Beitrags-Format: Artikel

  • Gelungener Auftakt der Dialogreihe „Kathinka fragt nach“ in Hanau

    Gelungener Auftakt der Dialogreihe „Kathinka fragt nach“ in Hanau

    Gelungener Auftakt der Dialogreihe „Kathinka fragt nach“ in Hanau

    Drei Zukunftsfragen. Zwei Hanauer Stiftungen. Ein gemeinsames Ziel: Schule so gestalten, dass Kinder und Jugendliche ihre Stärken entfalten und gut auf das Leben vorbereitet sind.

    Kinder sollten mit all ihren Bedürfnissen, Stärken und Potenzialen in den Blick genommen werden. Dazu gehört unter anderem auch die Förderung von Empathie, Beziehungsfähigkeit und Selbstwirksamkeit. Denn positive Beziehungserlebnisse und Zugehörigkeit stärken Wohlbefinden, Motivation und nachhaltiges Lernen. Auch Erfolgserlebnisse in Bereichen wie Theaterspielen stärken Kompetenzen wie Sprache und Kommunikation – ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur Chancengerechtigkeit.

    Vielen Dank an unsere Podiumsgäste:

    • Prof. Dr. Frank E. P. Dievernich, Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt
    • Roswitha Malewski, Schulleiterin der Grundschule Kuppelnau und Preisträgerin beim Deutschen Lehrkräftepreis
    • Dr. Jan Scharf, DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation
    • Miriam Zeleke, Landesbeauftragte für die Förderung und Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in Hessen

    Moderiert wurde der Austausch von Yvonne Backhaus-Arnold vom Hanauer Anzeiger.

    Weitere Veranstaltungen unserer Dialogreihe im Herbst 2026

    Fachkräftemangel, Digitalisierung und neue Arbeitswelten verändern die Anforderungen an junge Menschen.

    Was erwartet die Wirtschaft von schulischer Bildung? Welche Kompetenzen sind gefragt? Und wie können Schule und Wirtschaft besser zusammenarbeiten?

    Auf dem Podium:

    • Lukas Kavermann, Dual Studierender bei Heraeus
    • Martin Lindenau, Schulleiter der Ludwig-Geißler-Schule Hanau
    • Claudia Piechnik, Ausbildungsleiterin bei Heraeus
    • Thomas Sattelberger, MINT-Aktivist und Parlamentarischer Staatssekretär a. D.

    Moderation: Yvonne Backhaus-Arnold, Hanauer Anzeiger

    Wie stellen sich Schüler:innen die Schule der Zukunft vor? Was brauchen sie, um motiviert zu lernen und gut auf das Leben vorbereitet zu sein?

    Schüler:innen der Hohen Landesschule Hanau berichten aus ihrem Pilotprojekt zum selbstgesteuerten Lernen. Sie bringen ihre Erfahrungen, Wünsche und Ideen in die Diskussion ein.

    Auf dem Podium:

    • Daniele Esposito, Head of Google for Education DACH
    • Martin Fugmann, Geschäftsführender Vorstand der Heraeus Bildungsstiftung
    • Jasmin Khader, Lehrerin und Preisträgerin beim Deutschen Lehrkräftepreis
    • Schüler:innen der Hohen Landesschule Hanau

    Moderation: Yvonne Backhaus-Arnold, Hanauer Anzeiger

    Kooperationspartner

  • Cornelsen-Schulleitungsstudie 2026: Zwischen Überlastung und Aufbruch

    Cornelsen-Schulleitungsstudie 2026: Zwischen Überlastung und Aufbruch

    Das sind zentrale Ergebnisse der Cornelsen-Schulleitungsstudie 2026 „Zwischen Überlastung und Aufbruch“. Sie fasst die Einschätzungen von Schulleitungen zu ihren Aufgaben, zentralen Schulleitungsthemen und aktuellen Entwicklungen zusammen.

    Zentrale Ergebnisse

    • 37 % der Schulleitungen sind mit der aktuellen Situation an ihrer Schule zufrieden.
    • 94 % berichten von stetig wachsenden Aufgaben ohne ausreichende Entlastung.
    • 87 % fehlt Zeit für Führung und Gestaltung.
    • 83 % fühlen sich durch Bürokratie ausgebremst.

    Wer wurde befragt?

    • 2.066 Schulleitungen wurden bundesweit befragt.
    • Davon leiten 1.819 eine allgemeinbildende Schule und 247 eine berufsbildende Schule.
    • Zusätzlich wurden 16 leitfadengestützte Interviews geführt.
    • Der Erhebungszeitraum war von Februar bis Juni 2026.
    • Durchgeführt wurde die Studie vom FiBS Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie im Auftrag des Cornelsen Verlags.

    Welche Themen beschäftigen Schulleitungen besonders?

    Allgemeinbildende Schulen:

    • 73 % nennen den Umgang mit Kindern mit herausforderndem Verhalten als wichtigstes Thema.
    • 40 % nennen die Gesundheit aller Schulakteure.
    • 39 % nennen die Personalgewinnung.

    Berufsbildende Schulen:

    • 51 % nennen die Anforderungen durch Künstliche Intelligenz als wichtigstes Thema.
    • 44 % nennen die Personalgewinnung.
    • 43 % nennen die Gewinnung von Schülerinnen und Schülern.

    Wie bewerten Schulleitungen das Startchancen-Programm?

    • 93 % der teilnehmenden Schulleitungen sehen einen Nutzen für die eigene Schule.
    • 82 % nennen Dokumentationspflichten als Hürde für die Umsetzung.
    • 75 % nennen das Antragsverfahren als Hürde.
    • 63 % nennen den Personalmangel als Hürde.
    • 36 % der betroffenen Schulleitungen erwarten, dass an ihrer Schule der Anteil der Kinder, die die Mindestanforderungen in Deutsch und Mathematik noch nicht erreichen, halbiert werden kann.

    Was bedeutet der Ganztagsanspruch für die Grundschulen?

    • 86 % der Befragten sehen im Ganztag vor allem ein Betreuungs- und kein Bildungsangebot.
    • 20 % der Grundschulen halten unter den aktuellen Gegebenheiten eine hochwertige Ganztagsbildung für möglich.
    • Die größten Hürden sind Räumlichkeiten und qualifiziertes Personal.
    • In Ostdeutschland, Berlin und Hamburg werden schon heute mehr als 80 % der Grundschulkinder ganztägig beschult oder im Hort betreut.
    • Im Rest der Republik besteht Aufholbedarf.

    Welche Belastungen prägen den Schulalltag?

    • 88 % der Schulleitungen berichten von psychischen Problemen in der Schülerschaft.
    • 81 % berichten von familiären Herausforderungen.
    • 79 % berichten von sozialen Auffälligkeiten.
    • 74 % berichten von Lernschwierigkeiten.

    Welche Herausforderungen gibt es bei Demokratie und Gewalt?

    • 51 % fühlen sich alleingelassen, wenn es darum geht, demokratische Werte in der Schule zu verteidigen.
    • 50 % berichten von Eltern, die demokratische Werte nicht mittragen.
    • 32 % betonen, dass der Schulalltag durch Gewalt belastet wird.
    • In ländlichen Regionen Ostdeutschlands liegt dieser Anteil bei 65 %.

    Welche Ansätze werden für mehr Lernerfolg genannt?

    • 79 % nennen eine stärkere Förderung von Basiskompetenzen als möglichen Ansatz.
    • 71 % nennen einen besseren Umgang mit der Heterogenität der Schüler:innenschaft.
    • 69 % nennen multiprofessionelle Teams.
    • 61 % nennen eine grundlegende Anpassung der Rahmenlehrpläne.

