Kategorie: Story

  • next:schule: Warum Schulentwicklung starke Verbindungen braucht

    next:schule: Warum Schulentwicklung starke Verbindungen braucht

    Mit next:schule startet die Heraeus Bildungsstiftung ein zweijähriges Pilotprojekt zur Schulentwicklung. Christine Heraeus und Martin Fugmann erklären, warum Teams und Schüler:innenpartizipation im Programm eine zentrale Rolle spielen.  

    Warum braucht es next:schule gerade jetzt?  

    Martin Fugmann:
    Schulen stehen unter einem enormen Druck, und wir erleben Schulleitungen und Teams, die sich Veränderungen herbeisehnen und klare Vorstellungen davon haben, wie sich ihre Schulen entwickeln müssten. Unsere Seminare bestärken sie und vermitteln das methodische Rüstzeug. Gleichzeitig sehen wir, dass es um ein Zusammenspiel geht: von punktuellen Impulsen, individuellem Coaching und der Begleitung von ganzen Teams. Veränderungsbereite Schulen brauchen eine nachhaltige Begleitung als ganze Organisation. Dazu gehören auch die Schüler:innen – nicht nur als Adressaten, sondern als Akteure.  

    Christine Heraeus:
    Viele Schulleitungen und Lehrkräfte spüren, dass der Veränderungsdruck von außen steigt und möchten sich verändern. Dabei brauchen sie längerfristige Unterstützung, die wir ihnen gerne anbieten möchten. 

    Warum ist es so wichtig, die Schüler:innen einzubeziehen? 

    Martin Fugmann:
    Wir sind überzeugt davon, dass eine verbindungsstarke Schule den Unterschied macht. Wenn sich die Bildungsrealität für die Schüler:innen ändern soll, dann müssen wir sie beteiligen. Wir unterstützen sie dabei, sich zu organisieren, ihre Ziele zu klären und diese zu kommunizieren. Dann können sie gemeinsam mit Lehrkräften und Schulleitungen Veränderungen wirksam gestalten. 

    Christine Heraeus:
    Es wird häufig über Schüler:innen gesprochen und viel zu selten mit ihnen gesprochen. Bei next:schule stehen ihre Bedürfnisse im Zentrum. Sie sind ganz aktiv am Veränderungsprozess beteiligt. Dadurch entsteht Selbstwirksamkeit und Verbindung – und das stärkt auch das Wohlbefinden. 

    Martin Fugmann:
    Wir müssen die Realitäten der Kinder und Jugendlichen zum Ausgangspunkt machen. Gerade die Bildungsrealitäten von Kindern aus bildungsfernen Schichten kennen wir oft zu wenig. Dieser Dialog fördert das Lernen auf beiden Seiten. 

    Warum ist die Heraeus Bildungsstiftung die richtige Partnerin für dieses Programm? 

    Martin Fugmann:
    Unser Ziel ist, Veränderungen direkt in den Schulen anzustoßen. Wir wollen das weniger dem Zufall überlassen. Deshalb möchten wir gemeinsam mit den Menschen vor Ort eine Verantwortungsgemeinschaft bilden. Über zwei Jahre arbeiten wir daran, beziehungsstarke Schulen zu gestalten. 
    Ich bin überzeugt, dass wir die Kompetenz haben, um diese Prozesse gut zu gestalten. Wir haben uns gezielt Expertise von erfahrenen Organisationsentwickler:innen in die Stiftung und in das Team geholt. Gemeinsam arbeiten wir nun an einer langfristigen Begleitung. 

    Christine Heraeus:
    Was uns besonders stark macht: Wir tun selbst, was wir von den Schulen erwarten. 
    Wir kennen nicht den einen richtigen Weg, sondern wir begeben uns auf Augenhöhe. Wir sprechen mit den Menschen vor Ort und suchen gemeinsam nach Lösungen. Wir geben den Schulen kein festgelegtes Programm vor, sondern erarbeiten die Veränderung miteinander. 

    Die Schulen werden von Transformationsbegleiter:innen unterstützt. Welche Rolle nehmen sie ein?

    Martin Fugmann:
    Die Transformationsbegleiter:innen arbeiten eng mit den Schulen zusammen. Sie beraten und unterstützen sie. Zugleich fordern sie die Schulen gezielt heraus, damit sieihre Ziele nicht aus den Augen verlieren und den Transformationsprozess voranbringen.
    Die Begleiter:innen sind erfahrene Trainer:innen, mit denen wir bereits seit Langem vertrauensvoll zusammenarbeiten. Sie bringen umfassende Erfahrung in der Persönlichkeits- und Organisationsentwicklung mit.

    Was müssen die Schulen einbringen?

    Christine Heraeus:
    Die Schulen brauchen Offenheit und Commitment für den zweijährigen Prozess. Wichtig ist auch ein gemeinsames Zielbild: An der Schule sollen Beziehungen gestaltet werden. Schulleitung, Kollegium und Schülerschaft sollen miteinander eine große Gemeinschaft werden. Und vor allem sollen die Schüler:innen partizipieren.

