Schlagwort: Partizipation

  • Anmeldung zur Diskussionsreihe „Kathinka fragt nach“ in Hanau

    Anmeldung zur Diskussionsreihe „Kathinka fragt nach“ in Hanau

    Diskussionsreihe „Kathinka fragt nach“ 
    Was muss Schule heute leisten?

    Drei Zukunftsfragen. Zwei Hanauer Stiftungen. Ein gemeinsames Ziel: Schule so gestalten, dass Kinder und Jugendliche ihre Stärken entfalten und gut auf das Leben vorbereitet sind.

    Gemeinsam mit der Kathinka Platzhoff Stiftung lädt die Heraeus Bildungsstiftung in diesem Herbst zu drei Diskussionsabenden in Hanau ein.

    Lehrkräfte, Schulleitungen, Schüler:innen und Expert:innen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Stiftungen kommen bei der beliebten Veranstaltungsreihe „Kathinka fragt nach“ miteinander ins Gespräch.

    Seien Sie dabei und diskutieren Sie mit uns.

    Schule soll allen Kindern gleiche Chancen bieten. Doch soziale Herkunft, Sprache und individuelle Bedürfnisse beeinflussen den Bildungserfolg stärker, als sie sollten.

    Wie können Integration und individuelle Förderung gelingen? Was brauchen Kinder, um ihre Potenziale zu entfalten?

    Auf dem Podium:

    • Prof. Dr. Frank E. P. Dievernich, Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt
    • Roswitha Malewski, Schulleiterin der Grundschule Kuppelnau und Preisträgerin beim Deutschen Lehrkräftepreis
    • Dr. Jan Scharf, DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation
    • Miriam Zeleke, Landesbeauftragte für die Förderung und Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in Hessen

    Moderation: Yvonne Backhaus-Arnold, Hanauer Anzeiger

    Fachkräftemangel, Digitalisierung und neue Arbeitswelten verändern die Anforderungen an junge Menschen.

    Was erwartet die Wirtschaft von schulischer Bildung? Welche Kompetenzen sind gefragt? Und wie können Schule und Wirtschaft besser zusammenarbeiten?

    Auf dem Podium:

    • Lukas Kavermann, Dual Studierender bei Heraeus
    • Martin Lindenau, Schulleiter der Ludwig-Geißler-Schule Hanau
    • Claudia Piechnik, Ausbildungsleiterin bei Heraeus
    • Thomas Sattelberger, MINT-Aktivist und Parlamentarischer Staatssekretär a. D.

    Moderation: Yvonne Backhaus-Arnold, Hanauer Anzeiger

    Wie stellen sich Schüler:innen die Schule der Zukunft vor? Was brauchen sie, um motiviert zu lernen und gut auf das Leben vorbereitet zu sein?

    Schüler:innen der Hohen Landesschule Hanau berichten aus ihrem Pilotprojekt zum selbstgesteuerten Lernen. Sie bringen ihre Erfahrungen, Wünsche und Ideen in die Diskussion ein.

    Auf dem Podium:

    • Daniele Esposito, Head of Google for Education DACH
    • Martin Fugmann, Geschäftsführender Vorstand der Heraeus Bildungsstiftung
    • Jasmin Khader, Lehrerin und Preisträgerin beim Deutschen Lehrkräftepreis
    • Schüler:innen der Hohen Landesschule Hanau

    Moderation: Yvonne Backhaus-Arnold, Hanauer Anzeiger

    Kooperationspartner

  • „Es bringt nichts, nur mehr vom Gleichen zu machen“ 

    „Es bringt nichts, nur mehr vom Gleichen zu machen“ 

    Portraitfoto von Roswitha Malewski
    Roswitha Malewski

    Geht nicht, gibt’s nicht – so beschreiben die Kolleg:innen von Roswitha Malewski die Haltung ihrer Schulleiterin. Die Rektorin der Grundschule Kuppelnau in Baden-Württemberg wurde 2025 mit dem Deutschen Lehrkräftepreis ausgezeichnet – auf Empfehlung ihres Teams.

    Frau Malewski, Sie sind offiziell eine „vorbildliche Schulleitung“: Was heißt das denn für Sie, Schulleiterin zu sein? 

    Roswitha Malewski: Puh, erst mal bedeutet Schulleiterin zu sein eine sehr große Umstellung. Darauf bereitet einen das Lehramtsstudium nicht vor, und eine Ausbildung zur Schulleitung gibt es ja auch nicht. Wenn man dann Schulleitung ist, bekommt man zwar Unterstützung in Form von verschiedenen Modulen, aber das meiste lernt man, indem man es einfach macht.