    Welche Regeln wünschen sich Schulleitungen für Social Media und Smartphones?

    • Schulleitungen wünschen sich klare, rechtssichere Leitplanken.
    • 96 % der Schulleitungen an allgemeinbildenden Schulen befürworten ein Smartphone-Verbot im Unterricht.
    • 91 % befürworten ein ganztägiges Smartphone-Verbot.
    • 92 % wünschen sich mehr Unterstützung beim Thema Cybermobbing.

    Wie bewerten Schulen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz?

    • Schulen wollen Digitalisierung vorantreiben.
    • 78 % sehen den größten Bedarf bei einer nachhaltigen Finanzierung.
    • 72 % sehen den größten Bedarf bei der Fortbildung der Lehrkräfte.
    • 99 % fordern eine medienkritische Begleitung von KI.
    • 78 % fürchten, dass KI eigenständiges Denken der Schüler:innen gefährdet.
    • 30 % erwarten durch den Einsatz von KI mehr Chancengerechtigkeit.

  • next:schule gestartet

    next:schule gestartet

    Aufbruchstimmung im Stiftungshaus in Hanau am 16. September: Das Pilotprogramm next:schule – für verbindungsstarke Schulentwicklung ist gestartet. Sieben hessische Schulen gehen gemeinsam mit unseren Trainer:innen auf eine zweijährige Lernreise. Jede Schule bringt eigene Fragen und Erfahrungen mit. Gemeinsam entwickeln sie daraus ihren eigenen Weg zur Schulentwicklung.

    Zum Auftakt durchliefen die Schulteams zusammen mit den Trainer:innen einen Parcours. Dabei packten sie symbolisch ihren Rucksack für die anstehende Expedition. An verschiedenen Stationen ging es um Beziehungskultur, Partizipation und Wohlbefinden. Die Gespräche und Aufgaben gaben erste Orientierung und machten deutlich, worauf es bei next:schule ankommt: Schulentwicklung kommt in Bewegung, wenn Menschen miteinander ins Handeln kommen.

    Der Tag hat den Schulteams, den Trainer:innen und dem Stiftungsteam spürbar Rückenwind gegeben. In ihren Rucksäcken nehmen sie viele Eindrücke, neue Fragen und erste Ideen für die nächsten Etappen mit.

    Schüler:innen sind mittendrin

    Bei next:schule sitzen Schüler:innen, Lehrkräfte und Schulleitungen gemeinsam im sogenannten Transformationsteam der Schule. Die Schüler:innen bringen ihre Perspektiven, Fragen und Erfahrungen ein. Sie gestalten die Entwicklung ihrer Schulen von Anfang an aktiv mit.

    „Es wird häufig über Schüler:innen gesprochen und viel zu selten mit ihnen gesprochen. Bei next:schule stehen ihre Bedürfnisse im Zentrum. Sie sind ganz aktiv am Veränderungsprozess beteiligt. Dadurch entsteht Selbstwirksamkeit und Verbindung – und das stärkt das Wohlbefinden“, sagt Christine Heraeus, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Heraeus Bildungsstiftung.

    „Wir müssen die Schüler:innen beteiligen“

    Christine Heraeus und Martin Fugmann sprechen über das neue Transformationsprogramm next:schule.

    Für die Teilnahme konnten sich hessische Schulen aus unserem Stiftungsnetzwerk bewerben. Für die Pilotphasen haben wir sieben Schulen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Entwicklungsfragen ausgewählt:

    • Albert-Einstein-Schule Schwalbach am Taunus
    • Freiherr-vom-Stein-Schule Immenhausen
    • Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule Ober-Ramstadt
    • Gymnasium Philippinum Weilburg
    • Integrierte Gesamtschule Solms
    • Joachim-Schumann-Schule Babenhausen
    • Otto-Hahn-Schule Hanau

    Den eigenen Weg entwickeln

    Bei next:schule gibt es kein fertiges Entwicklungsziel. Jede Schulgemeinschaft entscheidet ausgehend von ihrer Situation, woran sie arbeiten möchte. Wir begleiten die Schulen mit gemeinsamen Lernformaten und individueller Prozessbegleitung. Ein datengestütztes Verfahren hilft ihnen, den eigenen Entwicklungsstand zu reflektieren und Fortschritte sichtbar zu machen.

    „Unser Ziel ist, Veränderungen direkt in den Schulen anzustoßen. Wir wollen das weniger dem Zufall überlassen. Deshalb möchten wir gemeinsam mit den Menschen vor Ort eine Verantwortungsgemeinschaft bilden. Über zwei Jahre arbeiten wir daran, beziehungsstarke Schulen zu gestalten“, erklärt Martin Fugmann, geschäftsführender Vorstand der Heraeus Bildungsstiftung.

    Die sieben Schulen werden sich im Netzwerk regelmäßig austauschen und voneinander lernen. Ihre Erfahrungen aus der Pilotphase 2026 bis 2028 fließen in die Weiterentwicklung von next:schule ein.

    Die ersten Schritte sind gemacht. Jetzt beginnt die gemeinsame Arbeit für verbindungsstarke Schulen.

    Netzwerkpartner

  • next:schule: Warum Schulentwicklung starke Verbindungen braucht

    next:schule: Warum Schulentwicklung starke Verbindungen braucht

    Mit next:schule startet die Heraeus Bildungsstiftung ein zweijähriges Pilotprojekt zur Schulentwicklung. Christine Heraeus und Martin Fugmann erklären, warum Teams und Schüler:innenpartizipation im Programm eine zentrale Rolle spielen.  

    Warum braucht es next:schule gerade jetzt?  

    Martin Fugmann:
    Schulen stehen unter einem enormen Druck, und wir erleben Schulleitungen und Teams, die sich Veränderungen herbeisehnen und klare Vorstellungen davon haben, wie sich ihre Schulen entwickeln müssten. Unsere Seminare bestärken sie und vermitteln das methodische Rüstzeug. Gleichzeitig sehen wir, dass es um ein Zusammenspiel geht: von punktuellen Impulsen, individuellem Coaching und der Begleitung von ganzen Teams. Veränderungsbereite Schulen brauchen eine nachhaltige Begleitung als ganze Organisation. Dazu gehören auch die Schüler:innen – nicht nur als Adressaten, sondern als Akteure.  

    Christine Heraeus:
    Viele Schulleitungen und Lehrkräfte spüren, dass der Veränderungsdruck von außen steigt und möchten sich verändern. Dabei brauchen sie längerfristige Unterstützung, die wir ihnen gerne anbieten möchten. 

    Warum ist es so wichtig, die Schüler:innen einzubeziehen? 

    Martin Fugmann:
    Wir sind überzeugt davon, dass eine verbindungsstarke Schule den Unterschied macht. Wenn sich die Bildungsrealität für die Schüler:innen ändern soll, dann müssen wir sie beteiligen. Wir unterstützen sie dabei, sich zu organisieren, ihre Ziele zu klären und diese zu kommunizieren. Dann können sie gemeinsam mit Lehrkräften und Schulleitungen Veränderungen wirksam gestalten. 

    Christine Heraeus:
    Es wird häufig über Schüler:innen gesprochen und viel zu selten mit ihnen gesprochen. Bei next:schule stehen ihre Bedürfnisse im Zentrum. Sie sind ganz aktiv am Veränderungsprozess beteiligt. Dadurch entsteht Selbstwirksamkeit und Verbindung – und das stärkt auch das Wohlbefinden. 

