Schlagwort: Martin Fugmann

  • next:schule gestartet

    next:schule gestartet

    Aufbruchstimmung im Stiftungshaus in Hanau am 16. September: Das Pilotprogramm next:schule – für verbindungsstarke Schulentwicklung ist gestartet. Sieben hessische Schulen gehen gemeinsam mit unseren Trainer:innen auf eine zweijährige Lernreise. Jede Schule bringt eigene Fragen und Erfahrungen mit. Gemeinsam entwickeln sie daraus ihren eigenen Weg zur Schulentwicklung.

    Zum Auftakt durchliefen die Schulteams zusammen mit den Trainer:innen einen Parcours. Dabei packten sie symbolisch ihren Rucksack für die anstehende Expedition. An verschiedenen Stationen ging es um Beziehungskultur, Partizipation und Wohlbefinden. Die Gespräche und Aufgaben gaben erste Orientierung und machten deutlich, worauf es bei next:schule ankommt: Schulentwicklung kommt in Bewegung, wenn Menschen miteinander ins Handeln kommen.

    Der Tag hat den Schulteams, den Trainer:innen und dem Stiftungsteam spürbar Rückenwind gegeben. In ihren Rucksäcken nehmen sie viele Eindrücke, neue Fragen und erste Ideen für die nächsten Etappen mit.

    Schüler:innen sind mittendrin

    Bei next:schule sitzen Schüler:innen, Lehrkräfte und Schulleitungen gemeinsam im sogenannten Transformationsteam der Schule. Die Schüler:innen bringen ihre Perspektiven, Fragen und Erfahrungen ein. Sie gestalten die Entwicklung ihrer Schulen von Anfang an aktiv mit.

    „Es wird häufig über Schüler:innen gesprochen und viel zu selten mit ihnen gesprochen. Bei next:schule stehen ihre Bedürfnisse im Zentrum. Sie sind ganz aktiv am Veränderungsprozess beteiligt. Dadurch entsteht Selbstwirksamkeit und Verbindung – und das stärkt das Wohlbefinden“, sagt Christine Heraeus, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Heraeus Bildungsstiftung.

    „Wir müssen die Schüler:innen beteiligen“

    Christine Heraeus und Martin Fugmann sprechen über das neue Transformationsprogramm next:schule.

    Für die Teilnahme konnten sich hessische Schulen aus unserem Stiftungsnetzwerk bewerben. Für die Pilotphasen haben wir sieben Schulen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Entwicklungsfragen ausgewählt:

    • Albert-Einstein-Schule Schwalbach am Taunus
    • Freiherr-vom-Stein-Schule Immenhausen
    • Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule Ober-Ramstadt
    • Gymnasium Philippinum Weilburg
    • Integrierte Gesamtschule Solms
    • Joachim-Schumann-Schule Babenhausen
    • Otto-Hahn-Schule Hanau

    Den eigenen Weg entwickeln

    Bei next:schule gibt es kein fertiges Entwicklungsziel. Jede Schulgemeinschaft entscheidet ausgehend von ihrer Situation, woran sie arbeiten möchte. Wir begleiten die Schulen mit gemeinsamen Lernformaten und individueller Prozessbegleitung. Ein datengestütztes Verfahren hilft ihnen, den eigenen Entwicklungsstand zu reflektieren und Fortschritte sichtbar zu machen.

    „Unser Ziel ist, Veränderungen direkt in den Schulen anzustoßen. Wir wollen das weniger dem Zufall überlassen. Deshalb möchten wir gemeinsam mit den Menschen vor Ort eine Verantwortungsgemeinschaft bilden. Über zwei Jahre arbeiten wir daran, beziehungsstarke Schulen zu gestalten“, erklärt Martin Fugmann, geschäftsführender Vorstand der Heraeus Bildungsstiftung.

    Die sieben Schulen werden sich im Netzwerk regelmäßig austauschen und voneinander lernen. Ihre Erfahrungen aus der Pilotphase 2026 bis 2028 fließen in die Weiterentwicklung von next:schule ein.

    Die ersten Schritte sind gemacht. Jetzt beginnt die gemeinsame Arbeit für verbindungsstarke Schulen.

