Schlagwort: Deutscher Lehrkräftepreis

  • KI in der Bildung: Stellen wir die richtigen Fragen?

    KI in der Bildung: Stellen wir die richtigen Fragen?

    Eine Leitlinie des chinesischen Bildungsministeriums aus dem Jahr 2025 zeigt, wie weit dieser Weg bereits gedacht ist: KI wird systematisch in Lehren, Lernen und Assessment integriert und mit der Förderung von kritischem Denken, Problemlösefähigkeit und praktischen Kompetenzen verbunden. Für 2026 ist eine noch konsequentere Umsetzung als Priorität gesetzt. 

    Mit dieser Perspektive bin ich im März 2026 zur Seventh Sino German Didactics Dialogue Conference nach Shanghai, Hefei und Wuhu gereist. 

    Seitdem beschäftigt mich eine Frage: 
    Setzen wir in der Debatte über KI in der Bildung die richtigen Schwerpunkte? 

    KI kann heute Texte formulieren, Rückmeldungen geben und Lernstände analysieren. 
    Das ist beeindruckend und zugleich irritierend. 

    Denn es führt zu einer Verschiebung, die wir leicht unterschätzen. 

    Wenn Wissen jederzeit verfügbar ist, stellt sich die Frage neu: 
    Was müssen Schülerinnen und Schüler noch selbst können? 

    In vielen Beiträgen tauchten immer wieder ähnliche Begriffe auf: 
    Urteilskraft, Verständnis, Kreativität und Verantwortung. 

    Das sind keine neuen Begriffe. Aber sie bekommen eine andere Bedeutung. 

    Der blinde Fleck der Debatte 

    Viele Diskussionen kreisen um Anwendungen: Chatbots, automatisierte Korrekturen, personalisierte Lernpfade. 

    Das ist nachvollziehbar, greift aber zu kurz. 

    Denn wenn Maschinen Teile der kognitiven Arbeit übernehmen, verändert sich der Maßstab von Bildung. 

    Nicht nur das Ergebnis zählt, sondern der Weg dorthin: 
    Fragen entwickeln, Annahmen überprüfen, Gedanken verwerfen und neu ordnen. 

    Genau dort entsteht das, was wir eigentlich unter Lernen verstehen. 

    KI kann unterstützen – aber nicht ersetzen 

    Die Potenziale sind klar: schnelleres Feedback, differenziertere Diagnostik, mehr Individualisierung. 

    Und gleichzeitig wurde eine Grenze immer wieder deutlich: 

    Was sich auswerten lässt, ist nicht automatisch verstanden. 
    Eine Rückmeldung ersetzt keine Beziehung. 
    Und keine Maschine kennt den Kontext, in dem ein Kind lernt. 

    Das klingt banal. Ist es aber nicht. 

    Zwei Perspektiven – ein gemeinsamer Umbruch 

    Der Vergleich zwischen Deutschland und China hat diese Fragen geschärft. 

    In Deutschland liegt der Fokus oft auf Unterrichtsqualität, Feedback und Lehrerprofessionalität. 

    In China wird stärker gefragt, wie Bildung als System, als kulturelle Praxis und als Zukunftsaufgabe neu gedacht werden muss. 

    Während hierzulande noch über Einsatzmöglichkeiten diskutiert wird, ist KI dort längst Teil einer strategisch gesteuerten Bildungsreform. 

    Das ist kein Detailunterschied. Es ist eine andere Perspektive auf Bildung. 

    Gute Ergebnisse reichen nicht 

    Besonders deutlich wurde das im Blick auf PISA. 

    In Deutschland wird gefragt: Wie werden wir besser? 
    In China: Was sagen gute Ergebnisse eigentlich aus – und was kosten sie? 

    Zeit, Druck, Motivation, Gesundheit. 

    Ein System kann im Messen stark sein und gleichzeitig zu eng, wenn es um Kreativität, Neugier und Problemlösefähigkeit geht. 

    Bildung ist mehr als das, was sich messen lässt. 

    Was sich gerade verschiebt 

    Je leistungsfähiger KI wird, desto weniger reicht es, Bildung als Wissensvermittlung zu verstehen. 

    Gefragt sind andere Qualitäten: Orientierung, Selbstständigkeit, Verantwortung und die Fähigkeit, mit anderen zu arbeiten und zu denken. 

    Das ist kein neues Ideal. Aber es wird jetzt zur Voraussetzung. 

    Die eigentliche Frage 

    Die entscheidende Frage lautet nicht, wie viel KI Schule verträgt. 

    Sondern: Welche Form von Schule entsteht, wenn wir sie sinnvoll nutzen? 

    Eine Schule, die Prozesse effizienter organisiert? Oder eine Schule, die die neuen Möglichkeiten nutzt, um Lernen zu vertiefen? 

