Schlagwort: Wohlbefinden

  • next:schule gestartet

    next:schule gestartet

    Aufbruchstimmung im Stiftungshaus in Hanau am 16. September: Das Pilotprogramm next:schule – für verbindungsstarke Schulentwicklung ist gestartet. Sieben hessische Schulen gehen gemeinsam mit unseren Trainer:innen auf eine zweijährige Lernreise. Jede Schule bringt eigene Fragen und Erfahrungen mit. Gemeinsam entwickeln sie daraus ihren eigenen Weg zur Schulentwicklung.

    Zum Auftakt durchliefen die Schulteams zusammen mit den Trainer:innen einen Parcours. Dabei packten sie symbolisch ihren Rucksack für die anstehende Expedition. An verschiedenen Stationen ging es um Beziehungskultur, Partizipation und Wohlbefinden. Die Gespräche und Aufgaben gaben erste Orientierung und machten deutlich, worauf es bei next:schule ankommt: Schulentwicklung kommt in Bewegung, wenn Menschen miteinander ins Handeln kommen.

    Der Tag hat den Schulteams, den Trainer:innen und dem Stiftungsteam spürbar Rückenwind gegeben. In ihren Rucksäcken nehmen sie viele Eindrücke, neue Fragen und erste Ideen für die nächsten Etappen mit.

    Schüler:innen sind mittendrin

    Bei next:schule sitzen Schüler:innen, Lehrkräfte und Schulleitungen gemeinsam im sogenannten Transformationsteam der Schule. Die Schüler:innen bringen ihre Perspektiven, Fragen und Erfahrungen ein. Sie gestalten die Entwicklung ihrer Schulen von Anfang an aktiv mit.

    „Es wird häufig über Schüler:innen gesprochen und viel zu selten mit ihnen gesprochen. Bei next:schule stehen ihre Bedürfnisse im Zentrum. Sie sind ganz aktiv am Veränderungsprozess beteiligt. Dadurch entsteht Selbstwirksamkeit und Verbindung – und das stärkt das Wohlbefinden“, sagt Christine Heraeus, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Heraeus Bildungsstiftung.

    „Wir müssen die Schüler:innen beteiligen“

    Christine Heraeus und Martin Fugmann sprechen über das neue Transformationsprogramm next:schule.

    Für die Teilnahme konnten sich hessische Schulen aus unserem Stiftungsnetzwerk bewerben. Für die Pilotphasen haben wir sieben Schulen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Entwicklungsfragen ausgewählt:

    • Albert-Einstein-Schule Schwalbach am Taunus
    • Freiherr-vom-Stein-Schule Immenhausen
    • Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule Ober-Ramstadt
    • Gymnasium Philippinum Weilburg
    • Integrierte Gesamtschule Solms
    • Joachim-Schumann-Schule Babenhausen
    • Otto-Hahn-Schule Hanau

    Den eigenen Weg entwickeln

    Bei next:schule gibt es kein fertiges Entwicklungsziel. Jede Schulgemeinschaft entscheidet ausgehend von ihrer Situation, woran sie arbeiten möchte. Wir begleiten die Schulen mit gemeinsamen Lernformaten und individueller Prozessbegleitung. Ein datengestütztes Verfahren hilft ihnen, den eigenen Entwicklungsstand zu reflektieren und Fortschritte sichtbar zu machen.

    „Unser Ziel ist, Veränderungen direkt in den Schulen anzustoßen. Wir wollen das weniger dem Zufall überlassen. Deshalb möchten wir gemeinsam mit den Menschen vor Ort eine Verantwortungsgemeinschaft bilden. Über zwei Jahre arbeiten wir daran, beziehungsstarke Schulen zu gestalten“, erklärt Martin Fugmann, geschäftsführender Vorstand der Heraeus Bildungsstiftung.

    Die sieben Schulen werden sich im Netzwerk regelmäßig austauschen und voneinander lernen. Ihre Erfahrungen aus der Pilotphase 2026 bis 2028 fließen in die Weiterentwicklung von next:schule ein.