    Netzwerkpartner

  • PISA 2025: Bildungsgerechtigkeit entsteht nicht durch isolierte Einzelmaßnahmen 

    PISA 2025: Bildungsgerechtigkeit entsteht nicht durch isolierte Einzelmaßnahmen 

    Die Leistungen der 15-Jährigen in Deutschland liegen in den drei zentralen PISA-Bereichen ungefähr auf dem OECD-Durchschnitt. Gegenüber 2022 sind sie jedoch erneut gesunken: um sieben Punkte in den Naturwissenschaften, um 15 Punkte im Lesen und um elf Punkte in Mathematik. 

    Noch alarmierender ist der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg. In den Naturwissenschaften liegen sozial privilegierte Schüler:innen in Deutschland 125 Punkte vor sozial benachteiligten Jugendlichen. Im OECD-Durchschnitt beträgt dieser Abstand 85 Punkte. Der sozioökonomische Status erklärt hierzulande 19 Prozent der Leistungsunterschiede – gegenüber 11,6 Prozent im OECD-Durchschnitt. 

    Diese Zahlen sind kein Urteil über einzelne Schüler:innen, Lehrkräfte oder Schulen. Sie verweisen auf die Bedingungen, unter denen junge Menschen lernen. Und sie zeigen uns, dass  Bildungsgerechtigkeit keine zusätzliche Aufgabe neben Unterricht und Schulentwicklung ist, sondern zum Maßstab unseres Handelns werden muss. 

    Viele wirksame Ansätze sind bekannt. Es fehlt jedoch häufig an Verbindlichkeit, Prioritäten, verlässlichen Strukturen und der Kraft, Erkenntnisse gemeinsam und dauerhaft in veränderte Praxis zu übersetzen. 

    Die entscheidende Frage lautet deshalb:  

    Wie gestalten wir Schule und Unterricht so, dass die soziale Herkunft weniger stark über Zukunft entscheidet? 

    Fünf Voraussetzungen für gerechteres und wirksameres Lernen

    Gerechtere Bildung entsteht dort, wo die Akteure Verantwortung übernehmen und ihre Wirkung bewusst reflektieren. Lehrkräfte und Schulleitungen prägen jeden Tag, wie junge Menschen Lernen erleben, ob Sie sich Ihrer Potenziale bewusst sind und ob sie sich als wirksam erfahren. 

    Persönlichkeitsentwicklung ist deshalb kein Zusatz zur professionellen Qualifizierung, sondern deren Voraussetzung. Wer sich selbst Ziele setzt, die eigene Haltung, das eigene Handeln und die eigenen Erwartungen reflektiert, kann Lernprozesse bewusster gestalten, klarer führen und angemessener auf unterschiedliche Bedürfnisse reagieren. 

    Das betrifft auch die Selbststeuerung der Schüler:innen. Nach den PISA-Ergebnissen plant nur etwa ein Drittel der Jugendlichen häufig das eigene Vorgehen beim Lernen. Junge Menschen benötigen daher Lerngelegenheiten, in denen sie Ziele setzen, Entscheidungen treffen, Rückmeldungen nutzen und ihren Lernweg reflektieren können. 

    Dabei darf Persönlichkeitsentwicklung strukturelle Benachteiligung nicht zur individuellen Verantwortung erklären. Sie beseitigt keine ungleichen Ausgangsbedingungen. Sie stärkt aber die Menschen, die diese Bedingungen verändern können. 

    Bildungsgerechtigkeit darf nicht von der Lage der Schulen im Quartier, vom besonderen Engagement von Schulleitungen und einzelner Lehrkräfte abhängen. Damit gute Praxis nicht zufällig bleibt, braucht es strategische und lernwirksame Führung.   

    Wirksame Schulleitung schafft Orientierung, verständigt sich mit der Schulgemeinschaft auf wenige gemeinsame Ziele und sorgt dafür, dass Verantwortung geteilt wird. Sie ermöglicht Zusammenarbeit und macht transparent, woran Fortschritt erkannt werden soll. 

    Dazu gehört auch der Mut zur Deimplementierung. Schulen leiden häufig nicht an einem Mangel an Projekten, sondern an einer Überfülle gleichzeitig verfolgter Vorhaben. Jede neue Maßnahme bindet Zeit, Aufmerksamkeit und Kraft. Deshalb muss regelmäßig gefragt werden: Was trägt tatsächlich zu besserem Lernen und gerechteren Chancen bei? Was kann beendet werden? 