    Diese Entscheidung ist nicht technisch. Sie ist pädagogisch. 

    Fazit 

    Für mich war diese Reise auch persönlich besonders: Ich war von Hilbert Meyer eingeladen worden, an dieser Konferenz teilzunehmen und mich einzubringen. 

    Was bleibt, ist vor allem eine Einsicht: 

    Wenn wir KI nur einführen, ohne Schule neu zu denken, werden wir vielleicht modernisieren – aber wenig verändern. 

    KI fordert uns nicht nur heraus, Schule und Unterricht anzupassen. 
    Sie zwingt uns, Bildung neu zu begründen. 

  • Deutscher Lehrkräftepreis erhält neuen Sonderpreis „Medien und Demokratie“

    Deutscher Lehrkräftepreis erhält neuen Sonderpreis „Medien und Demokratie“

    Neuer Sonderpreis „Medien und Demokratie“

    Gemeinsam mit dem neuen Förderpartner ZDF goes Schule vergeben wir erstmals den Sonderpreis „Medien und Demokratie“.

    Denn klar ist: Medienbildung ist keine Zusatzaufgabe. Sie gehört zum Kern von Schule.

    Worum es geht

    Demokratie braucht Menschen, die Informationen einordnen können. Die hinterfragen. Die Verantwortung übernehmen.

    Dr. Florian Kumb, Direktor Audience im ZDF

    Was wir auszeichnen

    Wir suchen Projekte, die Meinungs-, Medien- und Demokratiebildungskompetenz fördern:

    • Schüler:innen lernen, Quellen zu prüfen und Fakten einzuordnen
    • sie entwickeln eine eigene, begründete Haltung
    • sie setzen sich mit unterschiedlichen Perspektiven auseinander
    • sie erleben, dass ihre Stimme zählt

    Warum jetzt

    Mit ZDF goes Schule gewinnen wir einen starken Partner hinzu. Die Initiative fördert Medienbildung für Kinder und Jugendliche – und bringt ihre Perspektiven stärker in den schulischen Kontext.

    Gemeinsam wollen wir sichtbar machen, was bereits gelingt. Und andere ermutigen, eigene Wege zu gehen.

    Reichen Sie Ihr Projekt ein und zeigen Sie, wie Sie Medienkompetenz und Demokratiebildung an Ihrer Schule stärken.

    Gemeinsam mit dem Deutschen Philologenverband sind wir Träger des Deutschen Lehrkräftepreises. Mit der Auszeichnung wollen wir die Leistungen von Lehrkräften und Schulleitungen würdigen und in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung rücken.

    Förderpartner der Wettbewerbsrunde 2026 sind der Cornelsen Verlag, die Schöpflin Stiftung und ZDF goes Schule.

    Die Preisverleihung findet am 30. November 2026 in Berlin statt.

  • ***“Die Teilnehmenden sind die Expert:innen für ihre eigene schulische Wirklichkeit“

    ***“Die Teilnehmenden sind die Expert:innen für ihre eigene schulische Wirklichkeit“

    [vc_row css=“%7B%22default%22%3A%7B%22padding-bottom%22%3A%221rem%22%7D%7D“][vc_column][vc_column_text]Mandy Geisler leitet die Programmentwicklung bei der Heraeus Bildungsstiftung. Zum Start des neuen Seminarjahres blickt sie auf die Führungsrolle von Lehrkräften und die Philosophie, die das Fortbildungsprogramm der Stiftung auszeichnet.  

    In den ersten Wochen dieses Jahres sind wieder zahlreiche Seminarreihen an den Start gegangen. Wie unterscheiden sich diese Angebote von anderen Fortbildungen für Lehrkräfte?  

    Unsere Angebote unterscheiden sich thematisch von klassischen Fortbildungen für Lehrkräfte, die sich auf die Planung des Unterrichts oder bestimmte Fachinhalte konzentrieren. Wir fokussieren uns schwerpunktmäßig auf Führung. Fragen wie man eine Führungsrolle in Schule annimmt und ausfüllt stehen im Mittelpunkt und erfreuen sich großer Beliebtheit. 

    Gibt es weitere Fokusthemen?  

    Neben Führungskompetenzen nehmen wir die Themen Haltung und Persönlichkeitsentwicklung im Kontext von Pädagogik in den Blick. Dabei geht es beispielweise weniger um die Frage, wie konkret man einen einzelnen Schüler oder eine Schülerin wieder einfangen kann, sondern eher: Mit welcher Haltung kann ich positiven Einfluss im Unterricht und im Kollegium nehmen? 

    Wie wird der Fokus auf Führung von Lehrkräften wahrgenommen?   

