Gestärkt aus der Krise: Krisen meistern – digitale Erfahrungen konsequent nutzen

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Die Sommerakademie für Schulleitungen in Baden-Württemberg 2021 | 31.08.2021 bis 2.9.2021

Welches Mindset fördert den sinnvollen Einsatz digitaler Medien im Fach- und Projektunterricht? Welche Erfahrungen aus der Corona-Krise stärken unsere Schulen und worauf sollten wir gleichzeitig gerade jetzt bei den Schüler*innen ein Auge haben? Welche Kompetenzen, welches „Gepäck“ brauchen Schüler*innen, wenn sie die Schule verlassen? Die Sommerakademie für Schulleitungen in Baden-Württemberg stellte große Fragen, gab herausfordernde und trotzdem ermutigende Antworten und bezog sich immer wieder auf den Arbeitsalltag der anwesenden 60 Schulleiter*innen. Kultusministerin Theresa Schopper rief den Führungskräften ein aufrichtiges „Danke“ für das Engagement in den vergangenen eineinhalb Jahren zu.

Hervorragende Speaker – Prof. Dr. Olaf Köller (IPN Kiel), Martin Fugmann (DAPF TU Dortmund),  Prof. Dr. Tobias Renner (Universität Tübingen) und Prof. Dr. Ute Schmid (Universität Bamberg) -, die Teilnahme der Kultusministerin, die Workshops von Trainer*innen der Heraeus Bildungsstiftung sowie die Foren, geleitet von Schulleiter*innen sowie Fortbildner*innen aus dem Landesmedienzentrum und dem ZSL, machten die Tagung spannend und wertvoll. Veranstalter war das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung Baden Württemberg (ZSL), unter der Leitung von Dr. Thomas Riecke-Baulecke, in Kooperation mit der Heraeus Bildungsstiftung. Die Teilnehmer*innen, Schulleiter*innen in ihren Sommerferien, hatten ihrerseits ganz viel im Gepäck: Know-How, Engagement, Neugierde und Leidenschaft für ihren Beruf.

Dr. h. c. Beate Heraeus (Vorstandsvorsitzende der Heraeus Bildungsstiftung) und Dr. Thomas Riecke- Baulecke eröffneten die Sommerakademie: Dr. Thomas Riecke-Baulecke betonte die Relevanz des Schulleiters/der Schulleiterin als Führungspersönlichkeit bei der Bewältigung der schulischen Herausforderungen der Corona-Pandemie sowie die Bedeutsamkeit einer „Kultur der Wertschätzung für Schulleitungen und Lehrkräfte“. In Baden-Württemberg stünden aktuell die individuelle Förderung der Schüler*innen, die Qualifizierung der Schulleiter*innen, die Nutzung von Lernmanagement-Systemen sowie der Einsatz von Feedbackbögen im Fokus des ZSL.

Dr. h. c. Beate Heraeus weitete den Blick hin zu der Frage: „Worauf soll Schule heute vorbereiten?“ und zählte Unterrichtshemen wie Klimawandel, Demokratie und gesellschaftlicher Zusammenhalt auf, deren Brisanz augenscheinlich ist. Sie ermutigte die Schulleiter*innen neugierig zu bleiben, sich während der Akademie „Verbündete“ zu suchen und gemeinsam etwas „Gutes anzustiften“.

„Sie müssen an Ihrer Schule kein CDO sein!“

Prof. Dr. Olaf Köller präsentierte in seinem Vortrag „Schule erfolgreich im 21. Jahrhundert leiten: Eine empirische Analyse“ einerseits die Skills, die Schüler*innen laut OECD im 21. Jahrhundert brauchen, andererseits die Gelingensbedingungen für effektive Schule und gute Lernergebnisse – dazu zählen u.a. ein Schulleitungshandeln, das konsequent auf Effekte im Unterricht orientiert ist, eine positive Schulkultur und echte Schülerpartizipation. Als große und neue, aber gewinnbringende, Herausforderung sah er den klugen Einsatz von digitalen Medien im Fach- und Projektunterricht.  Die Rolle eines CDO, also eines „Chief Digital Officers“, sah er nicht im Verantwortungsbereich der Schulleitung.