    Martin Fugmann:
    Wir müssen die Realitäten der Kinder und Jugendlichen zum Ausgangspunkt machen. Gerade die Bildungsrealitäten von Kindern aus bildungsfernen Schichten kennen wir oft zu wenig. Dieser Dialog fördert das Lernen auf beiden Seiten. 

    Warum ist die Heraeus Bildungsstiftung die richtige Partnerin für dieses Programm? 

    Martin Fugmann:
    Unser Ziel ist, Veränderungen direkt in den Schulen anzustoßen. Wir wollen das weniger dem Zufall überlassen. Deshalb möchten wir gemeinsam mit den Menschen vor Ort eine Verantwortungsgemeinschaft bilden. Über zwei Jahre arbeiten wir daran, beziehungsstarke Schulen zu gestalten. 
    Ich bin überzeugt, dass wir die Kompetenz haben, um diese Prozesse gut zu gestalten. Wir haben uns gezielt Expertise von erfahrenen Organisationsentwickler:innen in die Stiftung und in das Team geholt. Gemeinsam arbeiten wir nun an einer langfristigen Begleitung. 

    Christine Heraeus:
    Was uns besonders stark macht: Wir tun selbst, was wir von den Schulen erwarten. 
    Wir kennen nicht den einen richtigen Weg, sondern wir begeben uns auf Augenhöhe. Wir sprechen mit den Menschen vor Ort und suchen gemeinsam nach Lösungen. Wir geben den Schulen kein festgelegtes Programm vor, sondern erarbeiten die Veränderung miteinander. 

    Die Schulen werden von Transformationsbegleiter:innen unterstützt. Welche Rolle nehmen sie ein?

    Martin Fugmann:
    Die Transformationsbegleiter:innen arbeiten eng mit den Schulen zusammen. Sie beraten und unterstützen sie. Zugleich fordern sie die Schulen gezielt heraus, damit sieihre Ziele nicht aus den Augen verlieren und den Transformationsprozess voranbringen.
    Die Begleiter:innen sind erfahrene Trainer:innen, mit denen wir bereits seit Langem vertrauensvoll zusammenarbeiten. Sie bringen umfassende Erfahrung in der Persönlichkeits- und Organisationsentwicklung mit.

    Was müssen die Schulen einbringen?

    Christine Heraeus:
    Die Schulen brauchen Offenheit und Commitment für den zweijährigen Prozess. Wichtig ist auch ein gemeinsames Zielbild: An der Schule sollen Beziehungen gestaltet werden. Schulleitung, Kollegium und Schülerschaft sollen miteinander eine große Gemeinschaft werden. Und vor allem sollen die Schüler:innen partizipieren.

    Welche Rolle spielen Widerstände und Rückschläge auf dem Weg der next:schulen?

    Martin Fugmann:
    Uns ist wichtig, die Schulen in einen lebendigen Prozess zu bringen. Wir helfen ihnen, trotz Störungen immer wieder auf ihren Weg zurückzufinden. 

    Christine Heraeus:
    Veränderung ist unheimlich schwierig. Aber sie kann gelingen, wenn man Schwierigkeiten annimmt und gemeinsam weiterdenkt. 
    Das ist wie bei einer Wanderung. Wenn auf dem Weg Kühe stehen, nimmt man eine andere Route, behält aber das Ziel im Blick. Widerstände und Rückschläge können dann etwas Positives sein. 

    Woran erkennt die Stiftung, dass es ein erfolgreicher Prozess war?

    Christine Heraeus:
    Erfolgreich ist der Prozess, wenn Schüler:innen, Lehrkräfte und Schulleitungen gerne in die Schule gehen und Freude am Lernen entwickeln. Sie sollen sich selbstwirksam fühlen und tragfähige Beziehungen aufbauen. 
    Alle sollen willkommen sein und so lernen können, wie sie können. 

    Martin Fugmann:
    Ein wichtiges Zeichen wäre: „Da ist etwas anders geworden. Wir gehen anders miteinander um. Wir fühlen uns mehr gehört.“ Unsere Evaluation soll zeigen, ob sich Beziehungen und der Umgang miteinander verändert haben. 

    Christine Heraeus:
    Idealerweise haben wir uns nach den zwei Jahren obsolet gemacht, weil sich die Schulen zu lernenden Systemen entwickelt haben und sich ohne unsere Begleitung weiterentwickeln. 

    Was sollen andere Schulen von next:schule lernen?  

    Christine Heraeus:
    Andere Schulen sollen sehen: Jede Schule kann sich verändern, völlig unabhängig von ihren Rahmenbedingungen und Voraussetzungen. 

    Martin Fugmann:
    Wir wollen zeigen, welches Handwerkszeug Schulen für nachhaltige Entwicklungsprozesse brauchen – und welche Begleitung sie dabei unterstützt.

    Und was will die Stiftung in den nächsten zwei Jahren lernen? 

    Christine Heraeus:
    Für uns ist es eine große Chance, Schulen direkt zu begleiten und ihnen aufmerksam zuzuhören. So lernen wir, was Schulen brauchen, und können daraus neue, passgenaue Programme entwickeln. 

    Martin Fugmann:
    Wir gewinnen tiefere Einblicke darin, wie Schulleitungen, Lehrkräfte und Schüler:innen in Teams zusammenwirken.

    Bitte ergänzt zum Abschluss den folgenden Satz:
    next:schule ist für die Heraeus Bildungsstiftung…

    Martin Fugmann: …ein neues Lernfeld. 

    Christine Heraeus: …ein Projekt, mit dem wir sieben Schulen in einem Netzwerk dabei begleiten, Orte demokratischer Kultur und gemeinsamer Verantwortung zu werden. Orte, die von einer starken Beziehungskultur getragen werden. 

    Vielen Dank.

  • PISA 2025: Bildungsgerechtigkeit entsteht nicht durch isolierte Einzelmaßnahmen 

    PISA 2025: Bildungsgerechtigkeit entsteht nicht durch isolierte Einzelmaßnahmen 

    Die Leistungen der 15-Jährigen in Deutschland liegen in den drei zentralen PISA-Bereichen ungefähr auf dem OECD-Durchschnitt. Gegenüber 2022 sind sie jedoch erneut gesunken: um sieben Punkte in den Naturwissenschaften, um 15 Punkte im Lesen und um elf Punkte in Mathematik. 

    Noch alarmierender ist der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg. In den Naturwissenschaften liegen sozial privilegierte Schüler:innen in Deutschland 125 Punkte vor sozial benachteiligten Jugendlichen. Im OECD-Durchschnitt beträgt dieser Abstand 85 Punkte. Der sozioökonomische Status erklärt hierzulande 19 Prozent der Leistungsunterschiede – gegenüber 11,6 Prozent im OECD-Durchschnitt. 

    Diese Zahlen sind kein Urteil über einzelne Schüler:innen, Lehrkräfte oder Schulen. Sie verweisen auf die Bedingungen, unter denen junge Menschen lernen. Und sie zeigen uns, dass  Bildungsgerechtigkeit keine zusätzliche Aufgabe neben Unterricht und Schulentwicklung ist, sondern zum Maßstab unseres Handelns werden muss. 

    Viele wirksame Ansätze sind bekannt. Es fehlt jedoch häufig an Verbindlichkeit, Prioritäten, verlässlichen Strukturen und der Kraft, Erkenntnisse gemeinsam und dauerhaft in veränderte Praxis zu übersetzen. 

    Die entscheidende Frage lautet deshalb:  

    Wie gestalten wir Schule und Unterricht so, dass die soziale Herkunft weniger stark über Zukunft entscheidet? 