    Die ersten Schritte sind gemacht. Jetzt beginnt die gemeinsame Arbeit für verbindungsstarke Schulen.

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  • next:schule: Warum Schulentwicklung starke Verbindungen braucht

    next:schule: Warum Schulentwicklung starke Verbindungen braucht

    Mit next:schule startet die Heraeus Bildungsstiftung ein zweijähriges Pilotprojekt zur Schulentwicklung. Christine Heraeus und Martin Fugmann erklären, warum Teams und Schüler:innenpartizipation im Programm eine zentrale Rolle spielen.  

    Warum braucht es next:schule gerade jetzt?  

    Martin Fugmann:
    Schulen stehen unter einem enormen Druck, und wir erleben Schulleitungen und Teams, die sich Veränderungen herbeisehnen und klare Vorstellungen davon haben, wie sich ihre Schulen entwickeln müssten. Unsere Seminare bestärken sie und vermitteln das methodische Rüstzeug. Gleichzeitig sehen wir, dass es um ein Zusammenspiel geht: von punktuellen Impulsen, individuellem Coaching und der Begleitung von ganzen Teams. Veränderungsbereite Schulen brauchen eine nachhaltige Begleitung als ganze Organisation. Dazu gehören auch die Schüler:innen – nicht nur als Adressaten, sondern als Akteure.  

    Christine Heraeus:
    Viele Schulleitungen und Lehrkräfte spüren, dass der Veränderungsdruck von außen steigt und möchten sich verändern. Dabei brauchen sie längerfristige Unterstützung, die wir ihnen gerne anbieten möchten. 

    Warum ist es so wichtig, die Schüler:innen einzubeziehen? 

    Martin Fugmann:
    Wir sind überzeugt davon, dass eine verbindungsstarke Schule den Unterschied macht. Wenn sich die Bildungsrealität für die Schüler:innen ändern soll, dann müssen wir sie beteiligen. Wir unterstützen sie dabei, sich zu organisieren, ihre Ziele zu klären und diese zu kommunizieren. Dann können sie gemeinsam mit Lehrkräften und Schulleitungen Veränderungen wirksam gestalten. 

    Christine Heraeus:
    Es wird häufig über Schüler:innen gesprochen und viel zu selten mit ihnen gesprochen. Bei next:schule stehen ihre Bedürfnisse im Zentrum. Sie sind ganz aktiv am Veränderungsprozess beteiligt. Dadurch entsteht Selbstwirksamkeit und Verbindung – und das stärkt auch das Wohlbefinden. 

    Martin Fugmann:
    Wir müssen die Realitäten der Kinder und Jugendlichen zum Ausgangspunkt machen. Gerade die Bildungsrealitäten von Kindern aus bildungsfernen Schichten kennen wir oft zu wenig. Dieser Dialog fördert das Lernen auf beiden Seiten. 

    Warum ist die Heraeus Bildungsstiftung die richtige Partnerin für dieses Programm? 

    Martin Fugmann:
    Unser Ziel ist, Veränderungen direkt in den Schulen anzustoßen. Wir wollen das weniger dem Zufall überlassen. Deshalb möchten wir gemeinsam mit den Menschen vor Ort eine Verantwortungsgemeinschaft bilden. Über zwei Jahre arbeiten wir daran, beziehungsstarke Schulen zu gestalten. 
    Ich bin überzeugt, dass wir die Kompetenz haben, um diese Prozesse gut zu gestalten. Wir haben uns gezielt Expertise von erfahrenen Organisationsentwickler:innen in die Stiftung und in das Team geholt. Gemeinsam arbeiten wir nun an einer langfristigen Begleitung. 

    Christine Heraeus:
    Was uns besonders stark macht: Wir tun selbst, was wir von den Schulen erwarten. 
    Wir kennen nicht den einen richtigen Weg, sondern wir begeben uns auf Augenhöhe. Wir sprechen mit den Menschen vor Ort und suchen gemeinsam nach Lösungen. Wir geben den Schulen kein festgelegtes Programm vor, sondern erarbeiten die Veränderung miteinander. 