    Insgesamt sind Sie nun schon seit zehn Jahren als Schulleiterin tätig. Was gab damals den Ausschlag für den Wechsel?

    Tatsächlich bin ich zuerst vom Lehrerinnendasein in die Fortbildung gewechselt. Damals gab es in Baden-Württemberg den großen Aufbruch rund um die Gemeinschaftsschulen und den Schulstrukturveränderungen. Da wollte ich gern dabei sein und habe Schulen beraten. So habe ich unheimlich viele Schulen kennengelernt und gesehen, was gut läuft. Immer mal wieder habe ich gedacht: „Ach, das könnte ich auch“ oder „Das würde ich als Schulleiterin so und so machen“.

    Als dann die damalige Schulleitung meiner jetzigen Schule in den Ruhestand gegangen ist, dachte ich: Das ist der Moment, noch mal etwas anderes zu machen – und irgendwie hat das geklappt.

    In der Nominierung für den Deutschen Lehrkräftepreis, die Ihr Kollegium verfasst hat, wird deutlich, wie viel Wert Sie als Schulleiterin auf Partizipation legen. Eltern, Schüler:innen, Lehrkräfte – alle können sich beteiligen, etwa über Arbeitsgemeinschaften, Fördervereine oder Beiräte. Warum ist Ihnen das so wichtig?  

    Eine Schule kann man niemals allein leiten, das ergibt überhaupt keinen Sinn. Schule ist wie ein sehr träger Tanker, eine einmal eingeschlagene Richtung lässt sich nicht so schnell verändern. Deshalb ist es sinnvoll, die Menschen mitzunehmen.

    Die Partizipationsmöglichkeiten erstrecken sich bei Ihnen an der Schule auch auf den Bereich der Schulentwicklung. Warum muss sich Schule weiterentwickeln? 

    In vielen Punkten ist Schule noch so, wie man sie sich um die Jahrhundertwende vorgestellt hat – und zwar die vor 120 Jahren, nicht die vor 20. Aber Kinder haben sich verändert, die Gesellschaft hat sich verändert, Eltern haben sich verändert, also muss Schule sich ebenfalls verändern.

    Die PISA-Ergebnisse sind schlecht, die Vera-Ergebnisse sind schlecht. Und trotzdem doktern wir immer nur im Klein-Klein herum: hier noch eine Förderstunde, dort noch zusätzlicher Matheunterricht. Ich glaube, man müsste das viel größer denken. Man müsste von den Besten lernen – und nicht nur ins Ausland fahren, sich das anschauen und dann sagen: „Ja, interessant, aber wir lassen lieber alles so, wie es ist.“

    Kultuspolitik ist natürlich schwierig, weil Bildung Ländersache ist und deshalb alles sechzehnmal unterschiedlich geregelt wird. In meinen Augen ergibt das aber überhaupt keinen Sinn.

    Wenn Sie die Möglichkeit hätten, das Bildungssystem zu verändern – wo würden Sie als Erstes ansetzen?

    Ich würde erst mal die Vielfalt der vielen verschiedenen Schularten reduzieren und die Kinder länger gemeinsam lernen lassen, bis zur 8. oder 9. Klasse. Danach könnten sie selbst entscheiden, wie es weitergeht. Außerdem würde ich viel stärker die Bereiche in den Mittelpunkt stellen, die immer gekürzt werden: Sport, Kunst, Theater – all das, was Kinder brauchen.

    Natürlich sind Lesen, Schreiben und Rechnen elementar wichtig. Aber es bringt nichts, immer nur mehr vom Gleichen zu machen. Ein Kind lernt doch auch, sich auszudrücken, zu lesen und zu schreiben, wenn es beispielsweise Theater spielt, Briefe verfasst oder mit alten Menschen in Kontakt kommt.

    Gerade diesen kulturellen Bereich haben Sie an Ihrer Schule stark ausgebaut, durch das Theaterprofil. Wie hat sich Schule dadurch verändert?

    Ein Theaterprojekt gab es an der Schule tatsächlich schon, als ich vor zehn Jahren Schulleiterin geworden bin. Um die Ecke steht ein kleines städtisches Theater, dessen Theaterpädagoginnen schon damals ein Projekt mit unseren Zweitklässlern organisierten. Sechs Wochen lang arbeiteten sie mit den Kindern an einer eigenen Aufführung, die zum Abschluss im Theater präsentiert wurde. Das war natürlich großartig – die Eltern kamen ins Theater und sahen ihre Kinder auf der Bühne.