    Fünf Voraussetzungen für gerechteres und wirksameres Lernen

    Gerechtere Bildung entsteht dort, wo die Akteure Verantwortung übernehmen und ihre Wirkung bewusst reflektieren. Lehrkräfte und Schulleitungen prägen jeden Tag, wie junge Menschen Lernen erleben, ob Sie sich Ihrer Potenziale bewusst sind und ob sie sich als wirksam erfahren. 

    Persönlichkeitsentwicklung ist deshalb kein Zusatz zur professionellen Qualifizierung, sondern deren Voraussetzung. Wer sich selbst Ziele setzt, die eigene Haltung, das eigene Handeln und die eigenen Erwartungen reflektiert, kann Lernprozesse bewusster gestalten, klarer führen und angemessener auf unterschiedliche Bedürfnisse reagieren. 

    Das betrifft auch die Selbststeuerung der Schüler:innen. Nach den PISA-Ergebnissen plant nur etwa ein Drittel der Jugendlichen häufig das eigene Vorgehen beim Lernen. Junge Menschen benötigen daher Lerngelegenheiten, in denen sie Ziele setzen, Entscheidungen treffen, Rückmeldungen nutzen und ihren Lernweg reflektieren können. 

    Dabei darf Persönlichkeitsentwicklung strukturelle Benachteiligung nicht zur individuellen Verantwortung erklären. Sie beseitigt keine ungleichen Ausgangsbedingungen. Sie stärkt aber die Menschen, die diese Bedingungen verändern können. 

    Bildungsgerechtigkeit darf nicht von der Lage der Schulen im Quartier, vom besonderen Engagement von Schulleitungen und einzelner Lehrkräfte abhängen. Damit gute Praxis nicht zufällig bleibt, braucht es strategische und lernwirksame Führung.   

    Wirksame Schulleitung schafft Orientierung, verständigt sich mit der Schulgemeinschaft auf wenige gemeinsame Ziele und sorgt dafür, dass Verantwortung geteilt wird. Sie ermöglicht Zusammenarbeit und macht transparent, woran Fortschritt erkannt werden soll. 

    Dazu gehört auch der Mut zur Deimplementierung. Schulen leiden häufig nicht an einem Mangel an Projekten, sondern an einer Überfülle gleichzeitig verfolgter Vorhaben. Jede neue Maßnahme bindet Zeit, Aufmerksamkeit und Kraft. Deshalb muss regelmäßig gefragt werden: Was trägt tatsächlich zu besserem Lernen und gerechteren Chancen bei? Was kann beendet werden? 

    Führung bedeutet in diesem Sinne nicht, Veränderung von oben anzuordnen. Leadership entwickelt gemeinsame  Bilder für zukünftiges Lernen. Es gestaltet Lernen so, dass Verantwortungsübernahme ermöglicht wird und konsequent auf die vereinbarten Ziele einzahlt. 

    Wer mehr Bildungsgerechtigkeit erreichen will, muss danach fragen, wie Schüler:innen Schule tatsächlich erleben. Fühlen sie sich gesehen? Werden ihre Perspektiven ernst genommen? Erfahren sie, dass sie dazugehören und etwas bewirken können? 

    Tragfähige Beziehungen schaffen Vertrauen, Orientierung und psychologische Sicherheit. Sie ermöglichen ehrliches Feedback, aktive Beteiligung und die Bereitschaft, sich auf anspruchsvolle Lernprozesse einzulassen. Beziehung ist deshalb nicht nur eine Frage des Schulklimas, sondern eine Voraussetzung für fachliches und überfachliches Lernen. 

    Die Stimmen der Schüler:innen liefern dabei unverzichtbare Hinweise auf die Wirkung von Schule. Junge Menschen dürfen nicht lediglich Adressat:innen von Schulentwicklung sein. Sie müssen an ihr beteiligt werden. 

    Zugehörigkeit entsteht jedoch nicht in isolierten Kontexten und Maßnahmen. Sie zeigt sich im Unterricht, in der Feedbackkultur, in Entscheidungen und im täglichen Umgang miteinander. Damit ist sie eine gemeinsame Aufgabe der gesamten Schulgemeinschaft. 

    Gerechtere Bildung verlangt langfristige und anspruchsvolle Entwicklungsprozesse. Diese können nur gelingen, wenn die beteiligten Menschen dauerhaft handlungsfähig bleiben. 

    Die psychische und physische Gesundheit von Lehrkräften, Schulleitungen und Schüler:innen ist deshalb kein nachgeordnetes Thema. Sie hängt unmittelbar mit Führung, Arbeitsorganisation, Zusammenarbeit und Beteiligung zusammen. 

    Verbindlich verlässliche Strukturen, klare Prioritäten und gesundheitsorientierte Führung reduzieren nicht nur Belastungen. Sie schaffen Freiräume für pädagogische Arbeit, stärken Beziehungen und erhöhen die Fähigkeit, auf unterschiedliche Lernbedürfnisse einzugehen. 

    Wer Überforderung dauerhaft hinnimmt, gefährdet auch die Qualität von Lernen und Schulentwicklung. Wer Gesundheit fördert, stärkt die Voraussetzungen dafür, dass Menschen Verantwortung übernehmen und Veränderung gestalten können. 

    PISA 2025 nimmt mit dem computergestützten Problemlösen auch die Fähigkeit in den Blick, in digitalen Umgebungen selbstständig zu lernen und komplexe Aufgaben zu bearbeiten. 

    Digitale Werkzeuge und Künstliche Intelligenz können Lernwege öffnen, Rückmeldungen erleichtern und individuelle Unterstützung ermöglichen. Sie schaffen jedoch nicht automatisch besseren oder gerechteren Unterricht. 

    Entscheidend ist nicht, ob Technologie eingesetzt wird, sondern welchem pädagogischen Zweck sie dient: Hilft sie Schüler:innen, Probleme zu lösen? Fördert sie kritisches Denken? Unterstützt sie Selbststeuerung und eigenständiges Urteilen? Ermöglicht sie Teilhabe – oder verstärkt sie bestehende Unterschiede? 

    Die pädagogische Verantwortung bleibt bei den Menschen in Schule. Technologie kann gute Pädagogik unterstützen. Sie kann sie nicht ersetzen. 

    Von den Ergebnissen zum gemeinsamen Handeln

    Aus PISA dürfen nicht einfach neue Programme entstehen. Nötig sind vielmehr kohärente Entwicklungsprozesse. 

    Schulen sollten gemeinsam klären, welche Herausforderungen für ihre Schüler:innen besonders relevant sind und welches Ziel sie mit Priorität verfolgen. Lernende, Lehrkräfte und Eltern müssen an dieser Verständigung beteiligt werden. Kollegien benötigen Zeit, um gemeinsam zu lernen, Erfahrungen auszuwerten und Unterricht weiterzuentwickeln. Bestehende Vorhaben sollten konsequent auf ihren tatsächlichen Beitrag zu besseren Lernbedingungen geprüft werden. 

    Schulen können diese Aufgabe jedoch nicht allein bewältigen. Bildungsadministration und Schulträger müssen langfristige Entwicklung ermöglichen, statt immer neue, voneinander isolierte Maßnahmen zu initiieren. Dazu gehören verlässliche Ressourcen, größere Gestaltungsspielräume, zunehmend autonome Strukturen und Unterstützung, die sich an den konkreten Herausforderungen der einzelnen Schule orientiert. 