    Welche Rolle spielen Widerstände und Rückschläge auf dem Weg der next:schulen?

    Martin Fugmann:
    Uns ist wichtig, die Schulen in einen lebendigen Prozess zu bringen. Wir helfen ihnen, trotz Störungen immer wieder auf ihren Weg zurückzufinden. 

    Christine Heraeus:
    Veränderung ist unheimlich schwierig. Aber sie kann gelingen, wenn man Schwierigkeiten annimmt und gemeinsam weiterdenkt. 
    Das ist wie bei einer Wanderung. Wenn auf dem Weg Kühe stehen, nimmt man eine andere Route, behält aber das Ziel im Blick. Widerstände und Rückschläge können dann etwas Positives sein. 

    Woran erkennt die Stiftung, dass es ein erfolgreicher Prozess war?

    Christine Heraeus:
    Erfolgreich ist der Prozess, wenn Schüler:innen, Lehrkräfte und Schulleitungen gerne in die Schule gehen und Freude am Lernen entwickeln. Sie sollen sich selbstwirksam fühlen und tragfähige Beziehungen aufbauen. 
    Alle sollen willkommen sein und so lernen können, wie sie können. 

    Martin Fugmann:
    Ein wichtiges Zeichen wäre: „Da ist etwas anders geworden. Wir gehen anders miteinander um. Wir fühlen uns mehr gehört.“ Unsere Evaluation soll zeigen, ob sich Beziehungen und der Umgang miteinander verändert haben. 

    Christine Heraeus:
    Idealerweise haben wir uns nach den zwei Jahren obsolet gemacht, weil sich die Schulen zu lernenden Systemen entwickelt haben und sich ohne unsere Begleitung weiterentwickeln. 

    Was sollen andere Schulen von next:schule lernen?  

    Christine Heraeus:
    Andere Schulen sollen sehen: Jede Schule kann sich verändern, völlig unabhängig von ihren Rahmenbedingungen und Voraussetzungen. 

    Martin Fugmann:
    Wir wollen zeigen, welches Handwerkszeug Schulen für nachhaltige Entwicklungsprozesse brauchen – und welche Begleitung sie dabei unterstützt.

    Und was will die Stiftung in den nächsten zwei Jahren lernen? 

    Christine Heraeus:
    Für uns ist es eine große Chance, Schulen direkt zu begleiten und ihnen aufmerksam zuzuhören. So lernen wir, was Schulen brauchen, und können daraus neue, passgenaue Programme entwickeln. 

    Martin Fugmann:
    Wir gewinnen tiefere Einblicke darin, wie Schulleitungen, Lehrkräfte und Schüler:innen in Teams zusammenwirken.

    Bitte ergänzt zum Abschluss den folgenden Satz:
    next:schule ist für die Heraeus Bildungsstiftung…

    Martin Fugmann: …ein neues Lernfeld. 

    Christine Heraeus: …ein Projekt, mit dem wir sieben Schulen in einem Netzwerk dabei begleiten, Orte demokratischer Kultur und gemeinsamer Verantwortung zu werden. Orte, die von einer starken Beziehungskultur getragen werden. 

    Vielen Dank.

  • „Es bringt nichts, nur mehr vom Gleichen zu machen“ 

    „Es bringt nichts, nur mehr vom Gleichen zu machen“ 

    Portraitfoto von Roswitha Malewski
    Roswitha Malewski

    Geht nicht, gibt’s nicht – so beschreiben die Kolleg:innen von Roswitha Malewski die Haltung ihrer Schulleiterin. Die Rektorin der Grundschule Kuppelnau in Baden-Württemberg wurde 2025 mit dem Deutschen Lehrkräftepreis ausgezeichnet – auf Empfehlung ihres Teams.

    Frau Malewski, Sie sind offiziell eine „vorbildliche Schulleitung“: Was heißt das denn für Sie, Schulleiterin zu sein? 

    Roswitha Malewski: Puh, erst mal bedeutet Schulleiterin zu sein eine sehr große Umstellung. Darauf bereitet einen das Lehramtsstudium nicht vor, und eine Ausbildung zur Schulleitung gibt es ja auch nicht. Wenn man dann Schulleitung ist, bekommt man zwar Unterstützung in Form von verschiedenen Modulen, aber das meiste lernt man, indem man es einfach macht.

    Insgesamt sind Sie nun schon seit zehn Jahren als Schulleiterin tätig. Was gab damals den Ausschlag für den Wechsel?

    Tatsächlich bin ich zuerst vom Lehrerinnendasein in die Fortbildung gewechselt. Damals gab es in Baden-Württemberg den großen Aufbruch rund um die Gemeinschaftsschulen und den Schulstrukturveränderungen. Da wollte ich gern dabei sein und habe Schulen beraten. So habe ich unheimlich viele Schulen kennengelernt und gesehen, was gut läuft. Immer mal wieder habe ich gedacht: „Ach, das könnte ich auch“ oder „Das würde ich als Schulleiterin so und so machen“.