    Die Schulen werden von Transformationsbegleiter:innen unterstützt. Welche Rolle nehmen sie ein?

    Martin Fugmann:
    Die Transformationsbegleiter:innen arbeiten eng mit den Schulen zusammen. Sie beraten und unterstützen sie. Zugleich fordern sie die Schulen gezielt heraus, damit sieihre Ziele nicht aus den Augen verlieren und den Transformationsprozess voranbringen.
    Die Begleiter:innen sind erfahrene Trainer:innen, mit denen wir bereits seit Langem vertrauensvoll zusammenarbeiten. Sie bringen umfassende Erfahrung in der Persönlichkeits- und Organisationsentwicklung mit.

    Was müssen die Schulen einbringen?

    Christine Heraeus:
    Die Schulen brauchen Offenheit und Commitment für den zweijährigen Prozess. Wichtig ist auch ein gemeinsames Zielbild: An der Schule sollen Beziehungen gestaltet werden. Schulleitung, Kollegium und Schülerschaft sollen miteinander eine große Gemeinschaft werden. Und vor allem sollen die Schüler:innen partizipieren.

    Welche Rolle spielen Widerstände und Rückschläge auf dem Weg der next:schulen?

    Martin Fugmann:
    Uns ist wichtig, die Schulen in einen lebendigen Prozess zu bringen. Wir helfen ihnen, trotz Störungen immer wieder auf ihren Weg zurückzufinden. 

    Christine Heraeus:
    Veränderung ist unheimlich schwierig. Aber sie kann gelingen, wenn man Schwierigkeiten annimmt und gemeinsam weiterdenkt. 
    Das ist wie bei einer Wanderung. Wenn auf dem Weg Kühe stehen, nimmt man eine andere Route, behält aber das Ziel im Blick. Widerstände und Rückschläge können dann etwas Positives sein. 

    Woran erkennt die Stiftung, dass es ein erfolgreicher Prozess war?

    Christine Heraeus:
    Erfolgreich ist der Prozess, wenn Schüler:innen, Lehrkräfte und Schulleitungen gerne in die Schule gehen und Freude am Lernen entwickeln. Sie sollen sich selbstwirksam fühlen und tragfähige Beziehungen aufbauen. 
    Alle sollen willkommen sein und so lernen können, wie sie können. 

    Martin Fugmann:
    Ein wichtiges Zeichen wäre: „Da ist etwas anders geworden. Wir gehen anders miteinander um. Wir fühlen uns mehr gehört.“ Unsere Evaluation soll zeigen, ob sich Beziehungen und der Umgang miteinander verändert haben. 

    Christine Heraeus:
    Idealerweise haben wir uns nach den zwei Jahren obsolet gemacht, weil sich die Schulen zu lernenden Systemen entwickelt haben und sich ohne unsere Begleitung weiterentwickeln. 

    Was sollen andere Schulen von next:schule lernen?  

    Christine Heraeus:
    Andere Schulen sollen sehen: Jede Schule kann sich verändern, völlig unabhängig von ihren Rahmenbedingungen und Voraussetzungen. 

    Martin Fugmann:
    Wir wollen zeigen, welches Handwerkszeug Schulen für nachhaltige Entwicklungsprozesse brauchen – und welche Begleitung sie dabei unterstützt.

    Und was will die Stiftung in den nächsten zwei Jahren lernen? 

    Christine Heraeus:
    Für uns ist es eine große Chance, Schulen direkt zu begleiten und ihnen aufmerksam zuzuhören. So lernen wir, was Schulen brauchen, und können daraus neue, passgenaue Programme entwickeln. 

    Martin Fugmann:
    Wir gewinnen tiefere Einblicke darin, wie Schulleitungen, Lehrkräfte und Schüler:innen in Teams zusammenwirken.

    Bitte ergänzt zum Abschluss den folgenden Satz:
    next:schule ist für die Heraeus Bildungsstiftung…

    Martin Fugmann: …ein neues Lernfeld. 