    Führung bedeutet in diesem Sinne nicht, Veränderung von oben anzuordnen. Leadership entwickelt gemeinsame  Bilder für zukünftiges Lernen. Es gestaltet Lernen so, dass Verantwortungsübernahme ermöglicht wird und konsequent auf die vereinbarten Ziele einzahlt. 

    Wer mehr Bildungsgerechtigkeit erreichen will, muss danach fragen, wie Schüler:innen Schule tatsächlich erleben. Fühlen sie sich gesehen? Werden ihre Perspektiven ernst genommen? Erfahren sie, dass sie dazugehören und etwas bewirken können? 

    Tragfähige Beziehungen schaffen Vertrauen, Orientierung und psychologische Sicherheit. Sie ermöglichen ehrliches Feedback, aktive Beteiligung und die Bereitschaft, sich auf anspruchsvolle Lernprozesse einzulassen. Beziehung ist deshalb nicht nur eine Frage des Schulklimas, sondern eine Voraussetzung für fachliches und überfachliches Lernen. 

    Die Stimmen der Schüler:innen liefern dabei unverzichtbare Hinweise auf die Wirkung von Schule. Junge Menschen dürfen nicht lediglich Adressat:innen von Schulentwicklung sein. Sie müssen an ihr beteiligt werden. 

    Zugehörigkeit entsteht jedoch nicht in isolierten Kontexten und Maßnahmen. Sie zeigt sich im Unterricht, in der Feedbackkultur, in Entscheidungen und im täglichen Umgang miteinander. Damit ist sie eine gemeinsame Aufgabe der gesamten Schulgemeinschaft. 

    Gerechtere Bildung verlangt langfristige und anspruchsvolle Entwicklungsprozesse. Diese können nur gelingen, wenn die beteiligten Menschen dauerhaft handlungsfähig bleiben. 

    Die psychische und physische Gesundheit von Lehrkräften, Schulleitungen und Schüler:innen ist deshalb kein nachgeordnetes Thema. Sie hängt unmittelbar mit Führung, Arbeitsorganisation, Zusammenarbeit und Beteiligung zusammen. 

    Verbindlich verlässliche Strukturen, klare Prioritäten und gesundheitsorientierte Führung reduzieren nicht nur Belastungen. Sie schaffen Freiräume für pädagogische Arbeit, stärken Beziehungen und erhöhen die Fähigkeit, auf unterschiedliche Lernbedürfnisse einzugehen. 

    Wer Überforderung dauerhaft hinnimmt, gefährdet auch die Qualität von Lernen und Schulentwicklung. Wer Gesundheit fördert, stärkt die Voraussetzungen dafür, dass Menschen Verantwortung übernehmen und Veränderung gestalten können. 

    PISA 2025 nimmt mit dem computergestützten Problemlösen auch die Fähigkeit in den Blick, in digitalen Umgebungen selbstständig zu lernen und komplexe Aufgaben zu bearbeiten. 

    Digitale Werkzeuge und Künstliche Intelligenz können Lernwege öffnen, Rückmeldungen erleichtern und individuelle Unterstützung ermöglichen. Sie schaffen jedoch nicht automatisch besseren oder gerechteren Unterricht. 

    Entscheidend ist nicht, ob Technologie eingesetzt wird, sondern welchem pädagogischen Zweck sie dient: Hilft sie Schüler:innen, Probleme zu lösen? Fördert sie kritisches Denken? Unterstützt sie Selbststeuerung und eigenständiges Urteilen? Ermöglicht sie Teilhabe – oder verstärkt sie bestehende Unterschiede? 

    Die pädagogische Verantwortung bleibt bei den Menschen in Schule. Technologie kann gute Pädagogik unterstützen. Sie kann sie nicht ersetzen. 

    Von den Ergebnissen zum gemeinsamen Handeln

    Aus PISA dürfen nicht einfach neue Programme entstehen. Nötig sind vielmehr kohärente Entwicklungsprozesse. 

    Schulen sollten gemeinsam klären, welche Herausforderungen für ihre Schüler:innen besonders relevant sind und welches Ziel sie mit Priorität verfolgen. Lernende, Lehrkräfte und Eltern müssen an dieser Verständigung beteiligt werden. Kollegien benötigen Zeit, um gemeinsam zu lernen, Erfahrungen auszuwerten und Unterricht weiterzuentwickeln. Bestehende Vorhaben sollten konsequent auf ihren tatsächlichen Beitrag zu besseren Lernbedingungen geprüft werden. 