„Es gibt ein neues Leitmedium in der Welt: das Digitale“

Martin Fugmann (Schulleiter Evangelisch Stiftisches Gymnasium Gütersloh, ehemaliger Schulleiter der German International School of Silicon Valley und Abteilungsleiter „Bildung und Digitalisierung“ der Deutschen Akademie für Pädagogische Führungskräfte der TU Dortmund) machte deutlich, wie umfassend das neue Leitmedium, das Digitale, Schulen und Unterricht auch in Deutschland verändern könnte – und welche Chancen dies für das Begleiten der Schüler*innen durch die Lehrkräfte und ihr individuelles Lernen bedeutete. Um den „Rucksack“ der Kinder und Jugendlichen, mit dem sie nach der Schule in die Welt gehen, sinnvoll zu packen, sei es wichtig „vorwärts zu handeln“ und „rückwärts“, also vom Beginn der Bildungslaufbahn an, zu denken.

„Schule ist noch mehr Sozialraum als unter Normalbedingungen“

Prof. Dr. Tobias Renner teilte in seinem Impuls seine Erkenntnisse über die Auswirkungen der Pandemie auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Interessant: Die Kinder und Jugendlichen in den zitierten Studien zeigten eine hohe Resilienz – dem stünde aber die lange Dauer der Pandemie entgegen, so Renner. Im zeitlichen Verlauf erlebten er und seine Kolleg*innen eine Steigerung von Krankheitsbildern wie Magersucht oder depressiven Erkrankungen. Vor allem Kinder mit weniger Ressourcen seien in ihrer psychosozialen Entwicklung gefährdet. Den Schulleiter*innen empfahl er das individuelle Ankommen an der Schule zu fördern, Raum für Bewegungsangebote zu schaffen, eine enge Zusammenarbeit zu den externen Hilfesystemen zu suchen und für Alle in der Schulgemeinschaft klare Szenarien für Situationen wie Quarantäne oder Wechselbeschulung aufzusetzen.

Das menschliche Privileg, ein Leben lang zu lernen

„Was Schülerinnen und Schüler heute über KI wissen müssen, um die Welt von morgen mitgestalten zu können“ – so der Titel des Impulses Prof. Dr. Ute Schmid (Professorin für Angewandte Informatik mit Schwerpunkt Kognitive Systeme an der Universität Bamberg). Sie ging in ihrem Vortrag sowohl darauf ein, was Kinder und Jugendliche über Künstliche Intelligenz (KI) lernen sollten als auch wie KI eingesetzt werden kann, um lehren und lernen individuell zu unterstützen. Auch ohne Informatikhintergrund könne den Kindern ein Einblick in KI-Konzepte helfen, KI-Systeme realistischer zu bewerten, so Schmid. Sie beleuchtete die Unterschiede zwischen menschlicher und künstlicher Intelligenz und  wies auf das menschliche Privileg hin, ein Leben lang lernen zu können.

Eine Podiumsdiskussion, Workshops und Foren gaben den Teilnehmer*innen Raum und Zeit, ihre Bedürfnisse zu artikulieren, ihre eigene Schulsituation zu reflektieren und gemeinsam an ihren Themen zu arbeiten. Ihr Rucksack, ihr Gepäck dürfte nach der Tagung noch besser für ihren Alltag gepackt sein.

Trainerin Barbara Riese (re.) im Gespräch
Trainer Christian Berndt im Austausch
Trainerin Britta Bayer
Schulleiter Martin Fugmann
Gruppenbild mit Teilnehmer*innen und u.a. Kultusministerin Theresa Schopper (vorne, Mitte), Dr. h. c. Beate Heraeus (vorne, li.) und Dr. Thomas Riecke-Baulecke (vorne, re.)
Ein Trainer arbeitet an einer Wand aus Pappwürfeln mit Post-its.
Gruppenbild mit Prof. Olaf Köller, Dr. h. c. Beate Heraeus und Dr. Thomas Riecke-Baulecke.
Dr. h. c. Beate Heraeus vor dem Mikro.
Detailbild einer Hand mit Kuli
Gruppenbild der Teilnehmer*innen
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