    Christine Heraeus: …ein Projekt, mit dem wir sieben Schulen in einem Netzwerk dabei begleiten, Orte demokratischer Kultur und gemeinsamer Verantwortung zu werden. Orte, die von einer starken Beziehungskultur getragen werden. 

    Vielen Dank.

  • Warum Positive Psychologie Schule nachhaltig verändert

    Warum Positive Psychologie Schule nachhaltig verändert

    Mandy Geisler und Sven von der Heyde sitzen an einem Holztisch während des Interviews zum Thema psychologische Sicherheit
    Programmleiterin Mandy Geisler und Traíner Sven von der Heyde

    Im Gespräch erläutern Programmleiterin Mandy Geisler und Trainer Sven von der Heyde, warum dieser Ansatz Schulen stärkt, wie er im Alltag wirkt – und warum er ein tragendes Fundament für nachhaltige Schulentwicklung ist. 

    Was verbindet ihr persönlich mit Positiver Psychologie – und warum ist sie für Schulen relevant? 

    Mandy Geisler:  
    Für mich bedeutet die Umsetzung der Erkenntnisse der Positive Psychologie einen echten Kulturwandel. Schule habe ich häufig als Ort von Leistungsdruck und Stress erlebt – Wohlbefinden spielte dabei oft nur eine Nebenrolle. Dabei ist genau das eine zentrale Voraussetzung für gutes Lernen: eine positive Kultur, in der Kinder und Jugendliche sich sicher fühlen und gern lernen. 

    Ein zweiter Punkt ist für mich der Blick auf Unterrichtsstörungen. Die Antwort darauf ist traditionell die Verstärkung von Ordnung, Routinen und Classroom-Management. Aus meiner Sicht liegt der entscheidende Hebel jedoch in der Prävention: in einer gemeinsam getragenen Basis aus Vertrauen, Beziehung und klaren Werten. Störungsfreien Unterricht wird es nie geben – aber in einer tragfähigen Gemeinschaft treten Störungen seltener auf oder sie werden anders wahrgenommen und konstruktiver bearbeitet. 

    Das Beachten von Elementen der positiven Psychologie setzt genau hier an: nicht bei einzelnen Methoden oder Maßnahmen, sondern bei der Kultur einer Schule – bei den Bedingungen, unter denen Lernen, Entwicklung und Gemeinschaft überhaupt möglich werden. 

    Sven von der Heyde:  
    Schon als Lehrkraft habe immer ich versucht, die Erkenntnisse der Positiven Psychologie für die Gestaltung des Lernens zu nutzen. Entscheidend war für mich dabei auch, dass es  eine wissenschaftliche Grundlage für mein pädagogisches Handeln gibt:  eine positive Atmosphäre schaffen, psychologische Sicherheit geben, Fehlerfreundlichkeit leben. 

    Das Schöne ist: Eine positive Schul- und Lernkultur lässt sich systematisch mit Kollegien entwickeln – und wird so das Fundament für erfolgreiche Schulentwicklung. Die Resonanz ist groß: bei Schulleitungen, Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern und auch bei Eltern. 
    Positive Psychologie ist kein pädagogischer Trend, sondern ein evidenzbasierter Ansatz, der Struktur und Sprache für Schulentwicklung liefert. 

    Was PERMA bedeutet – und warum es Führung in Schule betrifft 

    Die Positive Psychologie geht maßgeblich auf Martin Seligman zurück. Sein Ansatz ergänzt die klassische Psychologie um die Frage: Was brauchen Menschen, um sich zu entfalten – nicht nur, um weniger zu leiden? 

    Das PERMA-Modell beschreibt fünf Faktoren von Wohlbefinden: 

    • P – Positive Emotionen (z. B. Freude, Dankbarkeit, Stolz) 
    • E – Engagement (stärkenorientiertes Arbeiten) 
    • R – Relationships (tragfähige Beziehungen, psychologische Sicherheit) 
    • M – Meaning (Sinnorientierung) 
    • A – Accomplishment (Ziele erreichen, Erfolge sichtbar machen) 

    Mit PERMA-Lead übertrug Dr. Markus Ebner dieses Modell auf Führung. Für die Heraeus Bildungsstiftung meint Führung dabei nicht nur Schulleitung: Auch Lehrkräfte gestalten als Führungspersonen den Lernraum und die Beziehungskultur.  