    Schulen können diese Aufgabe jedoch nicht allein bewältigen. Bildungsadministration und Schulträger müssen langfristige Entwicklung ermöglichen, statt immer neue, voneinander isolierte Maßnahmen zu initiieren. Dazu gehören verlässliche Ressourcen, größere Gestaltungsspielräume, zunehmend autonome Strukturen und Unterstützung, die sich an den konkreten Herausforderungen der einzelnen Schule orientiert. 

    Die Heraeus Bildungsstiftung begleitet Schulen und Führungskräfte auf diesem Weg. Wir stärken Persönlichkeiten, fördern verbindungsstarke Führung, bündeln Wissen und machen Erfahrungen für andere nutzbar. Dabei geht es nicht um Patentrezepte. Es geht darum, gemeinsam zu lernen, Verantwortung zu übernehmen und aus Erkenntnissen wirksame Praxis werden zu lassen. 

    PISA zeigt, wo die Herausforderungen liegen. Die Konsequenz daraus muss mehr sein als ein weiteres Programm. Gerechtere Bildung entsteht dort, wo Schulen klare Ziele verfolgen, Beziehungen stärken, Beteiligung ermöglichen und ihre Kräfte auf das konzentrieren, was für junge Menschen wirklich zählt. 

  • Sommerakademie für Schulleitungen in Baden-Württemberg 2026

    Sommerakademie für Schulleitungen in Baden-Württemberg 2026

    Wie gelingt Führung, wenn Schule Lernen konsequent aus der Perspektive der Schüler:innen denkt? Darum ging es bei der Sommerakademie für Schulleitungen vom 1. bis 3. September 2026 in Bad Wildbad. 

    Seit 2020 gestalten Heraeus Bildungsstiftung und Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung Baden-Württemberg (ZSL) die Sommerakademie gemeinsam. Das Programm verbindet wissenschaftliche Perspektiven, den Austausch mit Bildungspolitik und die konkrete Arbeit am eigenen Führungshandeln. 

    Führung trägt Verantwortung für Lernen 

    Gemeinsam mit ZSL-Präsident Prof. Dr. Thomas Riecke-Baulecke eröffnete Martin Fugmann, Geschäftsführender Vorstand der Heraeus Bildungsstiftung, die Sommerakademie. 

    In seinem Grußwort rückte er die Wirkung von Führung auf das Lernen der Schüler:innen ins Zentrum: 

    „Wer Schule führt, führt eben nicht nur eine Organisation. Er oder sie trägt Verantwortung für die Qualität des Lernens. Die entscheidenden Fragen lauten deshalb nicht nur: Haben wir unsere Prozesse gut organisiert? Sondern: Lernen unsere Schülerinnen und Schüler besser? Können unsere Lehrkräfte wirksamer arbeiten? Lernen wir als Kollegium miteinander?“ 

    Schule von den Schüler:innen her zu denken bedeutet damit auch, Führung aus ihrer Perspektive zu gestalten und gute Bedingungen für ihr Lernen zu schaffen. 

    Lernen und Lehren in der digitalen Transformation 

    Prof. Dr. Ulrike Krein setzte Schlaglichter auf Lernen und Lehren in der digitalen Transformation. Lernen beschrieb sie als kritische Auseinandersetzung mit Wissen, Technik und Deutungen. Zugleich gewinnt das „Lernen lernen“ an Bedeutung – mit Selbstregulation, Motivation und Metakognition. 

    Krein plädierte dafür, mit Technologie zu arbeiten, anstatt sie lediglich zu nutzen. Für Lehrkräfte und schulische Führung rücken damit die Gestaltung von Bildungsräumen und Lerngelegenheiten sowie der kritische Umgang mit externen Anforderungen in den Fokus. Auch die Entgrenzung von Arbeit und Freizeit nahm sie in den Blick. 

    Selbstregulation als „Superpower“ 

    Prof. Dr. Ulrich Trautwein stellte Selbstregulation als Leitperspektive im Bildungssystem vor. Er beschrieb sie als „Superpower“: die Fähigkeit, Denken, Fühlen und Handeln so zu steuern, dass eigene Ziele verfolgt werden können. 