    Die Resonanz ist insgesamt positiv, denn es ist klar, dass Lehrkräfte ebenfalls Führungskräfte sind. Es gibt jedoch auch Lehrkräfte, die sich in erster Linie als Pädagog:innen sehen und auf Augenhöhe mit ihren Schüler:innen agieren wollen. Ihnen geht es weniger darum, die Führung zu übernehmen.   

    Wie reagiert ihr auf diese Vorbehalte?  

    Wir möchten durch unsere Seminare transportieren, dass moderne Führung nichts mit alten, hierarchischen Strukturen und Rollen zu tun haben muss.   

    Von Teilnehmenden hören wir oft, dass sie dann in eine Führungsrolle gehen, wenn es die Situation erfordert, beispielsweise wenn es zu größeren Unterrichtsstörungen kommt. In unseren klassischen Classroom-Management-Seminaren bieten wir hierfür insbesondere Methoden, um mit Ritualen und klaren Ansagen einen guten Umgang mit den Schüler:innen zu gestalten. Dieses Seminarangebot wird bereits seit Jahren sehr gut angenommen. 

    Methoden allein reichen aber nicht aus, denn jeder muss den Begriff Führung für sich selbst definieren, jeder benötigt eine Menge Selbstreflexion, um überhaupt eine Führungsrolle zu übernehmen. Dies war ein guter Anlass für uns, das Classroom Management um eine bedeutsame Perspektive zu erweitern und weiterzuentwickeln, nämlich mit Erkenntnissen und Impulsen aus der Positiven Psychologie. Es darf nicht nur rein methodisch mit Routinen und Ritualen erfolgen.  

    Worin liegt der Unterschied?  

    Die Erkenntnisse aus der Positiven Psychologie unterstützen dabei, eine positive Verbindung miteinander zu entwickeln und aufrechtzuerhalten. 

    Es geht nicht nur darum, die Beziehung der Lehrkraft zu den Schüler:innen zu gestalten, sondern eine positive Atmosphäre in der gesamten Klasse zu schaffen. Durch die Positive Psychologie und das PERMA-Modell unterstützen wir die Klassenführung. Wir sehen die Beziehung zwischen allen im Klassenraum und in der Schule als Grundlage für erfolgreiche Bildung. Alle haben gemeinsam die Verantwortung dafür, dass alle zusammen in der Klasse lernen und wachsen können. 

    „Führung benötigt Selbstreflexion“ – was ist damit gemeint?  

    Die Seminare der Stiftung sind darauf ausgerichtet, Professionalisierung zu fördern. Es geht nicht nur darum, Inhalte zu vermitteln. Vielmehr sollen die Teilnehmenden ihre Sichtweisen verändern können. Hierfür sind Selbstreflexion und der Blick auf den eigenen Entwicklungsprozess unerlässlich. Gute Impulse sind zudem notwendig, um bestehende Denkmuster zu stören und neue Perspektiven zu ermöglichen. 

    Dieses Jahr starten auch neu konzipierte Seminarreihen. Wie entstehen neue Inhalte?  

    Wir hören unseren Teilnehmer:innen aufmerksam zu, welche Herausforderungen sich ihnen stellen. Und unsere Trainer:innen bringen ebenfalls viele Kompetenzen und Erfahrungen aus der Praxis ein. Positive Psychologie und das PERMA-Modell haben wir so kennen und schätzen gelernt. 

    Bleiben wir bei den Trainer:innen. Was zeichnet sie aus?  

    Unsere Trainerinnen und Trainer sind dafür bekannt, auch außerhalb der Schule zu arbeiten, etwa als Psycholog:innen oder Organisationsentwickler:innen. Das ermöglicht ihnen, über den Tellerrand hinauszudenken und Impulse zu geben, die nicht allein auf den schulischen Kontext fokussiert sind. 

    Wie reagieren die Teilnehmenden auf diese Vielfalt im Trainerteam?  

    Viele schätzen die neuen Impulse, während andere sich manchmal auf ihren Fachunterricht beziehen und sich fragen, wie sie die Inhalte in ihre konkrete Arbeit integrieren können. In der Regel zieht die Stiftung aber Menschen an, die sehr gerne über ihren Tellerrand blicken, über Weiterentwicklung schulischer Bildung nachdenken und hier nach Gleichgesinnten suchen. 

    Die Seminarreihen finden jetzt häufiger als Blended-Learning-Formate statt. Warum?  

    Nach der Corona-Zeit spüren wir, dass der Wunsch nach Austausch und Vernetzung enorm groß ist. Das erfordert ein gewisses Setting, ganz besonders wichtig ist eine vertrauensvolle Arbeitsumgebung. Und das gelingt am besten in Präsenzveranstaltungen. Daher haben wir umgestellt und beginnen fast immer mit Präsenzveranstaltungen. Die Teilnehmenden sollen sich kennenlernen, Vertrauen schaffen, und die Trainer:innen investieren viel, damit das gelingt.   

