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  • Sommerakademie für Schulleitungen in Baden-Württemberg 2026

    Sommerakademie für Schulleitungen in Baden-Württemberg 2026

    Wie gelingt Führung, wenn Schule Lernen konsequent aus der Perspektive der Schüler:innen denkt? Darum ging es bei der Sommerakademie für Schulleitungen vom 1. bis 3. September 2026 in Bad Wildbad. 

    Seit 2020 gestalten Heraeus Bildungsstiftung und Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung Baden-Württemberg (ZSL) die Sommerakademie gemeinsam. Das Programm verbindet wissenschaftliche Perspektiven, den Austausch mit Bildungspolitik und die konkrete Arbeit am eigenen Führungshandeln. 

    Führung trägt Verantwortung für Lernen 

    Gemeinsam mit ZSL-Präsident Prof. Dr. Thomas Riecke-Baulecke eröffnete Martin Fugmann, Geschäftsführender Vorstand der Heraeus Bildungsstiftung, die Sommerakademie. 

    In seinem Grußwort rückte er die Wirkung von Führung auf das Lernen der Schüler:innen ins Zentrum: 

    „Wer Schule führt, führt eben nicht nur eine Organisation. Er oder sie trägt Verantwortung für die Qualität des Lernens. Die entscheidenden Fragen lauten deshalb nicht nur: Haben wir unsere Prozesse gut organisiert? Sondern: Lernen unsere Schülerinnen und Schüler besser? Können unsere Lehrkräfte wirksamer arbeiten? Lernen wir als Kollegium miteinander?“ 

    Schule von den Schüler:innen her zu denken bedeutet damit auch, Führung aus ihrer Perspektive zu gestalten und gute Bedingungen für ihr Lernen zu schaffen. 

    Lernen und Lehren in der digitalen Transformation 

    Prof. Dr. Ulrike Krein setzte Schlaglichter auf Lernen und Lehren in der digitalen Transformation. Lernen beschrieb sie als kritische Auseinandersetzung mit Wissen, Technik und Deutungen. Zugleich gewinnt das „Lernen lernen“ an Bedeutung – mit Selbstregulation, Motivation und Metakognition. 

    Krein plädierte dafür, mit Technologie zu arbeiten, anstatt sie lediglich zu nutzen. Für Lehrkräfte und schulische Führung rücken damit die Gestaltung von Bildungsräumen und Lerngelegenheiten sowie der kritische Umgang mit externen Anforderungen in den Fokus. Auch die Entgrenzung von Arbeit und Freizeit nahm sie in den Blick. 

    Selbstregulation als „Superpower“ 

    Prof. Dr. Ulrich Trautwein stellte Selbstregulation als Leitperspektive im Bildungssystem vor. Er beschrieb sie als „Superpower“: die Fähigkeit, Denken, Fühlen und Handeln so zu steuern, dass eigene Ziele verfolgt werden können. 

    Damit geht es um mehr als eine Lerntechnik. Es geht auch darum, Schüler:innen zunehmend Verantwortung für ihr eigenes Lernen zu ermöglichen. 

    Austausch mit Kultusminister Andreas Jung 

    Christine Heraeus und Martin Fugmann trafen Baden-Württembergs Kultusminister Andreas Jung zum Gespräch. Dabei ging es auch um die Rolle von Schulleitungen für gelingendes Lernen und Schulentwicklung.

    Anschließend nahm sich der Minister viel Zeit für den direkten Austausch mit den Schulleitungen. Sie brachten eigene Erfahrungen, Fragen und Perspektiven ein.

    Vom Impuls in die Führungspraxis 

    Am zweiten Tag stand die Frage im Mittelpunkt, wie aus den neuen Perspektiven konkretes Führungshandeln werden kann. Gemeinsam mit Trainer:innen der Heraeus Bildungsstiftung arbeiteten die Teilnehmenden praxisnah daran, was lernwirksame Führung im schulischen Alltag bedeutet. 

    Dabei betrachteten sie Lernen auf drei miteinander verbundenen Ebenen:

    • das Lernen der Schulleitung,
    • das Lernen im Kollegium und
    • das Lernen der Schüler:innen.

    Hierfür wurden vier zentrale Themen in den Blick genommen:

    • die Auswirkungen von Haltung und Verhalten von Führungskräften auf die Lernkultur,
    • kollegiale Prozesse für den Lernerfolg von Schüler:innen,
    • Kriterien für gelingendes Lernen sowie
    • wirksame Hebel, die Schulleitungen selbst in der Hand haben. 

    Mit kurzen fachlichen Impulsen, vielfältigen Arbeitsformen und gezielten Reflexionsfragen überprüften die Teilnehmenden die Erkenntnisse an ihrer eigenen Praxis. Sie setzten sich damit auseinander, wie ihr Führungshandeln Unterrichtsentwicklung, Zusammenarbeit im Kollegium und die Schule als lernende Organisation beeinflusst. 

    Ein besonderer Blick galt dem Kollegium als professioneller Lerngemeinschaft: Wie kann Zusammenarbeit so gestaltet werden, dass gemeinsames Lernen, Verantwortung und kollektive Selbstwirksamkeit wachsen? 

    Im World-Café wechselten die Schulleitungen konsequent die Perspektive und fragten: Was brauchen Schülerinnen und Schüler, damit Lernen gelingt und sie sich in Schule wohlfühlen? Evidenzbasierte Erkenntnisse zu wirksamem Lernen trafen dabei auf konkrete Erfahrungen und Beispiele aus der schulischen Praxis. 