    Damit geht es um mehr als eine Lerntechnik. Es geht auch darum, Schüler:innen zunehmend Verantwortung für ihr eigenes Lernen zu ermöglichen. 

    Austausch mit Kultusminister Andreas Jung 

    Christine Heraeus und Martin Fugmann trafen Baden-Württembergs Kultusminister Andreas Jung zum Gespräch. Dabei ging es auch um die Rolle von Schulleitungen für gelingendes Lernen und Schulentwicklung.

    Anschließend nahm sich der Minister viel Zeit für den direkten Austausch mit den Schulleitungen. Sie brachten eigene Erfahrungen, Fragen und Perspektiven ein.

    Vom Impuls in die Führungspraxis 

    Am zweiten Tag stand die Frage im Mittelpunkt, wie aus den neuen Perspektiven konkretes Führungshandeln werden kann. Gemeinsam mit Trainer:innen der Heraeus Bildungsstiftung arbeiteten die Teilnehmenden praxisnah daran, was lernwirksame Führung im schulischen Alltag bedeutet. 

    Dabei betrachteten sie Lernen auf drei miteinander verbundenen Ebenen:

    • das Lernen der Schulleitung,
    • das Lernen im Kollegium und
    • das Lernen der Schüler:innen.

    Hierfür wurden vier zentrale Themen in den Blick genommen:

    • die Auswirkungen von Haltung und Verhalten von Führungskräften auf die Lernkultur,
    • kollegiale Prozesse für den Lernerfolg von Schüler:innen,
    • Kriterien für gelingendes Lernen sowie
    • wirksame Hebel, die Schulleitungen selbst in der Hand haben. 

    Mit kurzen fachlichen Impulsen, vielfältigen Arbeitsformen und gezielten Reflexionsfragen überprüften die Teilnehmenden die Erkenntnisse an ihrer eigenen Praxis. Sie setzten sich damit auseinander, wie ihr Führungshandeln Unterrichtsentwicklung, Zusammenarbeit im Kollegium und die Schule als lernende Organisation beeinflusst. 

    Ein besonderer Blick galt dem Kollegium als professioneller Lerngemeinschaft: Wie kann Zusammenarbeit so gestaltet werden, dass gemeinsames Lernen, Verantwortung und kollektive Selbstwirksamkeit wachsen? 

    Im World-Café wechselten die Schulleitungen konsequent die Perspektive und fragten: Was brauchen Schülerinnen und Schüler, damit Lernen gelingt und sie sich in Schule wohlfühlen? Evidenzbasierte Erkenntnisse zu wirksamem Lernen trafen dabei auf konkrete Erfahrungen und Beispiele aus der schulischen Praxis. 

    Führung daran messen, was sie für Lernen ermöglicht 

    Bei der Sommerakademie haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete Impulse für die Führungspraxis zu übersetzen. Entscheidend ist dabei, was Führung für das Lernen ermöglicht: Welche Schulkultur entsteht? Wie arbeiten Menschen miteinander? Welche Verantwortung können sie übernehmen? Und welche Bedingungen finden Schüler:innen vor, um gut zu lernen und sich zu entwickeln? 

  • KI in der Bildung: Stellen wir die richtigen Fragen?

    KI in der Bildung: Stellen wir die richtigen Fragen?

    Eine Leitlinie des chinesischen Bildungsministeriums aus dem Jahr 2025 zeigt, wie weit dieser Weg bereits gedacht ist: KI wird systematisch in Lehren, Lernen und Assessment integriert und mit der Förderung von kritischem Denken, Problemlösefähigkeit und praktischen Kompetenzen verbunden. Für 2026 ist eine noch konsequentere Umsetzung als Priorität gesetzt. 

    Mit dieser Perspektive bin ich im März 2026 zur Seventh Sino German Didactics Dialogue Conference nach Shanghai, Hefei und Wuhu gereist. 

    Seitdem beschäftigt mich eine Frage: 
    Setzen wir in der Debatte über KI in der Bildung die richtigen Schwerpunkte? 

    KI kann heute Texte formulieren, Rückmeldungen geben und Lernstände analysieren. 
    Das ist beeindruckend und zugleich irritierend. 