    Als dann die damalige Schulleitung meiner jetzigen Schule in den Ruhestand gegangen ist, dachte ich: Das ist der Moment, noch mal etwas anderes zu machen – und irgendwie hat das geklappt.

    In der Nominierung für den Deutschen Lehrkräftepreis, die Ihr Kollegium verfasst hat, wird deutlich, wie viel Wert Sie als Schulleiterin auf Partizipation legen. Eltern, Schüler:innen, Lehrkräfte – alle können sich beteiligen, etwa über Arbeitsgemeinschaften, Fördervereine oder Beiräte. Warum ist Ihnen das so wichtig?  

    Eine Schule kann man niemals allein leiten, das ergibt überhaupt keinen Sinn. Schule ist wie ein sehr träger Tanker, eine einmal eingeschlagene Richtung lässt sich nicht so schnell verändern. Deshalb ist es sinnvoll, die Menschen mitzunehmen.

    Die Partizipationsmöglichkeiten erstrecken sich bei Ihnen an der Schule auch auf den Bereich der Schulentwicklung. Warum muss sich Schule weiterentwickeln? 

    In vielen Punkten ist Schule noch so, wie man sie sich um die Jahrhundertwende vorgestellt hat – und zwar die vor 120 Jahren, nicht die vor 20. Aber Kinder haben sich verändert, die Gesellschaft hat sich verändert, Eltern haben sich verändert, also muss Schule sich ebenfalls verändern.

    Die PISA-Ergebnisse sind schlecht, die Vera-Ergebnisse sind schlecht. Und trotzdem doktern wir immer nur im Klein-Klein herum: hier noch eine Förderstunde, dort noch zusätzlicher Matheunterricht. Ich glaube, man müsste das viel größer denken. Man müsste von den Besten lernen – und nicht nur ins Ausland fahren, sich das anschauen und dann sagen: „Ja, interessant, aber wir lassen lieber alles so, wie es ist.“

    Kultuspolitik ist natürlich schwierig, weil Bildung Ländersache ist und deshalb alles sechzehnmal unterschiedlich geregelt wird. In meinen Augen ergibt das aber überhaupt keinen Sinn.

    Wenn Sie die Möglichkeit hätten, das Bildungssystem zu verändern – wo würden Sie als Erstes ansetzen?

    Ich würde erst mal die Vielfalt der vielen verschiedenen Schularten reduzieren und die Kinder länger gemeinsam lernen lassen, bis zur 8. oder 9. Klasse. Danach könnten sie selbst entscheiden, wie es weitergeht. Außerdem würde ich viel stärker die Bereiche in den Mittelpunkt stellen, die immer gekürzt werden: Sport, Kunst, Theater – all das, was Kinder brauchen.

    Natürlich sind Lesen, Schreiben und Rechnen elementar wichtig. Aber es bringt nichts, immer nur mehr vom Gleichen zu machen. Ein Kind lernt doch auch, sich auszudrücken, zu lesen und zu schreiben, wenn es beispielsweise Theater spielt, Briefe verfasst oder mit alten Menschen in Kontakt kommt.

    Gerade diesen kulturellen Bereich haben Sie an Ihrer Schule stark ausgebaut, durch das Theaterprofil. Wie hat sich Schule dadurch verändert?

    Ein Theaterprojekt gab es an der Schule tatsächlich schon, als ich vor zehn Jahren Schulleiterin geworden bin. Um die Ecke steht ein kleines städtisches Theater, dessen Theaterpädagoginnen schon damals ein Projekt mit unseren Zweitklässlern organisierten. Sechs Wochen lang arbeiteten sie mit den Kindern an einer eigenen Aufführung, die zum Abschluss im Theater präsentiert wurde. Das war natürlich großartig – die Eltern kamen ins Theater und sahen ihre Kinder auf der Bühne.

    Dann hatten wir das Glück, eine Kollegin zu bekommen, die Theaterpädagogin ist und selbst am Theater arbeitet. Gemeinsam haben wir das Theaterprofil aufgebaut. Jetzt wird schon in Klasse 1 Theater gespielt, in Klasse 2 folgt das erwähnte Projekt mit dem Theater Ravensburg und in Klasse 3 und 4 haben die Kinder jede Woche zwei Stunden Theaterunterricht fest im Stundenplan verankert. Das ist keine freiwillige AG, sondern regulärer Unterricht.

    Theater heißt daher bei uns nicht: Kostüme anziehen und Dornröschen spielen. Die Kinder entwickeln eigene Stücke, machen Improtheater, bespielen das ganze Schulhaus, erstellen Podcasts – das ist unglaublich vielfältig. Und das macht so viel mit den Kindern. Weiterführende Schulen sagen uns oft, dass unsere Kinder sich unglaublich gut ausdrücken und präsentieren können und selbstbewusst auftreten.

    Inwiefern passt dieser Schwerpunkt zu Ihrer Forderung, dass Schule sich verändern muss? Also: Was muss Schule Kindern heute bieten, um sie gut auf das Leben vorzubereiten?