    Dann hatten wir das Glück, eine Kollegin zu bekommen, die Theaterpädagogin ist und selbst am Theater arbeitet. Gemeinsam haben wir das Theaterprofil aufgebaut. Jetzt wird schon in Klasse 1 Theater gespielt, in Klasse 2 folgt das erwähnte Projekt mit dem Theater Ravensburg und in Klasse 3 und 4 haben die Kinder jede Woche zwei Stunden Theaterunterricht fest im Stundenplan verankert. Das ist keine freiwillige AG, sondern regulärer Unterricht.

    Theater heißt daher bei uns nicht: Kostüme anziehen und Dornröschen spielen. Die Kinder entwickeln eigene Stücke, machen Improtheater, bespielen das ganze Schulhaus, erstellen Podcasts – das ist unglaublich vielfältig. Und das macht so viel mit den Kindern. Weiterführende Schulen sagen uns oft, dass unsere Kinder sich unglaublich gut ausdrücken und präsentieren können und selbstbewusst auftreten.

    Inwiefern passt dieser Schwerpunkt zu Ihrer Forderung, dass Schule sich verändern muss? Also: Was muss Schule Kindern heute bieten, um sie gut auf das Leben vorzubereiten?

    Ich glaube ehrlich gesagt gar nicht, dass wir Kinder auf das konkrete Leben vorbereiten können, das sie erwartet, weil sich alles so schnell verändert – Stichwort KI. Von daher ist es sinnvoller, Kinder so zu stärken, dass sie selbstbewusst sind, Dinge hinterfragen können, wissen, wo sie etwas nachschauen und wem sie vertrauen können – gerade im Netz. Hinzu kommt, dass sie lernen sollten, wie sie Beziehungen aufbauen, im Team arbeiten und ihr Wissen flexibel auf Probleme anwenden können.

    Sie selbst versuchen ja schon, Schule entsprechend zu verändern. Wie groß sind die Einflussmöglichkeiten einer Schulleitung? 

    Nach zehn Jahren als Schulleiterin muss ich leider feststellen, dass die eher gering sind – zumindest, wenn es um grundsätzliche Fragestellungen geht. Was ich aber in meiner Position sehr stark beeinflussen kann, ist die Atmosphäre an der Schule. Wenn ich als Schulleiterin die Kinder mag, die Eltern und Kolleginnen mag und einfach gerne hierherkomme, dann macht das etwas mit der Schule. Heute Morgen kam eine Schülerin und hat mich gleich umarmt, als ich mit dem Fahrrad auf den Schulhof gefahren bin. Früher hätte doch niemand seine Schulleiterin umarmt. Niemals.

    Für die Kinder ist diese vertrauensvolle Atmosphäre aber selbstverständlich. Genauso selbstverständlich kommen sie zu mir ins Büro, wenn sie ein Pflaster oder ein Kühlpack brauchen. Ich laufe mit Kindern auch nach Hause, wenn sie nicht abgeholt werden, oder hole sie morgens ab, wenn sie niemand bringt. An diesen Punkten kann ich aktiv ansetzen.

    Was ich nicht verändern kann, ist die Kultuspolitik. Da bleibt einem nur, selbst politisch oder gewerkschaftlich aktiv zu sein. Aber das ist zäh; es geht immer wieder vor und zurück.

    Wir als Schule beteiligen uns zum Beispiel am Schulversuch „Lernförderliche Leistungsrückmeldung“. Das heißt, wir haben uns entschieden, auf Noten zu verzichten und stattdessen Rückmeldungen zu den Kompetenzen der Kinder zu geben. Durch die Einführung der teilweise verbindlichen Grundschulempfehlung und den damit verbundenen Tests liegt der Fokus aber wieder stärker auf Noten. Das bestätigt wiederum die Eltern, die ohnehin lieber Noten hätten, weil sie die für aussagekräftiger halten als eine Rückmeldung darüber, was ein Kind konkret kann.

    Deutscher Lehrkräftepreis: Im Februar 2026 erhielt Roswitha Malewski (m.) den 2. Platz in der Kategorie „Ausgezeichnte Schulleitung“. Simone Oldenburg (l.) und Alexandra Heraeus (r.) überreichten den Preis.

    Das konterkariert den Schulversuch natürlich. 