    Auf der anderen Seite ist es wichtig, dass Fortbildungen nachhaltig sind. Laut der Forschungsliteratur ist eine Dauer von ca. einem halben Jahr empfehlenswert, wenn es um die Nachhaltigkeit von Fortbildungen geht. In den professionellen Lerngemeinschaften entsteht so eine gute Verbindung zwischen den Teilnehmer:innen und sie werden durch gezielte inhaltliche Impulse, Zeit zur Erprobung und immer wieder Austausch und Selbstreflexion unterstützt, die neuen Erkenntnisse mit ihren eigenen Praxiserfahrungen konstruktiv zu verknüpfen.  

    Deshalb setzen wir auf eine Mischung von Präsenz- und Onlineformaten, die über einen längeren Zeitraum gehen. 

    Wie gelingt die Kommunikation mit den Teilnehmenden?  

    Das ist nicht nur eine Frage der Formate. Zentral ist die Frage, wie wir miteinander kommunizieren. Es gehört zur DNA der Stiftung, dass wir die Teilnehmenden immer als Expert:innen für ihre eigene schulische Wirklichkeit wahrnehmen. Wir sind immer offen dafür, diese schulische Realität wirklich in die Seminare einzubeziehen. [/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]

  • Bildungspolitischer Dialog in Berlin 2023

    Bildungspolitischer Dialog in Berlin 2023

    Spielraum für Schulen erweitern
    Bildungspolitischer Dialog in Berlin 2023

    Neue Ideen für Schulen und das Lernen entwickeln, Mitstreiter:innen finden, Allianzen bilden und sich zuhören – das waren die Ziele des dritten Bildungspolitischen Dialogs der Heraeus Bildungsstiftung. Ein besonderer Gast des Abends: Katharina Günther-Wünsch, Berliner Senatorin für Bildung, Jugend und Familie sowie Präsidentin der Kultusministerkonferenz.

    Nach Dresden und Frankfurt war Berlin, anlässlich der dortigen Preisverleihung des Deutschen Lehrkräftepreises, der Ort für den Austausch von Persönlichkeiten aus Schule, Stiftung, Gesellschaft und Politik. Christine Heraeus, stellvertretende Vorstandsvorsitzende, begrüßte und Martin Fugmann, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied der Heraeus Bildungsstiftung, führte durch den Abend.

    Einen spannenden Hintergrundblick in die Welt des Kunsthandwerks und als Inspiration für mögliche außerschulische Lernorte gedacht, bot der Einstieg in den Abend mit einer kurzen Führung durch die Bildgießerei Hermann Noack. Im Anschluss wechselten sich Impulse, Fragerunden und Tischgespräche ab. Die Perspektiven waren vielfältig: vom Schüler*innenblick bis hin zum Fokus einer Schulaufsicht oder eines Medienverlags.

    Individualisierung, Kollaboration, veränderte Prüfungskultur

    Während die Schüler*innen interessierte, wie man individuelle Kompetenzen wie Problemlösefähigkeit oder Empathie in der Schule durch „anderes“ Lernen stärken könnte, zielte die Perspektive von Politik und Stiftung auf die dazu notwendige Freiheit der Gestalter*innen in Schulen im System ab. Welchen Radius braucht man, um Individualisierung, Beziehungskultur und Kollaboration fördern zu können? Wie kann eine veränderte Prüfungskultur umgesetzt werden und so das gemeinsame und zugleich individuelle Lernen an den Schulen vorangebracht werden? Kann man aktuell nur im „Graubereich“ gute Schule machen?

    Mehr Raum und Zeit für Teamarbeit an Schulen

    Das Krisenthema Lehrkräftemangel hatte auch seinen Platz: Ist ein gemeinsames Angehen dieses Problems durch die 16 Bundesländer möglich? Wie kann man Quereinsteiger*innen gut vorbereiten? Wie gelingt es, die attraktiven Aspekte des Lehrerberufs für junge Menschen darzustellen und ihnen im Schulalltag auch wirklich Platz zu geben? Die Entlastung von Administrations- und IT-Aufgaben sowie mehr Raum und Zeit für Teamarbeit im Kollegium waren Wünsche und Forderungen.

    Unstrittig war, dass sich die veränderten, digitalisierten Lebens- und Arbeitswelten auch in der Lehrkräfteausbildung abbilden müssen. Das Verwobensein von Schule und Gesellschaft erfuhr beim Dialog auch einen noch weiteren Blick: Nicht nur die Schulen bräuchten eine Öffnung hin zur Gesellschaft, Bildung solle vielmehr ebenfalls als Gesellschaftsaufgabe verstanden werden – etwas, das eben nicht nur in der Schule stattfindet.