    Die Heraeus Bildungsstiftung begleitet Schulen und Führungskräfte auf diesem Weg. Wir stärken Persönlichkeiten, fördern verbindungsstarke Führung, bündeln Wissen und machen Erfahrungen für andere nutzbar. Dabei geht es nicht um Patentrezepte. Es geht darum, gemeinsam zu lernen, Verantwortung zu übernehmen und aus Erkenntnissen wirksame Praxis werden zu lassen. 

    PISA zeigt, wo die Herausforderungen liegen. Die Konsequenz daraus muss mehr sein als ein weiteres Programm. Gerechtere Bildung entsteht dort, wo Schulen klare Ziele verfolgen, Beziehungen stärken, Beteiligung ermöglichen und ihre Kräfte auf das konzentrieren, was für junge Menschen wirklich zählt. 

  • Sommerakademie für Schulleitungen in Baden-Württemberg 2026

    Sommerakademie für Schulleitungen in Baden-Württemberg 2026

    Wie gelingt Führung, wenn Schule Lernen konsequent aus der Perspektive der Schüler:innen denkt? Darum ging es bei der Sommerakademie für Schulleitungen vom 1. bis 3. September 2026 in Bad Wildbad. 

    Seit 2020 gestalten Heraeus Bildungsstiftung und Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung Baden-Württemberg (ZSL) die Sommerakademie gemeinsam. Das Programm verbindet wissenschaftliche Perspektiven, den Austausch mit Bildungspolitik und die konkrete Arbeit am eigenen Führungshandeln. 

    Führung trägt Verantwortung für Lernen 

    Gemeinsam mit ZSL-Präsident Prof. Dr. Thomas Riecke-Baulecke eröffnete Martin Fugmann, Geschäftsführender Vorstand der Heraeus Bildungsstiftung, die Sommerakademie. 

    In seinem Grußwort rückte er die Wirkung von Führung auf das Lernen der Schüler:innen ins Zentrum: 

    „Wer Schule führt, führt eben nicht nur eine Organisation. Er oder sie trägt Verantwortung für die Qualität des Lernens. Die entscheidenden Fragen lauten deshalb nicht nur: Haben wir unsere Prozesse gut organisiert? Sondern: Lernen unsere Schülerinnen und Schüler besser? Können unsere Lehrkräfte wirksamer arbeiten? Lernen wir als Kollegium miteinander?“ 

    Schule von den Schüler:innen her zu denken bedeutet damit auch, Führung aus ihrer Perspektive zu gestalten und gute Bedingungen für ihr Lernen zu schaffen. 

    Lernen und Lehren in der digitalen Transformation 

    Prof. Dr. Ulrike Krein setzte Schlaglichter auf Lernen und Lehren in der digitalen Transformation. Lernen beschrieb sie als kritische Auseinandersetzung mit Wissen, Technik und Deutungen. Zugleich gewinnt das „Lernen lernen“ an Bedeutung – mit Selbstregulation, Motivation und Metakognition. 

    Krein plädierte dafür, mit Technologie zu arbeiten, anstatt sie lediglich zu nutzen. Für Lehrkräfte und schulische Führung rücken damit die Gestaltung von Bildungsräumen und Lerngelegenheiten sowie der kritische Umgang mit externen Anforderungen in den Fokus. Auch die Entgrenzung von Arbeit und Freizeit nahm sie in den Blick. 

    Selbstregulation als „Superpower“ 

    Prof. Dr. Ulrich Trautwein stellte Selbstregulation als Leitperspektive im Bildungssystem vor. Er beschrieb sie als „Superpower“: die Fähigkeit, Denken, Fühlen und Handeln so zu steuern, dass eigene Ziele verfolgt werden können. 

    Damit geht es um mehr als eine Lerntechnik. Es geht auch darum, Schüler:innen zunehmend Verantwortung für ihr eigenes Lernen zu ermöglichen. 

    Austausch mit Kultusminister Andreas Jung 

    Christine Heraeus und Martin Fugmann trafen Baden-Württembergs Kultusminister Andreas Jung zum Gespräch. Dabei ging es auch um die Rolle von Schulleitungen für gelingendes Lernen und Schulentwicklung.

    Anschließend nahm sich der Minister viel Zeit für den direkten Austausch mit den Schulleitungen. Sie brachten eigene Erfahrungen, Fragen und Perspektiven ein.

    Vom Impuls in die Führungspraxis 

    Am zweiten Tag stand die Frage im Mittelpunkt, wie aus den neuen Perspektiven konkretes Führungshandeln werden kann. Gemeinsam mit Trainer:innen der Heraeus Bildungsstiftung arbeiteten die Teilnehmenden praxisnah daran, was lernwirksame Führung im schulischen Alltag bedeutet. 

    Dabei betrachteten sie Lernen auf drei miteinander verbundenen Ebenen:

    • das Lernen der Schulleitung,
    • das Lernen im Kollegium und
    • das Lernen der Schüler:innen.

    Hierfür wurden vier zentrale Themen in den Blick genommen:

    • die Auswirkungen von Haltung und Verhalten von Führungskräften auf die Lernkultur,
    • kollegiale Prozesse für den Lernerfolg von Schüler:innen,
    • Kriterien für gelingendes Lernen sowie
    • wirksame Hebel, die Schulleitungen selbst in der Hand haben. 

    Mit kurzen fachlichen Impulsen, vielfältigen Arbeitsformen und gezielten Reflexionsfragen überprüften die Teilnehmenden die Erkenntnisse an ihrer eigenen Praxis. Sie setzten sich damit auseinander, wie ihr Führungshandeln Unterrichtsentwicklung, Zusammenarbeit im Kollegium und die Schule als lernende Organisation beeinflusst. 

    Ein besonderer Blick galt dem Kollegium als professioneller Lerngemeinschaft: Wie kann Zusammenarbeit so gestaltet werden, dass gemeinsames Lernen, Verantwortung und kollektive Selbstwirksamkeit wachsen? 

    Im World-Café wechselten die Schulleitungen konsequent die Perspektive und fragten: Was brauchen Schülerinnen und Schüler, damit Lernen gelingt und sie sich in Schule wohlfühlen? Evidenzbasierte Erkenntnisse zu wirksamem Lernen trafen dabei auf konkrete Erfahrungen und Beispiele aus der schulischen Praxis. 

    Führung daran messen, was sie für Lernen ermöglicht 

    Bei der Sommerakademie haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete Impulse für die Führungspraxis zu übersetzen. Entscheidend ist dabei, was Führung für das Lernen ermöglicht: Welche Schulkultur entsteht? Wie arbeiten Menschen miteinander? Welche Verantwortung können sie übernehmen? Und welche Bedingungen finden Schüler:innen vor, um gut zu lernen und sich zu entwickeln? 

  • BildungsCampus Leadership Sachsen-Anhalt: Hohe Akzeptanz bei schulischen Führungskräften

    BildungsCampus Leadership Sachsen-Anhalt: Hohe Akzeptanz bei schulischen Führungskräften

    BildungsCampus Leadership Sachsen-Anhalt:
    Hohe Akzeptanz bei schulischen Führungskräften 

    Fast jede dritte Schulleitung nutzt den BildungsCampus Leadership Sachsen-Anhalt

    317 schulische Führungskräfte nahmen im Schuljahr 2025/26 am BildungsCampus Leadership teil. Das entspricht rund 30 Prozent aller Schulleitungen in Sachsen-Anhalt. Etwa 100 Teilnehmende kamen aus Grundschulen. Dabei nahmen die meisten Personen mehr als ein Angebot wahr. Insgesamt wurden mehr als 900 Veranstaltungsteilnahmen gezählt.