    Ich glaube ehrlich gesagt gar nicht, dass wir Kinder auf das konkrete Leben vorbereiten können, das sie erwartet, weil sich alles so schnell verändert – Stichwort KI. Von daher ist es sinnvoller, Kinder so zu stärken, dass sie selbstbewusst sind, Dinge hinterfragen können, wissen, wo sie etwas nachschauen und wem sie vertrauen können – gerade im Netz. Hinzu kommt, dass sie lernen sollten, wie sie Beziehungen aufbauen, im Team arbeiten und ihr Wissen flexibel auf Probleme anwenden können.

    Sie selbst versuchen ja schon, Schule entsprechend zu verändern. Wie groß sind die Einflussmöglichkeiten einer Schulleitung? 

    Nach zehn Jahren als Schulleiterin muss ich leider feststellen, dass die eher gering sind – zumindest, wenn es um grundsätzliche Fragestellungen geht. Was ich aber in meiner Position sehr stark beeinflussen kann, ist die Atmosphäre an der Schule. Wenn ich als Schulleiterin die Kinder mag, die Eltern und Kolleginnen mag und einfach gerne hierherkomme, dann macht das etwas mit der Schule. Heute Morgen kam eine Schülerin und hat mich gleich umarmt, als ich mit dem Fahrrad auf den Schulhof gefahren bin. Früher hätte doch niemand seine Schulleiterin umarmt. Niemals.

    Für die Kinder ist diese vertrauensvolle Atmosphäre aber selbstverständlich. Genauso selbstverständlich kommen sie zu mir ins Büro, wenn sie ein Pflaster oder ein Kühlpack brauchen. Ich laufe mit Kindern auch nach Hause, wenn sie nicht abgeholt werden, oder hole sie morgens ab, wenn sie niemand bringt. An diesen Punkten kann ich aktiv ansetzen.

    Was ich nicht verändern kann, ist die Kultuspolitik. Da bleibt einem nur, selbst politisch oder gewerkschaftlich aktiv zu sein. Aber das ist zäh; es geht immer wieder vor und zurück.

    Wir als Schule beteiligen uns zum Beispiel am Schulversuch „Lernförderliche Leistungsrückmeldung“. Das heißt, wir haben uns entschieden, auf Noten zu verzichten und stattdessen Rückmeldungen zu den Kompetenzen der Kinder zu geben. Durch die Einführung der teilweise verbindlichen Grundschulempfehlung und den damit verbundenen Tests liegt der Fokus aber wieder stärker auf Noten. Das bestätigt wiederum die Eltern, die ohnehin lieber Noten hätten, weil sie die für aussagekräftiger halten als eine Rückmeldung darüber, was ein Kind konkret kann.

    Deutscher Lehrkräftepreis: Im Februar 2026 erhielt Roswitha Malewski (m.) den 2. Platz in der Kategorie „Ausgezeichnte Schulleitung“. Simone Oldenburg (l.) und Alexandra Heraeus (r.) überreichten den Preis.

    Das konterkariert den Schulversuch natürlich. 

    Ja, genau. Solche Veränderungen sind unglaublich zäh, besonders, wenn ein Ministerium nicht mutig genug ist zu sagen: „Wir führen das landesweit ein“, sodass einzelne Schulen nicht allein auf verlorenem Posten mit den Eltern diskutieren müssen.

    Und wenn Eltern unbedingt eine bestimmte Schule für ihr Kind wollen, dann wird plötzlich um jede Zehntelnote gekämpft. Dabei kennen die Lehrerinnen und Lehrer die Kinder doch eigentlich sehr gut und können sie einschätzen. Aber solange diese Drei-, Vier- oder Fünfgliedrigkeit im Schulsystem existiert und die weiterführenden Schulen unterschiedlich bewertet werden, bleibt dieser Druck bestehen. Ein Gymnasium gilt immer noch als „besser“ als eine Realschule oder Gemeinschaftsschule. Das macht alles unglaublich schwierig.

    Trotzdem versuchen Sie, Schule zu verändern – ein Aspekt, den auch Ihr Kollegium sehr schätzt. In der Nominierung zum Deutschen Lehrkräftepreis beschreibt Ihr Team Sie etwa als „Ermöglicherin“ mit der Grundhaltung „geht nicht, gibt’s nicht“. Was bedeutet Ihnen diese Rückmeldung und die damit verbundene Auszeichnung?

    Das rührt mich einfach sehr. Es ist unbeschreiblich wertschätzend. Ich bin überzeugt, dass ganz viele Schulleitungen diesen Preis verdient hätten. Ich bin ja nicht toller als andere. Aber dass sich meine Kolleginnen und Kollegen hingesetzt und sich die Zeit genommen haben, diese Bewerbung zu schreiben – das ist einfach großartig. Das ist wie eine warme Dusche, die gar nicht aufhört. 

    Das Interview führte Anna Hückelheim von der Agentur für Bildungsjournalismus für news4teachers.