    Ja, genau. Solche Veränderungen sind unglaublich zäh, besonders, wenn ein Ministerium nicht mutig genug ist zu sagen: „Wir führen das landesweit ein“, sodass einzelne Schulen nicht allein auf verlorenem Posten mit den Eltern diskutieren müssen.

    Und wenn Eltern unbedingt eine bestimmte Schule für ihr Kind wollen, dann wird plötzlich um jede Zehntelnote gekämpft. Dabei kennen die Lehrerinnen und Lehrer die Kinder doch eigentlich sehr gut und können sie einschätzen. Aber solange diese Drei-, Vier- oder Fünfgliedrigkeit im Schulsystem existiert und die weiterführenden Schulen unterschiedlich bewertet werden, bleibt dieser Druck bestehen. Ein Gymnasium gilt immer noch als „besser“ als eine Realschule oder Gemeinschaftsschule. Das macht alles unglaublich schwierig.

    Trotzdem versuchen Sie, Schule zu verändern – ein Aspekt, den auch Ihr Kollegium sehr schätzt. In der Nominierung zum Deutschen Lehrkräftepreis beschreibt Ihr Team Sie etwa als „Ermöglicherin“ mit der Grundhaltung „geht nicht, gibt’s nicht“. Was bedeutet Ihnen diese Rückmeldung und die damit verbundene Auszeichnung?

    Das rührt mich einfach sehr. Es ist unbeschreiblich wertschätzend. Ich bin überzeugt, dass ganz viele Schulleitungen diesen Preis verdient hätten. Ich bin ja nicht toller als andere. Aber dass sich meine Kolleginnen und Kollegen hingesetzt und sich die Zeit genommen haben, diese Bewerbung zu schreiben – das ist einfach großartig. Das ist wie eine warme Dusche, die gar nicht aufhört. 

    Das Interview führte Anna Hückelheim von der Agentur für Bildungsjournalismus für news4teachers.

  • Exzellenzcamp 2026 „#Mutausbruch_Schule“

    Exzellenzcamp 2026 „#Mutausbruch_Schule“

    Was gibt Menschen Kraft, sich jeden Tag für eine Schule einzusetzen, in der junge Menschen ihre Stärken entfalten können?

    Mit dieser Frage kamen die diesjährigen Preisträger:innen des Deutschen Lehrkräftepreises zum Exzellenzcamp in das Stiftungshaus der Heraeus Bildungsstiftung nach Hanau. Unter dem Motto „#Mutausbruch_Schule“ stand ein gemeinsames Ziel im Mittelpunkt: voneinander lernen, Erfahrungen teilen und neue Energie für die eigene Arbeit gewinnen.

    „Sie hören nicht auf, an Schüler:innen zu glauben.“

    Die ausgezeichneten Lehrkräfte und Schulleitungen verbindet eine Haltung, die im Schulalltag den Unterschied macht: Sie hören nicht auf, an ihre Schüler:innen zu glauben. Sie wollen jungen Menschen zeigen, dass sie etwas bewegen können, und geben ihnen Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten.

    In Workshops und Gesprächen ging es darum, eigene Stärken sichtbar zu machen, Herausforderungen im Schulalltag konstruktiv zu begegnen und Erfolge miteinander zu teilen. Viele Teilnehmende nutzten die Gelegenheit, Erfahrungen aus unterschiedlichen Schulformen und Bundesländern auszutauschen und neue Verbindungen zu knüpfen, die über das Exzellenzcamp hinaus Bestand haben.

    Wer gibt jungen Menschen Orientierung?

    Ein besonderer Programmpunkt war der Austausch mit Dinesh Kumari Chenchanna vom ZDF. Mit der Initiative ZDF goes Schule unterstützt das ZDF den neuen Sonderpreis Medien und Demokratie des Deutschen Lehrkräftepreises. Gemeinsam diskutierten die Teilnehmenden darüber, wie Schule jungen Menschen Orientierung geben kann – in einer Zeit, in der Informationen jederzeit verfügbar sind und traditionelle Autoritäten zunehmend hinterfragt werden.

    Viele Gespräche kreisten um die Frage, wie Schulen junge Menschen dabei unterstützen können, sich in einer zunehmend komplexen Welt zurechtzufinden. Dabei ging es weniger um fertige Antworten als um die Erfahrung, selbst etwas bewirken zu können. Immer wieder wurde deutlich, wie wichtig es ist, Schüler:innen Verantwortung zuzutrauen und sie zu ermutigen, ihre Umwelt aktiv mitzugestalten. Der Austausch mit Kolleg:innen aus anderen Schulen eröffnet dafür neue Perspektiven und hilft, eigene Ideen weiterzuentwickeln.