    Wie lassen sich die fünf PERMA-Säulen auf Schule übertragen? 

    Sven von der Heyde:  
    PERMA ist kein abstraktes Modell, sondern ein Orientierungsrahmen für Führung, Lernen und Zusammenarbeit. 

    • Positive Emotionen lassen sich fördern – nicht nur durch Humor und „Witze erzählen“, sondern durch gezielte Fragen, Strukturen und die Gestaltung von Zusammenarbeit. 
    • Engagement entsteht, wenn der Blick auf Stärken statt Defizite gerichtet wird – auch bei Personaleinsatz und Schulentwicklung. 
    • Relationships brauchen Vertrauen und psychologische Sicherheit: Fehler dürfen sein, Lernen bleibt möglich. 
    • Meaning heißt, das „Warum“ von Schule und Unterricht immer wieder zu klären – gerade in unsicheren Zeiten. 
    • Accomplishment bedeutet, Fortschritte sichtbar zu machen – individuell und als Schulgemeinschaft. Das stärkt Selbstwirksamkeit. 

    Wie stärkt PERMA die Beziehungskultur an Schulen? 

    Sven von der Heyde: 
    Es gibt Hebel, die in vielen Schulen funktionieren. Damit entstehen Vertrauen, Selbstwirksamkeit und eine Kultur, in der Lernen möglich wird. 

    • Im Kollegium: durch kollegiale Beratung, Hospitation und offene Gespräche über Herausforderungen. 
    • Im Unterricht: durch projektorientiertes und fächerübergreifendes Arbeiten und offene Lernformen, die Beziehung ermöglichen. 
    • In der Schulentwicklung: durch das bewusste Sichtbarmachen von Fortschritten und gemeinsam Erreichtem. 

    Wie reagieren die Teilnehmenden in den Seminaren darauf? 

    Sven von der Heyde: 
    Die Resonanz ist sehr positiv, weil die meisten Teilnehmenden eine ausgeprägte wertschätzende Grundhaltung mitbringen. Das PERMA-Lead-Modell gibt ihnen dann ein Framework, mit dem sie systematisch eine positive Lernkultur fördern können. Wichtig ist gleichzeitig die Klarstellung: Positive Psychologie kommt nicht on top. Sie lässt sich mit dem verbinden, was ohnehin geschieht – und kann entlasten, Energie geben und Wirkung verstärken. 

    Die Stiftung setzt mit dem neuen Programm: next:schule – für verbindungsstarke Schulentwicklung auf eine längerfristige Prozessbegleitung. Welche Rolle spielt die Positive Psychologie dabei? 

    Mandy Geisler: 
    Positive Psychologie ist für mich nicht nur ein Baustein dieses Programms, sondern das Fundament. Sie zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Arbeit – auch in der Idee, Schulen zu vernetzen, damit sie gemeinsam wachsen.  
    Damit wird Positive Psychologie zum verbindenden Element zwischen Führung, Lernen und langfristiger Schulentwicklung. 

    Auf den Punkt: Warum brauchen Schulen mehr Positive Psychologie und PERMA? 

    Mandy Geisler:  
    Ich wünsche mir Schulen als „beste Lern- und Lebensorte“ für unsere Kinder und Jugendlichen: Orte, an denen alle, natürlich auch die Lehrkräfte, gerne morgens gehen, wo sie sich alle sicher fühlen, Gemeinschaft erleben, Fehler machen und lernen dürfen. Wenn Menschen gern in Schule gehen, ist die Verbindung zu Lernen und Leistung klar: Dann will man lernen und hat Freude am eigenen Wachstum.  