  • „Wohlbefinden ist eine zentrale Aufgabe der Schulleitung“

    „Wohlbefinden ist eine zentrale Aufgabe der Schulleitung“

    André Szymkowiak im Gespräch mit Thorsten Timmerarens
    André Szymkowiak © Heraeus Bildungsstiftung

    André Szymkowiak leitet das Gymnasium Thusneldastraße in Köln. 2023 wurde er mit dem Deutschen Lehrkräftepreis in der Kategorie „Vorbildliche Schulleitung“ ausgezeichnet. Für ihn steht fest: Wohlbefinden ist kein „Nice-to-have“, sondern die Grundlage für gelingendes Lernen – und damit eine zentrale Aufgabe der Schulleitung. Im Gespräch erklärt er, wie Vertrauen, Beteiligung und klare Strukturen Schule verändern können.  

    André, Wohlbefinden ist für dich die Grundlage jeder Schulgemeinschaft. Ist das nicht etwas übertrieben?  

    André Szymkowiak: Für mich ist völlig klar: Gerne zur Schule zu kommen und gerne zu lernen ist die Basis, damit Lernen wirklich stattfindet. Natürlich kann man auch durch Druck lernen, weil man Prüfungen bestehen muss – aber das ist kein echtes, innerlich motiviertes Lernen. Wir wollen, dass aus Überzeugung gelernt wird. Das gelingt nur in einer guten Atmosphäre – wenn man gerne hingeht und sich wohlfühlt.

    Was folgt daraus für Schulleitungen? 

    Wenn man das ernst nimmt, muss man überlegen, wie diese Atmosphäre entsteht. Dazu gehört, dass auch das Kollegium gerne zur Schule kommt. Wenn Lehrerinnen und Lehrer mit „dickem Hals“ kommen, können sie keine positive Stimmung verbreiten. Meine Aufgabe ist es, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass sie gerne kommen. Das setzt sich durch die ganze Schulgemeinschaft fort – auch Eltern müssen sich willkommen fühlen und nicht als Störfaktor. Das braucht Zeit, aber irgendwann spüren es alle.

    Gab es einen persönlichen Moment, der diesen Gedanken bei dir gefestigt hat?  

    Ich habe als Lehrer in verschiedenen Kontexten erlebt, dass Kolleginnen und Kollegen gegeneinander gearbeitet haben und die Schulleitung auf Wohlbefinden kein Wert gelegt hat. Da bleibt unglaublich viel Potenzial liegen, weil Menschen innerlich kündigen. Das können wir uns nicht leisten.

    War für dich klar: Wenn ich mal in der Schulleitung bin, mache ich es anders? 

    Ja, definitiv. Es gibt nicht den perfekten Schulleiter oder die perfekte Schulleiterin. Man muss seinen eigenen Weg finden – von guten und schlechten Vorbildern lernen. Manche übernehmen Verhaltensmuster, die sie selbst früher kritisiert haben, nach dem Motto: So macht man das eben. Das ist falsch. Man muss reflektieren und bewusst anders handeln.

    Wie äußert sich das in deinem Führungsstil?

    Durch Verantwortung und Vertrauen. Ich halte mich bewusst zurück, auch wenn ich anderer Meinung bin – das ist nicht leicht. Aber wenn man alles selbst entscheidet, kommen alle ständig zur Absicherung. Ich will, dass sie selbst entscheiden. Ich berate, aber ich bestimme nicht. Führen heißt für mich: laufen lassen können.

    Wie sieht das in der Praxis aus?

    Wir arbeiten mit Koordinationsteams statt Einzelverantwortlichen. Die Teams entscheiden alles, was ihren Bereich betrifft. Beispiel: die Einschulung der Fünftklässler:innen. Das macht das Team Erprobungsstufe komplett – inklusive Anmeldegespräche. Viele Schulen erwarten, dass die Schulleitung diese Gespräche führt. Ich halte mich raus, weil das Team sagt: Wir müssen die Kinder kennen. Dann mache ich das nicht – konsequent.

    Du hast die Eltern angesprochen. Wie holst du sie ins Boot?  

    Durch echte Gespräche, nicht durch Newsletter. Ich spreche regelmäßig mit der Schulpflegschaft und den Elternvertretungen. So entsteht Partizipation: Sie erhalten mehr Informationen, werden in Prozesse eingebunden und erleben, dass ihre Meinung zählt. Wichtig ist, diesen Mehrwert einzulösen – nicht fragen und dann doch allein entscheiden.
    Ein Qualitätsmerkmal für mich: Wir haben rund 35 % Geschwisterkinder. Familien, die ihre Kinder schon bei uns haben, schicken auch die nächsten – obwohl es in Köln viele Alternativen gibt. Das ist der beste Vertrauensbeweis.

    Welche ersten Schritte würdest du empfehlen, um eine solche Kultur aufzubauen?  

    • Zuhören. Mit dem Kollegium sprechen: Wie geht es dir? Was brauchst du?
    • Verantwortung geben. Entscheidungen dort treffen lassen, wo sie anfallen.
    • Ansprechbar sein. Sichtbar sein, Präsenz zeigen, Vertrauen aufbauen.