    Eine Community, die verbindet

    An diesem Punkt setzt das Alumni-Programm des Deutschen Lehrkräftepreises an. Denn mit der Preisverleihung hört die gemeinsame Reise nicht auf. Die Heraeus Bildungsstiftung begleitet die Preisträger auch über die Auszeichnung hinaus und schafft Räume für Austausch, kollegiale Unterstützung und gemeinsames Lernen.

    Viele der Gespräche werden deshalb nicht mit dem Exzellenzcamp enden. Sie werden in unserer Community fortgeführt – dort, wo Lehrkräfte und Schulleitungen jungen Menschen etwas zutrauen.

  • Bildungsdialog in Halle 2026: Mehr Praxis in Schule

    Bildungsdialog in Halle 2026: Mehr Praxis in Schule

    Am 18. Mai kamen im Designhaus Halle, dem Gründungs- und Kommunikationszentrum der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, Entscheider:innen und Vordenker:innen aus Politik, Schule, Kultur und Wissenschaft aus Sachsen-Anhalt zusammen – darunter auch Bildungsminister Jan Riedel. Ziel war es, unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen und miteinander ins Gespräch zu kommen.

    Wie macht Schule handlungsfähig?

    Die Diskussionen des Abends kreisten um die Frage: „Lernen fürs Leben. Wie macht Schule junge Menschen handlungsfähig für eine Arbeitswelt im Wandel?“ 

    Für die Heraeus Bildungsstiftung begrüßten Christine Heraeus und Martin Fugmann die Gäste. Martin Fugmann und Christiane Lohrmann moderierten die Impulse und Fragerunden. 

    Bildung aus unterschiedlichen Perspektiven sehen

    Unserer Einladung gefolgt waren neben Bildungsminister Riedel unter anderem auch Staatssekretär Jürgen Böhm, LISA-Direktor Thomas Schödel, Britta Grahneis von der Handwerkskammer Halle, Franziska Hornig von der Leopoldina, Ludwig Thiede von LifeTeachUs, Lisa Wiedemuth vom Gen Ost Jugendfonds, Michael Fritz von der Initiative Zukunft Bildung und Dirk Zorn von der Bertelsmann Stiftung. 

    Freiräume nutzen – Ressourcen eigenständig einsetzen

    Bildungsminister Riedel betonte die Bedeutung der Menschen vor Ort. Gute Schule entstehe dort, „wo Menschen eigenständige Entscheidungen treffen, Freiräume wahrnehmen und Menschen motivieren“. Politik müsse Voraussetzungen schaffen, die eigenverantwortliches Handeln ermöglichen. In Sachsen-Anhalt sei dies an vielen Stellen bereits möglich, ergänzte Staatssekretär Jürgen Böhm.

    Riedel sieht dabei vor allem die Freiheit von Schulen entscheidend, Ressourcen eigenständig einzusetzen. Zudem sprach er sich dafür aus, Schulen stärker mit ihrem Sozialraum zu vernetzen, Expert:innen von außen einzubinden und so Praxis in Schule zu holen. 

    Schüler:innen beim Erwachsenwerden begleiten

    Ein Beispiel dafür stellte Ludwig Thiede mit LifeTeachUs vor. Das Startup bringt Menschen aus unterschiedlichen Lebensbereichen in Schulen. Sie teilen ihr Praxiswissen und ihre Erfahrungen mit Schüler:innen und begleiten sie beim Erwachsenwerden. „Jeder trägt etwas in sich, das er an Schülerinnen und Schüler weitergeben kann“, sagte Thiede. 

    Lucienne Balke vom Landesschülerrat machte deutlich, dass viele Schüler:innen sich mehr echte Mitgestaltung wünschen. Schule brauche mehr Praxisbezüge und mehr Räume, in denen junge Menschen mitreden und Verantwortung übernehmen können. Beteiligung müsse fester Teil des Schulalltags werden. 

    Auch Lisa Wiedemuth von der Sitftung Bürger für Bürger in Halle stellte den Gen Ost Jugendfonds vor, der junge Menschen darin unterstützt, eigene Ideen umzusetzen und Verantwortung zu übernehmen. 

    Fotos: Max Mendez

    BildungsCampusLeadership

    Gemeinsam mit dem Ministerium für Bildung des Landes Sachsen-Anhalt und dem Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung Sachsen-Anhalt (LISA) realisieren wir den BildungsCampusLeadership Sachsen-Anhalt (BCL).