    Führung beginnt bei der eigenen Haltung

    Das Programm des BildungsCampus Leadership beinhaltet die aktive Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle: Wie möchte ich führen? Welche Haltung leitet mich? Wie kommuniziere ich? Wie übernehme und teile ich Verantwortung?

    Die Teilnehmenden der entsprechenden Module berichten von einem neuen Selbstverständnis und einem gestärkten Bewusstsein für die eigene Führungshaltung.

    Hohe Praxisrelevanz der Themen

    Auch die Praxisnähe der Angebote wird hoch bewertet: 93 Prozent finden, dass die Angebote für ihre berufliche Praxis relevant waren. Besonders anschlussfähig sind Themen wie Schulentwicklung, Personalführung, Gesundheit, Kommunikation und Kooperation. Je nach Modul würden rund 90 Prozent der Teilnehmenden das Angebot weiterempfehlen.

    Schulentwicklung braucht die Systemperspektive

    Beim „CampusDialog“ kommen unter anderem Schulleitungen und Schulaufsicht miteinander ins Gespräch. Diese Vernetzung hat sich im ersten Jahr als sehr wertvoll erwiesen. 92 Prozent der Teilnehmenden befürworteten eine zukünftige gemeinsame Teilnahme beider Gruppen.

    Die Erfahrungen aus dem ersten Jahr zeigen:  

    • Wirksame Führungskräfteentwicklung stärkt nicht nur einzelne Personen, sondern schafft Voraussetzungen dafür, dass Führungskräfte im Schulalltag Orientierung geben, Verantwortung teilen und im Team Veränderungen gemeinsam gestalten.
    • Schulentwicklung hängt wesentlich davon ab, wie Führung verstanden und gelebt wird und wie Teams miteinander arbeiten.
    • Das Programm motiviert zu Kooperation und Arbeiten in Netzwerken mit verschiedenen Akteuren im Bildungssystem.

    An dieses Verständnis knüpft die Heraeus Bildungsstiftung mit ihrem Kompetenzfeld Leadership in Schule an: Führung wird als Haltung verstanden, die Menschen stärkt, Zusammenarbeit ermöglicht und Entwicklung in Schule und Bildungssystem unterstützt.

    Über den BildungsCampus Leadership

    Dieses landesweite Angebot realisieren wir gemeinsam mit dem Ministerium für Bildung des Landes Sachsen-Anhalt und dem Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung Sachsen-Anhalt (LISA).

    Der BildungsCampus verbindet Qualifizierung, Reflexion, Erprobung und Vernetzung. Schulleitungen und Lehrkräfte lernen miteinander und voneinander. 

    Dafür stehen vier Formate:

    • ThemenCampus: intensive Auseinandersetzung mit einem ausgewählten Führungsthema – mit Vorbereitung, zwei Präsenztagen und Transferphase. 
    • Praxismodul: Training konkreten Führungshandelns anhand authentischer Situationen aus dem Schulalltag. 
    • Campus+: überregionales, multiprofessionelles Format zu Querschnittsthemen, Schulentwicklung und aktuellen bildungspolitischen Herausforderungen. 
    • CampusDialog: Dialog- und Arbeitsraum für Schulaufsicht und weitere Akteure des Bildungssystems. 

    Gemeinsam weiterdenken

    Die Bilanz nach dem ersten Jahr ist eine Zwischenaufnahme. Sie zeigt aber bereits deutlich, dass die Elemente Praxisnähe, Reflexion und Vernetzung für die Weiterentwicklung des BildungsCampus eine hohe Relevanz haben.

    Damit folgt der BildungsCampus selbst einem Prinzip, das auch für gute Führung gilt: Erfahrungen sammeln, gemeinsam reflektieren und daraus die nächsten Schritte entwickeln.

    Klausurtagung von Heraeus Bildungsstiftung und LISA in Hanau

  • Anmeldung zur Diskussionsreihe „Kathinka fragt nach“ in Hanau

    Anmeldung zur Diskussionsreihe „Kathinka fragt nach“ in Hanau

    Diskussionsreihe „Kathinka fragt nach“ 
    Was muss Schule heute leisten?

    Drei Zukunftsfragen. Zwei Hanauer Stiftungen. Ein gemeinsames Ziel: Schule so gestalten, dass Kinder und Jugendliche ihre Stärken entfalten und gut auf das Leben vorbereitet sind.

    Gemeinsam mit der Kathinka Platzhoff Stiftung lädt die Heraeus Bildungsstiftung in diesem Herbst zu drei Diskussionsabenden in Hanau ein.

    Lehrkräfte, Schulleitungen, Schüler:innen und Expert:innen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Stiftungen kommen bei der beliebten Veranstaltungsreihe „Kathinka fragt nach“ miteinander ins Gespräch.

    Seien Sie dabei und diskutieren Sie mit uns.

    Schule soll allen Kindern gleiche Chancen bieten. Doch soziale Herkunft, Sprache und individuelle Bedürfnisse beeinflussen den Bildungserfolg stärker, als sie sollten.

    Wie können Integration und individuelle Förderung gelingen? Was brauchen Kinder, um ihre Potenziale zu entfalten?

    Auf dem Podium:

    • Prof. Dr. Frank E. P. Dievernich, Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt
    • Roswitha Malewski, Schulleiterin der Grundschule Kuppelnau und Preisträgerin beim Deutschen Lehrkräftepreis
    • Dr. Jan Scharf, DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation
    • Miriam Zeleke, Landesbeauftragte für die Förderung und Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in Hessen

    Moderation: Yvonne Backhaus-Arnold, Hanauer Anzeiger

    Diese Veranstaltung hat bereits stattgefunden.

    Fachkräftemangel, Digitalisierung und neue Arbeitswelten verändern die Anforderungen an junge Menschen.

    Was erwartet die Wirtschaft von schulischer Bildung? Welche Kompetenzen sind gefragt? Und wie können Schule und Wirtschaft besser zusammenarbeiten?

    Auf dem Podium:

    • Lukas Kavermann, Dual Studierender bei Heraeus
    • Martin Lindenau, Schulleiter der Ludwig-Geißler-Schule Hanau
    • Claudia Piechnik, Ausbildungsleiterin bei Heraeus
    • Thomas Sattelberger, MINT-Aktivist und Parlamentarischer Staatssekretär a. D.

    Moderation: Yvonne Backhaus-Arnold, Hanauer Anzeiger

    Wie stellen sich Schüler:innen die Schule der Zukunft vor? Was brauchen sie, um motiviert zu lernen und gut auf das Leben vorbereitet zu sein?

    Schüler:innen der Hohen Landesschule Hanau berichten aus ihrem Pilotprojekt zum selbstgesteuerten Lernen. Sie bringen ihre Erfahrungen, Wünsche und Ideen in die Diskussion ein.

    Auf dem Podium:

    • Daniele Esposito, Head of Google for Education DACH
    • Martin Fugmann, Geschäftsführender Vorstand der Heraeus Bildungsstiftung
    • Jasmin Khader, Lehrerin und Preisträgerin beim Deutschen Lehrkräftepreis
    • Schüler:innen der Hohen Landesschule Hanau

    Moderation: Yvonne Backhaus-Arnold, Hanauer Anzeiger

    Kooperationspartner

  • „Es bringt nichts, nur mehr vom Gleichen zu machen“ 

    „Es bringt nichts, nur mehr vom Gleichen zu machen“ 

    Portraitfoto von Roswitha Malewski
    Roswitha Malewski

    Geht nicht, gibt’s nicht – so beschreiben die Kolleg:innen von Roswitha Malewski die Haltung ihrer Schulleiterin. Die Rektorin der Grundschule Kuppelnau in Baden-Württemberg wurde 2025 mit dem Deutschen Lehrkräftepreis ausgezeichnet – auf Empfehlung ihres Teams.