    Sven von der Heyde: 
    Wir wissen aus der Forschung, dass Positive Psychologie das Wohlbefinden aller Beteiligten steigern kann. Gerade weil psychische Belastungen hoch sind, gehört das zum Auftrag von Schule. Und: Es ist kein Widerspruch zu Leistung, sondern leistungsfreundlich – weil ein positives akademisches Selbstkonzept in Verbindung mit einem Growth Mindset lebenslanges Lernen unterstützen. 

  • Partizipation und Vertrauen stärken Wohlbefinden in Schule

    Partizipation und Vertrauen stärken Wohlbefinden in Schule

    Besonders betroffen sind junge Menschen aus einkommensschwachen Familien. Viele Schüler:innen berichten zudem von hohem Leistungsdruck und dem Gefühl, selbst an Wochenenden lernen zu müssen.

    Eine große Kluft zeigt sich beim Thema Mitbestimmung: Während drei Viertel der Schüler:innen mehr Einfluss auf Unterrichtsthemen oder Prüfungsformate wünschen, geben vier Fünftel an, hier kaum mitreden zu können.

    „Kinder und Jugendliche sind die Expert:innen, wenn es um ihre Anliegen geht. So müssen wir sie auch behandeln“, betont Anna Gronostaj, Bildungsexpertin der Robert Bosch Stiftung. „Wenn Schüler:innen gehört werden wollen, Lehrkräfte aber keinen Bedarf sehen, brauchen wir dringend einen Dialog zwischen den Beteiligten. Echte Partizipation ist kein ‚Nice-to-have‘ – sie ist Grundlage für Wohlbefinden und gelebte Demokratie in der Schule.“

    Wir helfen Schulen, Beziehungskultur und Wohlbefinden zu stärken

    Hier setzen wir mit unseren Angeboten für eine tragfähige Beziehungskultur an.
    Denn Beteiligung gelingt dort, wo Menschen einander vertrauen – und sich selbst etwas zutrauen.

    Mit unserem neuen Programm next:schule vertiefen wir diesen Ansatz in einer Pilotphase mit ausgewählten Schulen. Über zwei Jahre hinweg begleiten wir sie in einem gemeinsamen Lern- und Veränderungsprozess.

    Schulleitungsteams, Lehrkräfte und Schüler:innen – alle gestalten aktiv mit.
    Damit Vertrauen, Beteiligung und Wohlbefinden im Schulalltag wachsen.

  • „Wohlbefinden ist eine zentrale Aufgabe der Schulleitung“

    „Wohlbefinden ist eine zentrale Aufgabe der Schulleitung“

    André Szymkowiak im Gespräch mit Thorsten Timmerarens
    André Szymkowiak © Heraeus Bildungsstiftung

    André Szymkowiak leitet das Gymnasium Thusneldastraße in Köln. 2023 wurde er mit dem Deutschen Lehrkräftepreis in der Kategorie „Vorbildliche Schulleitung“ ausgezeichnet. Für ihn steht fest: Wohlbefinden ist kein „Nice-to-have“, sondern die Grundlage für gelingendes Lernen – und damit eine zentrale Aufgabe der Schulleitung. Im Gespräch erklärt er, wie Vertrauen, Beteiligung und klare Strukturen Schule verändern können.  

    André, Wohlbefinden ist für dich die Grundlage jeder Schulgemeinschaft. Ist das nicht etwas übertrieben?  

    André Szymkowiak: Für mich ist völlig klar: Gerne zur Schule zu kommen und gerne zu lernen ist die Basis, damit Lernen wirklich stattfindet. Natürlich kann man auch durch Druck lernen, weil man Prüfungen bestehen muss – aber das ist kein echtes, innerlich motiviertes Lernen. Wir wollen, dass aus Überzeugung gelernt wird. Das gelingt nur in einer guten Atmosphäre – wenn man gerne hingeht und sich wohlfühlt.

    Was folgt daraus für Schulleitungen? 