    Der BCL ist ein innovativer Lern- und Gestaltungsort, um schulische Führungskräfte und Nachwuchskräfte gezielt in ihrer Handlungskompetenz zu stärken. Hier entstehen Räume für Austausch, Reflexion und Vernetzung – Schulleitungen und Lehrkräfte lernen miteinander und voneinander.

    BildungsCampusLeadership

  • Warum Positive Psychologie Schule nachhaltig verändert

    Warum Positive Psychologie Schule nachhaltig verändert

    Mandy Geisler und Sven von der Heyde sitzen an einem Holztisch während des Interviews zum Thema psychologische Sicherheit
    Programmleiterin Mandy Geisler und Traíner Sven von der Heyde

    Im Gespräch erläutern Programmleiterin Mandy Geisler und Trainer Sven von der Heyde, warum dieser Ansatz Schulen stärkt, wie er im Alltag wirkt – und warum er ein tragendes Fundament für nachhaltige Schulentwicklung ist. 

    Was verbindet ihr persönlich mit Positiver Psychologie – und warum ist sie für Schulen relevant? 

    Mandy Geisler:  
    Für mich bedeutet die Umsetzung der Erkenntnisse der Positive Psychologie einen echten Kulturwandel. Schule habe ich häufig als Ort von Leistungsdruck und Stress erlebt – Wohlbefinden spielte dabei oft nur eine Nebenrolle. Dabei ist genau das eine zentrale Voraussetzung für gutes Lernen: eine positive Kultur, in der Kinder und Jugendliche sich sicher fühlen und gern lernen. 

    Ein zweiter Punkt ist für mich der Blick auf Unterrichtsstörungen. Die Antwort darauf ist traditionell die Verstärkung von Ordnung, Routinen und Classroom-Management. Aus meiner Sicht liegt der entscheidende Hebel jedoch in der Prävention: in einer gemeinsam getragenen Basis aus Vertrauen, Beziehung und klaren Werten. Störungsfreien Unterricht wird es nie geben – aber in einer tragfähigen Gemeinschaft treten Störungen seltener auf oder sie werden anders wahrgenommen und konstruktiver bearbeitet. 

    Das Beachten von Elementen der positiven Psychologie setzt genau hier an: nicht bei einzelnen Methoden oder Maßnahmen, sondern bei der Kultur einer Schule – bei den Bedingungen, unter denen Lernen, Entwicklung und Gemeinschaft überhaupt möglich werden. 

    Sven von der Heyde:  
    Schon als Lehrkraft habe immer ich versucht, die Erkenntnisse der Positiven Psychologie für die Gestaltung des Lernens zu nutzen. Entscheidend war für mich dabei auch, dass es  eine wissenschaftliche Grundlage für mein pädagogisches Handeln gibt:  eine positive Atmosphäre schaffen, psychologische Sicherheit geben, Fehlerfreundlichkeit leben. 

    Das Schöne ist: Eine positive Schul- und Lernkultur lässt sich systematisch mit Kollegien entwickeln – und wird so das Fundament für erfolgreiche Schulentwicklung. Die Resonanz ist groß: bei Schulleitungen, Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern und auch bei Eltern. 
    Positive Psychologie ist kein pädagogischer Trend, sondern ein evidenzbasierter Ansatz, der Struktur und Sprache für Schulentwicklung liefert. 

    Was PERMA bedeutet – und warum es Führung in Schule betrifft 

    Die Positive Psychologie geht maßgeblich auf Martin Seligman zurück. Sein Ansatz ergänzt die klassische Psychologie um die Frage: Was brauchen Menschen, um sich zu entfalten – nicht nur, um weniger zu leiden? 

    Das PERMA-Modell beschreibt fünf Faktoren von Wohlbefinden: 

    • P – Positive Emotionen (z. B. Freude, Dankbarkeit, Stolz) 
    • E – Engagement (stärkenorientiertes Arbeiten) 
    • R – Relationships (tragfähige Beziehungen, psychologische Sicherheit) 
    • M – Meaning (Sinnorientierung) 
    • A – Accomplishment (Ziele erreichen, Erfolge sichtbar machen) 

    Mit PERMA-Lead übertrug Dr. Markus Ebner dieses Modell auf Führung. Für die Heraeus Bildungsstiftung meint Führung dabei nicht nur Schulleitung: Auch Lehrkräfte gestalten als Führungspersonen den Lernraum und die Beziehungskultur.  