    Zum Schluss – deine Botschaft an Schulleitungen in Deutschland?  

    Jedes Individuum mit seinen Bedürfnissen wahrnehmen – Schülerinnen und Schüler, Eltern, Kolleginnen und Kollegen. Wenn jemand ein Problem hat, gemeinsam nach Lösungen suchen, statt zu sagen: Da könnte ja jeder kommen.
    So entsteht Vertrauen – das Gegenteil von Ohnmacht. Das ist Wohlbefinden: sich sicher und ernst genommen fühlen.

  • Führen heißt: Verantwortung teilen – Andrea Franke im Portrait

    Führen heißt: Verantwortung teilen – Andrea Franke im Portrait

    Führen heißt: Verantwortung teilen

    Andrea Franke

    Die Willy-Brandt-Schule in Berlin-Wedding ist für viele Jugendliche weit mehr als ein Lernort – sie ist ein Ort der Chancen. Seit 2015 leitet Andrea Franke die Integrierte Sekundarschule. Für ihre Arbeit wurde sie mit dem Deutschen Lehrkräftepreis in der Kategorie „Vorbildliche Schulleitung“ ausgezeichnet. 

    Doch Andrea Franke sieht den Preis nicht als persönliche Auszeichnung, sondern als Anerkennung für ihr Team: 

    Persönliche Geschichte als Antrieb 

    Franke kennt Schule aus verschiedenen Perspektiven. Sie wuchs in einem bildungsfernen Elternhaus auf und wäre in der achten Klasse beinahe sitzen geblieben. Diese Erfahrung prägt sie bis heute: 

    Diese Erfahrungen sind der Grund, warum sie heute niemanden zurücklassen möchte. Ihr wichtigstes Anliegen beschreibt sie so: 

    Unter ihrer Leitung schlug die einst ungeliebte Schule im sozialen Brennpunkt neue Wege ein: Absentismus konnte deutlich reduziert, Willkommensklassen eingerichtet und eine wirksame Berufsorientierung etabliert werden. Ihr Credo: Jede Schüler:in braucht eine Anschlussperspektive.  

    Probleme gemeinsam lösen 

    Andrea Franke versteht Führung als gemeinschaftliche Aufgabe. Die Schule hat mittlere Führungsebenen geschaffen und die Schulleiterin überträgt Verantwortung: 

    Doch Führung heißt für sie mehr als Organisation – sie bedeutet auch Fürsorge. Gute Arbeitsbedingungen, Vertrauen und ein respektvoller Umgang im Kollegium sind für sie Grundlagen guter Schule. Diese Wertschätzung drückt sich beispielsweise in der Arbeitsumgebung aus – durch eine Lehrerlounge mit gemütlichen Sofas, einer guten Kaffeemaschine und technisch gut ausgestatteten Arbeitszimmern für die Lehrkräfte.   

    Positive Verbindungen zur Schule aufbauen 

    Dasselbe Prinzip der Wertschätzung prägt auch den Umgang mit den Schülerinnen und Schülern: Bevor ein neuer Jahrgang beginnt, führt Andrea Franke mit ihnen und ihren Eltern persönliche Gespräche.  

    So entsteht von Anfang an eine Kultur der Offenheit und des Miteinanders.  

    Andrea Franke steht aber auch für konsequentes Handeln, etwa bei Versäumnisanzeigen. 

    Ratgeberin und Mutmacherin 

    Die Auszeichnung hat ihre Arbeit weit über Berlin hinaus sichtbar gemacht. Seitdem wird sie oft um Rat gebeten. Sie teilt ihre Erfahrungen pragmatisch – auch über Instagram, wo sie Einblicke in den Alltag gibt und Mut macht: 

    Gerade Schulleitung sollte nicht in den Mittelpunkt drängen, sondern die Fäden im Hintergrund zusammenführen: Mit unterschiedlichen Professionen zusammenarbeiten, aber sich selbst zurücknehmen. Dinge lenken, Potenziale erkennen, Ressourcen aktivieren, Strukturen schaffen.

    Die positiven Erfahrungen mit ihrem Team bestärken sie darin, alle Beteiligten in der Schule mitzunehmen.  

    „Sie stehen für das, was Schule stark macht.“ 

    Andrea Franke verkörpert eine Haltung, die Schule nachhaltig prägt: Kein Kind zurücklassen, Vertrauen ins Team, Menschlichkeit als Fundament.  

    Oder, wie es Alexandra Heraeus in ihrer Laudatio beim Deutschen Lehrkräftepreis sagte: 

    Lesen Sie das ausführliche Interview mit Andrea Franke auf news4teachers.

  • „In Schule müssen Werte wachsen“ – Story von Jasmin Khader

    „In Schule müssen Werte wachsen“ – Story von Jasmin Khader

    „In Schule müssen Werte wachsen“

    An der Liebigschule in Frankfurt am Main unterrichtet Ethiklehrerin Jasmin Khader. 2025 wurde sie mit dem Deutschen Lehrkräftepreis – Unterricht innovativ ausgezeichnet. Das Besondere an diesem Preis: Nominiert wurde sie von ihren ehemaligen Schüler:innen.