    Wenn man das ernst nimmt, muss man überlegen, wie diese Atmosphäre entsteht. Dazu gehört, dass auch das Kollegium gerne zur Schule kommt. Wenn Lehrerinnen und Lehrer mit „dickem Hals“ kommen, können sie keine positive Stimmung verbreiten. Meine Aufgabe ist es, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass sie gerne kommen. Das setzt sich durch die ganze Schulgemeinschaft fort – auch Eltern müssen sich willkommen fühlen und nicht als Störfaktor. Das braucht Zeit, aber irgendwann spüren es alle.

    Gab es einen persönlichen Moment, der diesen Gedanken bei dir gefestigt hat?  

    Ich habe als Lehrer in verschiedenen Kontexten erlebt, dass Kolleginnen und Kollegen gegeneinander gearbeitet haben und die Schulleitung auf Wohlbefinden kein Wert gelegt hat. Da bleibt unglaublich viel Potenzial liegen, weil Menschen innerlich kündigen. Das können wir uns nicht leisten.

    War für dich klar: Wenn ich mal in der Schulleitung bin, mache ich es anders? 

    Ja, definitiv. Es gibt nicht den perfekten Schulleiter oder die perfekte Schulleiterin. Man muss seinen eigenen Weg finden – von guten und schlechten Vorbildern lernen. Manche übernehmen Verhaltensmuster, die sie selbst früher kritisiert haben, nach dem Motto: So macht man das eben. Das ist falsch. Man muss reflektieren und bewusst anders handeln.

    Wie äußert sich das in deinem Führungsstil?

    Durch Verantwortung und Vertrauen. Ich halte mich bewusst zurück, auch wenn ich anderer Meinung bin – das ist nicht leicht. Aber wenn man alles selbst entscheidet, kommen alle ständig zur Absicherung. Ich will, dass sie selbst entscheiden. Ich berate, aber ich bestimme nicht. Führen heißt für mich: laufen lassen können.

    Wie sieht das in der Praxis aus?

    Wir arbeiten mit Koordinationsteams statt Einzelverantwortlichen. Die Teams entscheiden alles, was ihren Bereich betrifft. Beispiel: die Einschulung der Fünftklässler:innen. Das macht das Team Erprobungsstufe komplett – inklusive Anmeldegespräche. Viele Schulen erwarten, dass die Schulleitung diese Gespräche führt. Ich halte mich raus, weil das Team sagt: Wir müssen die Kinder kennen. Dann mache ich das nicht – konsequent.

    Du hast die Eltern angesprochen. Wie holst du sie ins Boot?  

    Durch echte Gespräche, nicht durch Newsletter. Ich spreche regelmäßig mit der Schulpflegschaft und den Elternvertretungen. So entsteht Partizipation: Sie erhalten mehr Informationen, werden in Prozesse eingebunden und erleben, dass ihre Meinung zählt. Wichtig ist, diesen Mehrwert einzulösen – nicht fragen und dann doch allein entscheiden.
    Ein Qualitätsmerkmal für mich: Wir haben rund 35 % Geschwisterkinder. Familien, die ihre Kinder schon bei uns haben, schicken auch die nächsten – obwohl es in Köln viele Alternativen gibt. Das ist der beste Vertrauensbeweis.

    Welche ersten Schritte würdest du empfehlen, um eine solche Kultur aufzubauen?  

    • Zuhören. Mit dem Kollegium sprechen: Wie geht es dir? Was brauchst du?
    • Verantwortung geben. Entscheidungen dort treffen lassen, wo sie anfallen.
    • Ansprechbar sein. Sichtbar sein, Präsenz zeigen, Vertrauen aufbauen.

    Zum Schluss – deine Botschaft an Schulleitungen in Deutschland?  

    Jedes Individuum mit seinen Bedürfnissen wahrnehmen – Schülerinnen und Schüler, Eltern, Kolleginnen und Kollegen. Wenn jemand ein Problem hat, gemeinsam nach Lösungen suchen, statt zu sagen: Da könnte ja jeder kommen.
    So entsteht Vertrauen – das Gegenteil von Ohnmacht. Das ist Wohlbefinden: sich sicher und ernst genommen fühlen.