    Wie lassen sich die fünf PERMA-Säulen auf Schule übertragen? 

    Sven von der Heyde:  
    PERMA ist kein abstraktes Modell, sondern ein Orientierungsrahmen für Führung, Lernen und Zusammenarbeit. 

    • Positive Emotionen lassen sich fördern – nicht nur durch Humor und „Witze erzählen“, sondern durch gezielte Fragen, Strukturen und die Gestaltung von Zusammenarbeit. 
    • Engagement entsteht, wenn der Blick auf Stärken statt Defizite gerichtet wird – auch bei Personaleinsatz und Schulentwicklung. 
    • Relationships brauchen Vertrauen und psychologische Sicherheit: Fehler dürfen sein, Lernen bleibt möglich. 
    • Meaning heißt, das „Warum“ von Schule und Unterricht immer wieder zu klären – gerade in unsicheren Zeiten. 
    • Accomplishment bedeutet, Fortschritte sichtbar zu machen – individuell und als Schulgemeinschaft. Das stärkt Selbstwirksamkeit. 

    Wie stärkt PERMA die Beziehungskultur an Schulen? 

    Sven von der Heyde: 
    Es gibt Hebel, die in vielen Schulen funktionieren. Damit entstehen Vertrauen, Selbstwirksamkeit und eine Kultur, in der Lernen möglich wird. 

    • Im Kollegium: durch kollegiale Beratung, Hospitation und offene Gespräche über Herausforderungen. 
    • Im Unterricht: durch projektorientiertes und fächerübergreifendes Arbeiten und offene Lernformen, die Beziehung ermöglichen. 
    • In der Schulentwicklung: durch das bewusste Sichtbarmachen von Fortschritten und gemeinsam Erreichtem. 

    Wie reagieren die Teilnehmenden in den Seminaren darauf? 

    Sven von der Heyde: 
    Die Resonanz ist sehr positiv, weil die meisten Teilnehmenden eine ausgeprägte wertschätzende Grundhaltung mitbringen. Das PERMA-Lead-Modell gibt ihnen dann ein Framework, mit dem sie systematisch eine positive Lernkultur fördern können. Wichtig ist gleichzeitig die Klarstellung: Positive Psychologie kommt nicht on top. Sie lässt sich mit dem verbinden, was ohnehin geschieht – und kann entlasten, Energie geben und Wirkung verstärken. 

    Die Stiftung setzt mit dem neuen Programm: next:schule – für verbindungsstarke Schulentwicklung auf eine längerfristige Prozessbegleitung. Welche Rolle spielt die Positive Psychologie dabei? 

    Mandy Geisler: 
    Positive Psychologie ist für mich nicht nur ein Baustein dieses Programms, sondern das Fundament. Sie zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Arbeit – auch in der Idee, Schulen zu vernetzen, damit sie gemeinsam wachsen.  
    Damit wird Positive Psychologie zum verbindenden Element zwischen Führung, Lernen und langfristiger Schulentwicklung. 

    Auf den Punkt: Warum brauchen Schulen mehr Positive Psychologie und PERMA? 

    Mandy Geisler:  
    Ich wünsche mir Schulen als „beste Lern- und Lebensorte“ für unsere Kinder und Jugendlichen: Orte, an denen alle, natürlich auch die Lehrkräfte, gerne morgens gehen, wo sie sich alle sicher fühlen, Gemeinschaft erleben, Fehler machen und lernen dürfen. Wenn Menschen gern in Schule gehen, ist die Verbindung zu Lernen und Leistung klar: Dann will man lernen und hat Freude am eigenen Wachstum.  

    Sven von der Heyde: 
    Wir wissen aus der Forschung, dass Positive Psychologie das Wohlbefinden aller Beteiligten steigern kann. Gerade weil psychische Belastungen hoch sind, gehört das zum Auftrag von Schule. Und: Es ist kein Widerspruch zu Leistung, sondern leistungsfreundlich – weil ein positives akademisches Selbstkonzept in Verbindung mit einem Growth Mindset lebenslanges Lernen unterstützen. 

  • Partizipation und Vertrauen stärken Wohlbefinden in Schule

    Partizipation und Vertrauen stärken Wohlbefinden in Schule

    Besonders betroffen sind junge Menschen aus einkommensschwachen Familien. Viele Schüler:innen berichten zudem von hohem Leistungsdruck und dem Gefühl, selbst an Wochenenden lernen zu müssen.