    Frau Malewski, Sie sind offiziell eine „vorbildliche Schulleitung“: Was heißt das denn für Sie, Schulleiterin zu sein? 

    Roswitha Malewski: Puh, erst mal bedeutet Schulleiterin zu sein eine sehr große Umstellung. Darauf bereitet einen das Lehramtsstudium nicht vor, und eine Ausbildung zur Schulleitung gibt es ja auch nicht. Wenn man dann Schulleitung ist, bekommt man zwar Unterstützung in Form von verschiedenen Modulen, aber das meiste lernt man, indem man es einfach macht.

    Insgesamt sind Sie nun schon seit zehn Jahren als Schulleiterin tätig. Was gab damals den Ausschlag für den Wechsel?

    Tatsächlich bin ich zuerst vom Lehrerinnendasein in die Fortbildung gewechselt. Damals gab es in Baden-Württemberg den großen Aufbruch rund um die Gemeinschaftsschulen und den Schulstrukturveränderungen. Da wollte ich gern dabei sein und habe Schulen beraten. So habe ich unheimlich viele Schulen kennengelernt und gesehen, was gut läuft. Immer mal wieder habe ich gedacht: „Ach, das könnte ich auch“ oder „Das würde ich als Schulleiterin so und so machen“.

    Als dann die damalige Schulleitung meiner jetzigen Schule in den Ruhestand gegangen ist, dachte ich: Das ist der Moment, noch mal etwas anderes zu machen – und irgendwie hat das geklappt.

    In der Nominierung für den Deutschen Lehrkräftepreis, die Ihr Kollegium verfasst hat, wird deutlich, wie viel Wert Sie als Schulleiterin auf Partizipation legen. Eltern, Schüler:innen, Lehrkräfte – alle können sich beteiligen, etwa über Arbeitsgemeinschaften, Fördervereine oder Beiräte. Warum ist Ihnen das so wichtig?  

    Eine Schule kann man niemals allein leiten, das ergibt überhaupt keinen Sinn. Schule ist wie ein sehr träger Tanker, eine einmal eingeschlagene Richtung lässt sich nicht so schnell verändern. Deshalb ist es sinnvoll, die Menschen mitzunehmen.

    Die Partizipationsmöglichkeiten erstrecken sich bei Ihnen an der Schule auch auf den Bereich der Schulentwicklung. Warum muss sich Schule weiterentwickeln? 

    In vielen Punkten ist Schule noch so, wie man sie sich um die Jahrhundertwende vorgestellt hat – und zwar die vor 120 Jahren, nicht die vor 20. Aber Kinder haben sich verändert, die Gesellschaft hat sich verändert, Eltern haben sich verändert, also muss Schule sich ebenfalls verändern.

    Die PISA-Ergebnisse sind schlecht, die Vera-Ergebnisse sind schlecht. Und trotzdem doktern wir immer nur im Klein-Klein herum: hier noch eine Förderstunde, dort noch zusätzlicher Matheunterricht. Ich glaube, man müsste das viel größer denken. Man müsste von den Besten lernen – und nicht nur ins Ausland fahren, sich das anschauen und dann sagen: „Ja, interessant, aber wir lassen lieber alles so, wie es ist.“

    Kultuspolitik ist natürlich schwierig, weil Bildung Ländersache ist und deshalb alles sechzehnmal unterschiedlich geregelt wird. In meinen Augen ergibt das aber überhaupt keinen Sinn.

    Wenn Sie die Möglichkeit hätten, das Bildungssystem zu verändern – wo würden Sie als Erstes ansetzen?

    Ich würde erst mal die Vielfalt der vielen verschiedenen Schularten reduzieren und die Kinder länger gemeinsam lernen lassen, bis zur 8. oder 9. Klasse. Danach könnten sie selbst entscheiden, wie es weitergeht. Außerdem würde ich viel stärker die Bereiche in den Mittelpunkt stellen, die immer gekürzt werden: Sport, Kunst, Theater – all das, was Kinder brauchen.

    Natürlich sind Lesen, Schreiben und Rechnen elementar wichtig. Aber es bringt nichts, immer nur mehr vom Gleichen zu machen. Ein Kind lernt doch auch, sich auszudrücken, zu lesen und zu schreiben, wenn es beispielsweise Theater spielt, Briefe verfasst oder mit alten Menschen in Kontakt kommt.

    Gerade diesen kulturellen Bereich haben Sie an Ihrer Schule stark ausgebaut, durch das Theaterprofil. Wie hat sich Schule dadurch verändert?

    Ein Theaterprojekt gab es an der Schule tatsächlich schon, als ich vor zehn Jahren Schulleiterin geworden bin. Um die Ecke steht ein kleines städtisches Theater, dessen Theaterpädagoginnen schon damals ein Projekt mit unseren Zweitklässlern organisierten. Sechs Wochen lang arbeiteten sie mit den Kindern an einer eigenen Aufführung, die zum Abschluss im Theater präsentiert wurde. Das war natürlich großartig – die Eltern kamen ins Theater und sahen ihre Kinder auf der Bühne.

    Dann hatten wir das Glück, eine Kollegin zu bekommen, die Theaterpädagogin ist und selbst am Theater arbeitet. Gemeinsam haben wir das Theaterprofil aufgebaut. Jetzt wird schon in Klasse 1 Theater gespielt, in Klasse 2 folgt das erwähnte Projekt mit dem Theater Ravensburg und in Klasse 3 und 4 haben die Kinder jede Woche zwei Stunden Theaterunterricht fest im Stundenplan verankert. Das ist keine freiwillige AG, sondern regulärer Unterricht.

    Theater heißt daher bei uns nicht: Kostüme anziehen und Dornröschen spielen. Die Kinder entwickeln eigene Stücke, machen Improtheater, bespielen das ganze Schulhaus, erstellen Podcasts – das ist unglaublich vielfältig. Und das macht so viel mit den Kindern. Weiterführende Schulen sagen uns oft, dass unsere Kinder sich unglaublich gut ausdrücken und präsentieren können und selbstbewusst auftreten.

    Inwiefern passt dieser Schwerpunkt zu Ihrer Forderung, dass Schule sich verändern muss? Also: Was muss Schule Kindern heute bieten, um sie gut auf das Leben vorzubereiten?

    Ich glaube ehrlich gesagt gar nicht, dass wir Kinder auf das konkrete Leben vorbereiten können, das sie erwartet, weil sich alles so schnell verändert – Stichwort KI. Von daher ist es sinnvoller, Kinder so zu stärken, dass sie selbstbewusst sind, Dinge hinterfragen können, wissen, wo sie etwas nachschauen und wem sie vertrauen können – gerade im Netz. Hinzu kommt, dass sie lernen sollten, wie sie Beziehungen aufbauen, im Team arbeiten und ihr Wissen flexibel auf Probleme anwenden können.

    Sie selbst versuchen ja schon, Schule entsprechend zu verändern. Wie groß sind die Einflussmöglichkeiten einer Schulleitung? 

    Nach zehn Jahren als Schulleiterin muss ich leider feststellen, dass die eher gering sind – zumindest, wenn es um grundsätzliche Fragestellungen geht. Was ich aber in meiner Position sehr stark beeinflussen kann, ist die Atmosphäre an der Schule. Wenn ich als Schulleiterin die Kinder mag, die Eltern und Kolleginnen mag und einfach gerne hierherkomme, dann macht das etwas mit der Schule. Heute Morgen kam eine Schülerin und hat mich gleich umarmt, als ich mit dem Fahrrad auf den Schulhof gefahren bin. Früher hätte doch niemand seine Schulleiterin umarmt. Niemals.