    Für Jasmin Khader war das ein starkes Zeichen der Anerkennung:

    Eigene Erfahrungen als Kompass

    Die Lehrerin aus Frankfurt kennt diese Momente. Sie prägen bis heute ihren Blick auf Schule:

    „Ich habe selbst erfahren, wie es sich anfühlt, übersehen, ausgegrenzt und unterschätzt zu werden. Ebenso weiß ich, wie viel Mut es erfordert, die eigene Stimme zu finden – und wie heilend es sein kann, wenn jemand an einen glaubt.“

    Diese Erfahrung überträgt sie in ihre pädagogische Arbeit, beispielsweise indem sie eigene Texte für ihre Schüler:innen schreibt:

    „Lehrbuchtexte sind oft abstrakt oder weit entfernt von ihren Erfahrungen… Durch meine eigenen Texte schaffe ich eine Brücke zwischen ihrem Leben und den Themen, die wir im Unterricht behandeln. Ich möchte, dass sie spüren, dass ihre Erfahrungen und Perspektiven wichtig sind.“

    Für Jasmin Khader ist Schule ein Ort des Zusammenlebens: 

    Wie Werte greifbar werden

    Besonders im Ethikunterricht schafft Khader Räume, in denen jede Stimme zählt. Gemeinsam mit ihrer Klasse formuliert sie zu Schuljahresbeginn Werte, die schriftlich festgehalten werden:

    „Ich spreche mit meinen Schülerinnen und Schülern darüber, warum Respekt, Empathie oder Verantwortung wichtig sind… Diese Werte schreiben wir meistens auf – und das hilft uns, von Anfang an einen respektvollen und wertschätzenden Umgang zu gestalten. Mir geht es nicht darum, dass sich Schülerinnen und Schüler verpflichtet fühlen, Regeln einzuhalten. Vielmehr sollen sie verstehen, warum diese Werte wichtig sind – und sich im Laufe des Unterrichts freiwillig entscheiden, sie zu leben.“ 

    Das Ergebnis: Eine Verantwortung, die von innen kommt – nicht von außen aufgezwungen. 

    Sie lebt diese Werte vor – auch indem sie eigene Unsicherheiten und Fehler teilt:

    „Wenn ich zum Beispiel über Zivilcourage spreche, teile ich auch eigene Erfahrungen – sowohl Momente, in denen ich mutig war, als auch Situationen, in denen ich es vielleicht nicht war. Auf diese Weise werden Werte greifbar und erlebbar.“

    „Habt Vertrauen in die Kraft Eures Berufes“

    Ihre Haltung wirkt. So schrieb ein Schüler in der Nominierung zum Deutschen Lehrkräftepreis: 

    „Frau Khader hat uns nicht nur Ethik als Fach nähergebracht, sondern uns auch zu besseren Menschen gemacht. Sie lehrte uns Offenheit, Toleranz und den Mut, gegen Ungerechtigkeiten aufzustehen.“ 

    Jasmin Khader ist überzeugt: Lehrkräfte haben die Kraft, Leben zu verändern – oft in Momenten, die klein wirken, aber große Wirkung entfalten.

    Lehrerseminar Mai 2017
    Foto: Andreas Reeg

    Lesen Sie das ausführliche Interview mit Jasmin Khader auf news4teachers. 

    Unterricht auf Augenhöhe

    Mehr über Jasmin Khader in der 37 Grad Reportage auf YouTube

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  • Micha Pallesche: „Wir können gar nicht anders, als junge Menschen ernst zu nehmen“

    Micha Pallesche: „Wir können gar nicht anders, als junge Menschen ernst zu nehmen“

    Micha Pallesche
    @ privat

    Micha Pallesche leitet die Ernst-Reuter-Schule in Karlsruhe, die mit innovativen Konzepten eine Vorreiterrolle einnimmt. 2017 erhielt sie die Auszeichnung als erste Smart School Baden-Württembergs, die mit einem Makerspace, einem InnovationLab und mit Design Thinking neue Wege des Lernens ging. Es folgten weitere Preise, beispielsweise für Medienbildungs- und Demokratieprojekte. 2021 erhielten Micha Pallesche und sein Stellvertreter Dominik König-Kurowski den Deutschen Lehrkräftepreis als ausgezeichnete Schulleitung.   

    Wir wollten wissen: Wie machen Sie das, Micha Pallesche? Was treibt sie an?  

    Micha Pallesche: „Unser Antrieb sind die Schülerinnen und Schüler. Schule hat die Aufgabe, sie auf die Welt vorzubereiten, die nach der Schulzeit auf sie wartet. Wir wollen, dass sie nicht nur abwartend zusehen, sondern aktiv die Welt mitgestalten. Da sich die Welt ständig wandelt, muss sich auch die Schule kontinuierlich weiterentwickeln.“  

    Wie beginnt ein solcher Prozess der Schulentwicklung?  