    Eine große Kluft zeigt sich beim Thema Mitbestimmung: Während drei Viertel der Schüler:innen mehr Einfluss auf Unterrichtsthemen oder Prüfungsformate wünschen, geben vier Fünftel an, hier kaum mitreden zu können.

    „Kinder und Jugendliche sind die Expert:innen, wenn es um ihre Anliegen geht. So müssen wir sie auch behandeln“, betont Anna Gronostaj, Bildungsexpertin der Robert Bosch Stiftung. „Wenn Schüler:innen gehört werden wollen, Lehrkräfte aber keinen Bedarf sehen, brauchen wir dringend einen Dialog zwischen den Beteiligten. Echte Partizipation ist kein ‚Nice-to-have‘ – sie ist Grundlage für Wohlbefinden und gelebte Demokratie in der Schule.“

    Wir helfen Schulen, Beziehungskultur und Wohlbefinden zu stärken

    Hier setzen wir mit unseren Angeboten für eine tragfähige Beziehungskultur an.
    Denn Beteiligung gelingt dort, wo Menschen einander vertrauen – und sich selbst etwas zutrauen.

    Mit unserem neuen Programm next:schule vertiefen wir diesen Ansatz in einer Pilotphase mit ausgewählten Schulen. Über zwei Jahre hinweg begleiten wir sie in einem gemeinsamen Lern- und Veränderungsprozess.

    Schulleitungsteams, Lehrkräfte und Schüler:innen – alle gestalten aktiv mit.
    Damit Vertrauen, Beteiligung und Wohlbefinden im Schulalltag wachsen.

  • Lehrkräfte, die bewegen. Menschen, die Schule verändern.

    Lehrkräfte, die bewegen. Menschen, die Schule verändern.

  • Mehr Teilhabe, mehr Begeisterung – unsere Highlights von der didacta 2025

    Mehr Teilhabe, mehr Begeisterung – unsere Highlights von der didacta 2025

    Jan-Martin Wiarda, Amy Kirchhoff, Stefan Ruppaner, Marina Weisband, Sandra Boser und Hartmut Rosa diskutieren über Demokratie an Schulen.

    Mehr Teilhabe, mehr Begeisterung
    Unsere Highlights von der didacta 2025

    Wie wird Schule zu einem Ort, der junge Menschen wirklich begeistert und beflügelt? Wie gelingt es, Teilhabe zu stärken und Schüler:innen mehr Verantwortung zu übertragen? Diese Fragen haben uns auf der didacta 2025 in Stuttgart begleitet – und die Diskussionen, Begegnungen und Impulse haben gezeigt: Veränderung ist möglich, wenn wir sie gemeinsam gestalten.

    Impulse für eine transformative Schulkultur

    In unseren Panels und Workshops haben wir diskutiert, wie Schulaufsicht aktiv Wandel fördern kann, wie Positive Leadership im Klassenzimmer wirkt und wie Demokratie im Schulalltag lebendig wird. Mit dabei waren Persönlichkeiten wie Marina Weisband, Prof. Dr. Hartmut Rosa und Stefan Ruppaner, die uns mit ihren Perspektiven auf eine Schule der Zukunft inspiriert haben. Ihr Fazit: Wer Schule verändern will, muss eine Kultur der Ermöglichung schaffen – mit Mut, Haltung und klarer Vision.

    Startschuss für den Deutschen Lehrkräftepreis 2025

    Ein besonderes Highlight für uns war der Auftakt zur neuen Wettbewerbsrunde des Deutschen Lehrkräftepreises – Unterricht innovativ am 13. Februar 2025. Gemeinsam mit dem Deutschen Philologenverband zeichnen wir vorbildliche Lehrkräfte und Schulleitungen sowie innovative Unterrichtskonzepte aus, die Schule nachhaltig verändern und neue Wege aufzeigen. Besonders gefreut hat uns, dass einige unserer Alumni unserer Einladung gefolgt sind und mit ihren Impulsen das Panel „Ausgezeichnete Lehrkräfte – die Kunst, junge Menschen zu begeistern“ bereichert haben.

    Austausch, Inspiration und neue Perspektiven

    Neben den spannenden Diskussionen war die didacta für uns vor allem eines: eine großartige Gelegenheit, mit engagierten Lehrkräften, Schulleitungen, Schüler:innen und Bildungsakteur:innen ins Gespräch zu kommen. Die vielen Begegnungen haben uns gezeigt, dass es eine starke Bewegung gibt, die Schule anders denken und entwickeln will.

    Mit dieser Energie gestalten wir weiter – für Schulen, die begeistern und Verantwortung leben.