    Für die Kinder ist diese vertrauensvolle Atmosphäre aber selbstverständlich. Genauso selbstverständlich kommen sie zu mir ins Büro, wenn sie ein Pflaster oder ein Kühlpack brauchen. Ich laufe mit Kindern auch nach Hause, wenn sie nicht abgeholt werden, oder hole sie morgens ab, wenn sie niemand bringt. An diesen Punkten kann ich aktiv ansetzen.

    Was ich nicht verändern kann, ist die Kultuspolitik. Da bleibt einem nur, selbst politisch oder gewerkschaftlich aktiv zu sein. Aber das ist zäh; es geht immer wieder vor und zurück.

    Wir als Schule beteiligen uns zum Beispiel am Schulversuch „Lernförderliche Leistungsrückmeldung“. Das heißt, wir haben uns entschieden, auf Noten zu verzichten und stattdessen Rückmeldungen zu den Kompetenzen der Kinder zu geben. Durch die Einführung der teilweise verbindlichen Grundschulempfehlung und den damit verbundenen Tests liegt der Fokus aber wieder stärker auf Noten. Das bestätigt wiederum die Eltern, die ohnehin lieber Noten hätten, weil sie die für aussagekräftiger halten als eine Rückmeldung darüber, was ein Kind konkret kann.

    Deutscher Lehrkräftepreis: Im Februar 2026 erhielt Roswitha Malewski (m.) den 2. Platz in der Kategorie „Ausgezeichnte Schulleitung“. Simone Oldenburg (l.) und Alexandra Heraeus (r.) überreichten den Preis.

    Das konterkariert den Schulversuch natürlich. 

    Ja, genau. Solche Veränderungen sind unglaublich zäh, besonders, wenn ein Ministerium nicht mutig genug ist zu sagen: „Wir führen das landesweit ein“, sodass einzelne Schulen nicht allein auf verlorenem Posten mit den Eltern diskutieren müssen.

    Und wenn Eltern unbedingt eine bestimmte Schule für ihr Kind wollen, dann wird plötzlich um jede Zehntelnote gekämpft. Dabei kennen die Lehrerinnen und Lehrer die Kinder doch eigentlich sehr gut und können sie einschätzen. Aber solange diese Drei-, Vier- oder Fünfgliedrigkeit im Schulsystem existiert und die weiterführenden Schulen unterschiedlich bewertet werden, bleibt dieser Druck bestehen. Ein Gymnasium gilt immer noch als „besser“ als eine Realschule oder Gemeinschaftsschule. Das macht alles unglaublich schwierig.

    Trotzdem versuchen Sie, Schule zu verändern – ein Aspekt, den auch Ihr Kollegium sehr schätzt. In der Nominierung zum Deutschen Lehrkräftepreis beschreibt Ihr Team Sie etwa als „Ermöglicherin“ mit der Grundhaltung „geht nicht, gibt’s nicht“. Was bedeutet Ihnen diese Rückmeldung und die damit verbundene Auszeichnung?

    Das rührt mich einfach sehr. Es ist unbeschreiblich wertschätzend. Ich bin überzeugt, dass ganz viele Schulleitungen diesen Preis verdient hätten. Ich bin ja nicht toller als andere. Aber dass sich meine Kolleginnen und Kollegen hingesetzt und sich die Zeit genommen haben, diese Bewerbung zu schreiben – das ist einfach großartig. Das ist wie eine warme Dusche, die gar nicht aufhört. 

    Das Interview führte Anna Hückelheim von der Agentur für Bildungsjournalismus für news4teachers.

  • Nationaler Bildungsbericht „Bildung in Deutschland“

    Nationaler Bildungsbericht „Bildung in Deutschland“

    Denn die Aufgaben werden nicht weniger. Fachkräftemangel, zunehmende Heterogenität, Bildungsungleichheit, Digitalisierung und knappe Ressourcen prägen den Alltag vieler Schulen. Zugleich benennt der Bericht die Gewinnung, Bindung und Qualifizierung pädagogischer Fachkräfte ausdrücklich als zentrale Herausforderung des Bildungssystems.  

    Es geht nicht nur um mehr Personal

    Der Bericht zeichnet ein differenziertes Bild. Während sich der Lehrkräftemangel im Primarbereich perspektivisch entspannen könnte, bleibt er insbesondere in der Sekundarstufe hoch. Gleichzeitig steigt der Anteil von Lehrkräften ohne klassische Lehramtsausbildung. Bundesweit verfügen inzwischen 12 Prozent der voll- und teilzeitbeschäftigten Lehrkräfte über keine anerkannte Lehramtsprüfung. 

    Diese Entwicklung erhöht den Bedarf an professioneller Begleitung und Qualifizierung. Zugleich verändern sich die Anforderungen an den Beruf. Individuelle Förderung, Ganztagsausbau, multiprofessionelle Zusammenarbeit und digitale Transformation gehören heute selbstverständlich zum Schulalltag. 

    Neue Aufgaben erfordern neue Kompetenzen

    Auch die Zusammenarbeit unterschiedlicher Professionen gewinnt an Bedeutung. An den meisten Schulen arbeiten inzwischen weitere pädagogische Fachkräfte. Viele Schulleitungen sehen die Koordination dieser Zusammenarbeit als wichtige Aufgabe, berichten jedoch gleichzeitig von fehlenden Kapazitäten dafür. 

    Für die Heraeus Bildungsstiftung ergeben sich daraus mehrere Handlungsfelder. Wir sehen einen wachsenden Bedarf an Programmen für Schulleitungen und Führungsteams, die Priorisierung, Schulentwicklung und den Umgang mit komplexen Veränderungsprozessen verbinden. Ebenso leiten wir aus den Ergebnissen einen hohen Qualifizierungsbedarf zu Basiskompetenzen und Bildungsgerechtigkeit ab – insbesondere für Schulen in herausfordernden Lagen. 

    Der Bericht bestätigt uns darin, dass Digitalität und Künstliche Intelligenz nicht als reine Technikthemen verstanden werden sollten. Für Schulen geht es zunehmend darum, diese Entwicklungen pädagogisch sinnvoll zu nutzen und in Lernprozesse, Führung und Schulentwicklung zu integrieren. 

    Auch die zunehmende Bedeutung multiprofessioneller Teams spricht aus unserer Sicht für Angebote, die Zusammenarbeit, Rollenklärung und gemeinsame Verantwortung stärken. Die Ergebnisse legen zudem nahe, dass Qualifizierung künftig stärker als langfristiger Entwicklungsprozess gedacht werden sollte – mit Transfer, Begleitung, kollegialem Lernen und Evaluation statt ausschließlich punktueller Fortbildungsangebote. 

    Für Lehrkräfte geht es aus unserer Sicht vor allem um die Weiterentwicklung von Unterricht, Förderung und den professionellen Umgang mit Digitalität und Künstlicher Intelligenz. Für Schulleitungen wird es zunehmend wichtiger, Teams zu entwickeln, Prioritäten zu setzen und Schulentwicklung unter knappen Ressourcen zu gestalten. 

    Über den Nationalen Bildungsbericht

    Der nationale Bildungsbericht für Deutschland wird von einer unabhängigen Gruppe von Wissenschaftler:innen unter der Federführung des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation erarbeitet.