    Denn es führt zu einer Verschiebung, die wir leicht unterschätzen. 

    Wenn Wissen jederzeit verfügbar ist, stellt sich die Frage neu: 
    Was müssen Schülerinnen und Schüler noch selbst können? 

    In vielen Beiträgen tauchten immer wieder ähnliche Begriffe auf: 
    Urteilskraft, Verständnis, Kreativität und Verantwortung. 

    Das sind keine neuen Begriffe. Aber sie bekommen eine andere Bedeutung. 

    Der blinde Fleck der Debatte 

    Viele Diskussionen kreisen um Anwendungen: Chatbots, automatisierte Korrekturen, personalisierte Lernpfade. 

    Das ist nachvollziehbar, greift aber zu kurz. 

    Denn wenn Maschinen Teile der kognitiven Arbeit übernehmen, verändert sich der Maßstab von Bildung. 

    Nicht nur das Ergebnis zählt, sondern der Weg dorthin: 
    Fragen entwickeln, Annahmen überprüfen, Gedanken verwerfen und neu ordnen. 

    Genau dort entsteht das, was wir eigentlich unter Lernen verstehen. 

    KI kann unterstützen – aber nicht ersetzen 

    Die Potenziale sind klar: schnelleres Feedback, differenziertere Diagnostik, mehr Individualisierung. 

    Und gleichzeitig wurde eine Grenze immer wieder deutlich: 

    Was sich auswerten lässt, ist nicht automatisch verstanden. 
    Eine Rückmeldung ersetzt keine Beziehung. 
    Und keine Maschine kennt den Kontext, in dem ein Kind lernt. 

    Das klingt banal. Ist es aber nicht. 

    Zwei Perspektiven – ein gemeinsamer Umbruch 

    Der Vergleich zwischen Deutschland und China hat diese Fragen geschärft. 

    In Deutschland liegt der Fokus oft auf Unterrichtsqualität, Feedback und Lehrerprofessionalität. 

    In China wird stärker gefragt, wie Bildung als System, als kulturelle Praxis und als Zukunftsaufgabe neu gedacht werden muss. 

    Während hierzulande noch über Einsatzmöglichkeiten diskutiert wird, ist KI dort längst Teil einer strategisch gesteuerten Bildungsreform. 

    Das ist kein Detailunterschied. Es ist eine andere Perspektive auf Bildung. 

    Gute Ergebnisse reichen nicht 

    Besonders deutlich wurde das im Blick auf PISA. 

    In Deutschland wird gefragt: Wie werden wir besser? 
    In China: Was sagen gute Ergebnisse eigentlich aus – und was kosten sie? 

    Zeit, Druck, Motivation, Gesundheit. 

    Ein System kann im Messen stark sein und gleichzeitig zu eng, wenn es um Kreativität, Neugier und Problemlösefähigkeit geht. 

    Bildung ist mehr als das, was sich messen lässt. 

    Was sich gerade verschiebt 

    Je leistungsfähiger KI wird, desto weniger reicht es, Bildung als Wissensvermittlung zu verstehen. 

    Gefragt sind andere Qualitäten: Orientierung, Selbstständigkeit, Verantwortung und die Fähigkeit, mit anderen zu arbeiten und zu denken. 

    Das ist kein neues Ideal. Aber es wird jetzt zur Voraussetzung. 

    Die eigentliche Frage 

    Die entscheidende Frage lautet nicht, wie viel KI Schule verträgt. 

    Sondern: Welche Form von Schule entsteht, wenn wir sie sinnvoll nutzen? 

    Eine Schule, die Prozesse effizienter organisiert? Oder eine Schule, die die neuen Möglichkeiten nutzt, um Lernen zu vertiefen? 

    Diese Entscheidung ist nicht technisch. Sie ist pädagogisch. 

    Fazit 

    Für mich war diese Reise auch persönlich besonders: Ich war von Hilbert Meyer eingeladen worden, an dieser Konferenz teilzunehmen und mich einzubringen. 

    Was bleibt, ist vor allem eine Einsicht: 

    Wenn wir KI nur einführen, ohne Schule neu zu denken, werden wir vielleicht modernisieren – aber wenig verändern. 

    KI fordert uns nicht nur heraus, Schule und Unterricht anzupassen. 
    Sie zwingt uns, Bildung neu zu begründen.