für gelingendes Lernen – und damit eine zentrale Aufgabe der Schulleitung. Im Gespräch erklärt er, wie Vertrauen, Beteiligung und klare Strukturen Schule verändern können.  

    André, Wohlbefinden ist für dich die Grundlage jeder Schulgemeinschaft. Ist das nicht etwas übertrieben?  

    André Szymkowiak: Für mich ist völlig klar: Gerne zur Schule zu kommen und gerne zu lernen ist die Basis, damit Lernen wirklich stattfindet. Natürlich kann man auch durch Druck lernen, weil man Prüfungen bestehen muss – aber das ist kein echtes, innerlich motiviertes Lernen. Wir wollen, dass aus Überzeugung gelernt wird. Das gelingt nur in einer guten Atmosphäre – wenn man gerne hingeht und sich wohlfühlt.

    Was folgt daraus für Schulleitungen? 

    Wenn man das ernst nimmt, muss man überlegen, wie diese Atmosphäre entsteht. Dazu gehört, dass auch das Kollegium gerne zur Schule kommt. Wenn Lehrerinnen und Lehrer mit „dickem Hals“ kommen, können sie keine positive Stimmung verbreiten. Meine Aufgabe ist es, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass sie gerne kommen. Das setzt sich durch die ganze Schulgemeinschaft fort – auch Eltern müssen sich willkommen fühlen und nicht als Störfaktor. Das braucht Zeit, aber irgendwann spüren es alle.

    Gab es einen persönlichen Moment, der diesen Gedanken bei dir gefestigt hat?  

    Ich habe als Lehrer in verschiedenen Kontexten erlebt, dass Kolleginnen und Kollegen gegeneinander gearbeitet haben und die Schulleitung auf Wohlbefinden kein Wert gelegt hat. Da bleibt unglaublich viel Potenzial liegen, weil Menschen innerlich kündigen. Das können wir uns nicht leisten.

    War für dich klar: Wenn ich mal in der Schulleitung bin, mache ich es anders? 

    Ja, definitiv. Es gibt nicht den perfekten Schulleiter oder die perfekte Schulleiterin. Man muss seinen eigenen Weg finden – von guten und schlechten Vorbildern lernen. Manche übernehmen Verhaltensmuster, die sie selbst früher kritisiert haben, nach dem Motto: So macht man das eben. Das ist falsch. Man muss reflektieren und bewusst anders handeln.

    Wie äußert sich das in deinem Führungsstil?

    Durch Verantwortung und Vertrauen. Ich halte mich bewusst zurück, auch wenn ich anderer Meinung bin – das ist nicht leicht. Aber wenn man alles selbst entscheidet, kommen alle ständig zur Absicherung. Ich will, dass sie selbst entscheiden. Ich berate, aber ich bestimme nicht. Führen heißt für mich: laufen lassen können.

    Wie sieht das in der Praxis aus?

    Wir arbeiten mit Koordinationsteams statt Einzelverantwortlichen. Die Teams entscheiden alles, was ihren Bereich betrifft. Beispiel: die Einschulung der Fünftklässler:innen. Das macht das Team Erprobungsstufe komplett – inklusive Anmeldegespräche. Viele Schulen erwarten, dass die Schulleitung diese Gespräche führt. Ich halte mich raus, weil das Team sagt: Wir müssen die Kinder kennen. Dann mache ich das nicht – konsequent.

    Du hast die Eltern angesprochen. Wie holst du sie ins Boot?  

    Durch echte Gespräche, nicht durch Newsletter. Ich spreche regelmäßig mit der Schulpflegschaft und den Elternvertretungen. So entsteht Partizipation: Sie erhalten mehr Informationen, werden in Prozesse eingebunden und erleben, dass ihre Meinung zählt. Wichtig ist, diesen Mehrwert einzulösen – nicht fragen und dann doch allein entscheiden.
    Ein Qualitätsmerkmal für mich: Wir haben rund 35 % Geschwisterkinder. Familien, die ihre Kinder schon bei uns haben, schicken auch die nächsten – obwohl es in Köln viele Alternativen gibt. Das ist der beste Vertrauensbeweis.

    Welche ersten Schritte würdest du empfehlen, um eine solche Kultur aufzubauen?  

    • Zuhören. Mit dem Kollegium sprechen: Wie geht es dir? Was brauchst du?
    • Verantwortung geben. Entscheidungen dort treffen lassen, wo sie anfallen.
    • Ansprechbar sein. Sichtbar sein, Präsenz zeigen, Vertrauen aufbauen.

    Zum Schluss – deine Botschaft an Schulleitungen in Deutschland?  

    Jedes Individuum mit seinen Bedürfnissen wahrnehmen – Schülerinnen und Schüler, Eltern, Kolleginnen und Kollegen. Wenn jemand ein Problem hat, gemeinsam nach Lösungen suchen, statt zu sagen: Da könnte ja jeder kommen.
    So entsteht Vertrauen – das Gegenteil von Ohnmacht. Das ist Wohlbefinden: sich sicher und ernst genommen fühlen.