    „Das beginnt mit einer grundlegenden Haltung und einem klaren Rollenverständnis: Was ist meine Rolle als Lehrkraft? Was ist meine Rolle als Schulleitung? Man muss bereit sein, Verantwortung zu teilen und Partizipation zuzulassen. Und wenn wir Partizipation ernst meinen, müssen alle relevanten Gruppen eine Stimme haben: Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrkräfte und das gesamte Schulpersonal. Externe Partnerinnen und Partner aus dem Quartier sind ebenso unverzichtbar.“  

    Wie beziehen Sie Schülerinnen und Schüler konkret ein?   

    „Wir haben sie beispielsweise in Lehrerkonferenzen einbezogen, die wir gemeinsam im Fishbowl-Format durchgeführt haben. In diesen Runden erzählten uns unsere Schülerinnen und Schüler, was sie brauchen, um gut lernen zu können. Das waren ganz wertvolle Beiträge. Als Pädagoginnen und Pädagogen können wir gar nicht anders, als junge Menschen ernst zu nehmen.“  

    Können Sie ein konkretes Beispiel nennen, wo eine Idee von den Schülerinnen und Schülern umgesetzt wurde?  

    „Da gibt es einige Beispiele. Eines der jüngsten betrifft unsere Hausmeisterwohnung. Nach dem Ruhestand unseres Hausmeisters stand die Wohnung leer. Wir haben einen „Roten Salon“ organisiert, bei dem die Schülerinnen und Schüler vorschlagen konnten, wie die Wohnung genutzt werden könnte. Eine Idee fanden wir besonders spannend: die Wohnung als „Probewohnung“ zu nutzen. Schülergruppen wollen dort für eine Woche wohnen, sich selbst versorgen und eigenverantwortlich leben. Diese Idee hat uns so überzeugt, dass wir sie nun umsetzen – auch wenn sie Chaos verspricht und natürlich begleitet werden muss.“  

    Als sie 2015 Schulleiter wurden, hatten sie da schon ein klares Bild vor Augen, wohin die Reise gehen soll?  

    „Nein, tatsächlich nicht. Als ich 2015 als Schulleiter anfing, war schnell klar, dass wir unsere Ideen für die Schule nicht ohne die gesamte Schulfamilie umsetzen können. Meinem Team und mir war auch schon damals bewusst, dass wir externe Kooperationspartner brauchen würden. Die Idee, Schule zu öffnen, Ressourcen aus dem Quartier zu nutzen und externe Expertinnen und Experten einzuladen, gab es von Anfang an. So ist beispielsweise das Projektfach „Leben“ entstanden, bei dem Schülerinnen und Schüler der 7. Klassen eineinhalb Stunden in der Woche im Quartier außerschulische Verantwortungsjobs übernehmen und daran wachsen – im Altersheim, im Kindergarten oder im Gnadenhof für Tiere.“  

    Wie schaffen Sie es, im Kollegium einen Sog zu erzeugen, sodass möglichst viele sich mit Begeisterung einbringen?  

    „Für mich sind es drei zentrale Faktoren: Erstens die Partizipation erhöhen. Entscheidungen sollten nicht nur in der Schulleitung oder im Schulentwicklungsteam getroffen werden. Dafür braucht es Räume und Formate wie den „Roten Salon“. Zweitens die aktive Einbindung der Schülerinnen und Schüler. Bei allen Schulentwicklungsprozessen haben wir immer Schülerinnen und Schüler dabei. Drittens die Öffnung der Schule nach außen, um reale Erfahrungen und Sinnhaftigkeit zu schaffen. Die Schule darf kein abgeschlossenes System bleiben, um sich nicht immer weiter von der Realität zu entfernen. Auch Sinn erkennen junge Menschen vor allem dann, wenn sie sich mit realen Problemen auseinandersetzen und Selbstwirksamkeit erfahren. Deshalb muss sich Schule öffnen.“  

    Woher erhalten Sie die größte Unterstützung?  

    „Als Schulleiter erhalte ich die größte Unterstützung von der Schulfamilie: vom Kollegium, von den Schülerinnen und Schülern und von den Eltern. Auf systemischer Ebene unterstützt uns auch die Schulaufsicht, indem sie uns Gestaltungsspielräume lässt. Zudem gibt es externe Kooperationspartnerinnen und -partner, die uns mit ihrer Expertise helfen. Für das Projektfach „Leben“ arbeiten wir beispielsweise mit 70 Personen und Organisationen zusammen.“  

    Und welche Rolle spielt die Persönlichkeit der Schulleitung bei solchen Prozessen?  

    „Die Schulleitung ist für mich der Schlüssel in jedem Transformationsprozess. Ich sehe unsere Rolle darin, Visionen und Ideen zuzulassen, Verantwortung zu teilen und die Kompetenzen des Teams zu fördern. Das heißt auch, dass ich den Menschen vertraue, die Schule mitgestalten, und ich muss auch damit leben können, wenn Dinge entstehen, die nicht vollständig meinen Vorstellungen entsprechen. Das erfordert ein ganz anderes Rollenverständnis von Schulleitung.“