    Führung daran messen, was sie für Lernen ermöglicht 

    Bei der Sommerakademie haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete Impulse für die Führungspraxis zu übersetzen. Entscheidend ist dabei, was Führung für das Lernen ermöglicht: Welche Schulkultur entsteht? Wie arbeiten Menschen miteinander? Welche Verantwortung können sie übernehmen? Und welche Bedingungen finden Schüler:innen vor, um gut zu lernen und sich zu entwickeln? 

  • KI in der Bildung: Stellen wir die richtigen Fragen?

    KI in der Bildung: Stellen wir die richtigen Fragen?

    Eine Leitlinie des chinesischen Bildungsministeriums aus dem Jahr 2025 zeigt, wie weit dieser Weg bereits gedacht ist: KI wird systematisch in Lehren, Lernen und Assessment integriert und mit der Förderung von kritischem Denken, Problemlösefähigkeit und praktischen Kompetenzen verbunden. Für 2026 ist eine noch konsequentere Umsetzung als Priorität gesetzt. 

    Mit dieser Perspektive bin ich im März 2026 zur Seventh Sino German Didactics Dialogue Conference nach Shanghai, Hefei und Wuhu gereist. 

    Seitdem beschäftigt mich eine Frage: 
    Setzen wir in der Debatte über KI in der Bildung die richtigen Schwerpunkte? 

    KI kann heute Texte formulieren, Rückmeldungen geben und Lernstände analysieren. 
    Das ist beeindruckend und zugleich irritierend. 

    Denn es führt zu einer Verschiebung, die wir leicht unterschätzen. 

    Wenn Wissen jederzeit verfügbar ist, stellt sich die Frage neu: 
    Was müssen Schülerinnen und Schüler noch selbst können? 

    In vielen Beiträgen tauchten immer wieder ähnliche Begriffe auf: 
    Urteilskraft, Verständnis, Kreativität und Verantwortung. 

    Das sind keine neuen Begriffe. Aber sie bekommen eine andere Bedeutung. 

    Der blinde Fleck der Debatte 

    Viele Diskussionen kreisen um Anwendungen: Chatbots, automatisierte Korrekturen, personalisierte Lernpfade. 

    Das ist nachvollziehbar, greift aber zu kurz. 

    Denn wenn Maschinen Teile der kognitiven Arbeit übernehmen, verändert sich der Maßstab von Bildung. 

    Nicht nur das Ergebnis zählt, sondern der Weg dorthin: 
    Fragen entwickeln, Annahmen überprüfen, Gedanken verwerfen und neu ordnen. 

    Genau dort entsteht das, was wir eigentlich unter Lernen verstehen. 

    KI kann unterstützen – aber nicht ersetzen 

    Die Potenziale sind klar: schnelleres Feedback, differenziertere Diagnostik, mehr Individualisierung. 

    Und gleichzeitig wurde eine Grenze immer wieder deutlich: 

    Was sich auswerten lässt, ist nicht automatisch verstanden. 
    Eine Rückmeldung ersetzt keine Beziehung. 
    Und keine Maschine kennt den Kontext, in dem ein Kind lernt. 

    Das klingt banal. Ist es aber nicht. 

    Zwei Perspektiven – ein gemeinsamer Umbruch 

    Der Vergleich zwischen Deutschland und China hat diese Fragen geschärft. 

    In Deutschland liegt der Fokus oft auf Unterrichtsqualität, Feedback und Lehrerprofessionalität. 

    In China wird stärker gefragt, wie Bildung als System, als kulturelle Praxis und als Zukunftsaufgabe neu gedacht werden muss. 

    Während hierzulande noch über Einsatzmöglichkeiten diskutiert wird, ist KI dort längst Teil einer strategisch gesteuerten Bildungsreform. 

    Das ist kein Detailunterschied. Es ist eine andere Perspektive auf Bildung. 

    Gute Ergebnisse reichen nicht 

    Besonders deutlich wurde das im Blick auf PISA. 

    In Deutschland wird gefragt: Wie werden wir besser? 
    In China: Was sagen gute Ergebnisse eigentlich aus – und was kosten sie? 

    Zeit, Druck, Motivation, Gesundheit. 

    Ein System kann im Messen stark sein und gleichzeitig zu eng, wenn es um Kreativität, Neugier und Problemlösefähigkeit geht. 

    Bildung ist mehr als das, was sich messen lässt. 

    Was sich gerade verschiebt 

    Je leistungsfähiger KI wird, desto weniger reicht es, Bildung als Wissensvermittlung zu verstehen. 

    Gefragt sind andere Qualitäten: Orientierung, Selbstständigkeit, Verantwortung und die Fähigkeit, mit anderen zu arbeiten und zu denken. 

    Das ist kein neues Ideal. Aber es wird jetzt zur Voraussetzung. 

    Die eigentliche Frage 

    Die entscheidende Frage lautet nicht, wie viel KI Schule verträgt. 

    Sondern: Welche Form von Schule entsteht, wenn wir sie sinnvoll nutzen? 

    Eine Schule, die Prozesse effizienter organisiert? Oder eine Schule, die die neuen Möglichkeiten nutzt, um Lernen zu vertiefen? 

    Diese Entscheidung ist nicht technisch. Sie ist pädagogisch. 

    Fazit 

    Für mich war diese Reise auch persönlich besonders: Ich war von Hilbert Meyer eingeladen worden, an dieser Konferenz teilzunehmen und mich einzubringen. 

    Was bleibt, ist vor allem eine Einsicht: 

    Wenn wir KI nur einführen, ohne Schule neu zu denken, werden wir vielleicht modernisieren – aber wenig verändern. 

    KI fordert uns nicht nur heraus, Schule und Unterricht anzupassen. 
    Sie zwingt uns, Bildung neu zu begründen.