Ziele in Bewegung bringen: Interview mit Ulrike Schmidt

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Ziele in Bewegung bringen

Ulrike Schmidt ist Teil des Schulleitungsteams der Eichendorffschule in Kelkheim, einer kooperativen Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe und knapp 1.400 Schüler*innen. Sie habe keinen „klassischen“ Posten im neunköpfigen Leitungsteam, sagt sie. Lächelnd spricht sie von ihrem „Gemischtwarenladen“ und zählt auf, wofür sie u. a. verantwortlich ist: die Fortbildungen des Kollegiums, Öffentlichkeitsarbeit, die Lehrer- und Schülerdatenbank (LUSD), das Schulportal oder auch die Umsetzung der Corona-Regelungen an der Schule. Fragt man die Mathematik- und Religionslehrerin, wie sie ihre Schule mit nur drei Punkten beschreiben würde, antwortet sie: „1. vielfältig, 2. immer in Bewegung, 3. ein Stückchen Heimat“.

Sie hat sich für unsere Fragen zu ihrer Schule, zur Rolle von Schulleitung und zur hessischen Voramtsqualifizierung „QSH“ Zeit genommen.

Der Schulabschluss ist geschafft – was nehmen Ihre Schüler*innen mit?
Im Idealfall haben sie gelernt, mit verschiedenen Menschen klarzukommen, mit ihnen zu kooperieren und sich in eine größere Gruppe zu integrieren. Durch die Größe unserer Schule muss man sich hier ein wenig „einsortieren“, aber dadurch – das hoffe ich – lernen die Schüler*innen auch, ihren eigenen Standpunkt argumentativ zu vertreten.

Sie sind Mitglied eines Schulleitungsteams – welche Kernkompetenzen braucht ein Leitungsteam Ihrer Meinung nach an einer Schule heute? Welche Persönlichkeiten sind aus Ihrer Sicht gefragt?
Aus meiner Sicht müssen die Schulleitungsmitglieder auf ihre Weise für ihren eigenen Bereich brennen. Es braucht persönliches Engagement, denn nicht immer gibt es einen praktischen Leitfaden für die eigenen Aufgaben. Aber man muss auch den Blick für das Ganze behalten und die Zusammenhänge sehen. Es gibt da diesen Begriff aus der Psychologie, „Awareness“, der ein Bewusstsein der Person für ihre Umgebung und die sich daraus ergebenden Handlungsmöglichkeiten meint, also zum Beispiel die Anliegen und Themen der einzelnen Kolleg*innen an der Schule. Es bringt viel in der Kommunikation, wenn man eben nicht nur auf seiner eigenen Spur unterwegs ist.

Sie nehmen an der Voramtsqualifizierung „QSH“ für Schulleitungen teil – warum bringt Sie das weiter und woran merken Sie das bei Ihrer täglichen Arbeit?
Bei QSH kann ich meine Rolle und meine Haltung systematisch reflektieren, das kommt im Alltag oft nicht vor, da man als Schulleitungsmitglied in der Regel keine Supervision o. Ä. hat. Aber trotzdem ist man ja in einer Leitungsfunktion!
Außerdem haben wir bei QSH viele Techniken gelernt, für Kommunikation oder auch für Entwicklungsprozesse. Manches kannte ich schon – aber dieses gründliche Bearbeiten und vor allem das praktische Testen und Ausprobieren waren wirklich hilfreich. Ich merke bereits, dass ich sicherer geworden bin in Entscheidungsprozessen oder auch in der Kommunikation mit Kollegen. Das führt schon jetzt zu besseren Lösungen.

QSH fand komplett virtuell statt – organisiert als Curriculum aus synchronen und asynchronen Bestandteilen und unterstützt durch eine Lernplattform. Wie hat diese Art der Weiterbildung für Sie „funktioniert“?
Die Zwischenlernphasen, in denen man das Material bearbeitet, funktionieren wunderbar – aber für die Gruppenphasen finde ich Präsenz unschlagbar. Der QSH-Trainer hat es zwar gut geschafft, eine vertraute Atmosphäre herzustellen – trotzdem lebt eine Weiterbildung ja auch davon, dass man beim Kaffee plaudern, sich besser kennenlernen und vernetzen kann. Das ist auch für das Danach wichtig, wenn man sich mal mit einer Frage an jemanden wenden möchte, der in derselben Situation ist. Die Hemmschwelle, sich in die Rollenspiele hineinzubegeben, war für mich allerdings virtuell sogar niedriger!

QSH besteht aus fünf Modulen – Kommunikation, unterrichtswirksame Führung, Veränderungsprozesse, Schulbudget und Schulrecht. Die drei ersten haben Sie bereits absolviert. Welchem galt Ihr besonderes Interesse und warum?
Das Thema Kommunikation finde ich am wichtigsten. Weil Kommunikation als Metaebene auf alles einwirkt, egal ob es um Konflikte oder um Veränderungsprozesse geht. Letztendlich läuft alles immer über Kommunikation – sie muss gelingen, damit anderes funktioniert.

Meine TOP-3-Erkenntnisse aus QSH sind …
1. Wir kommen weiter in der Schulentwicklung mit Methoden des agilen Arbeitens, können auch kleinschrittig Neues ausprobieren und brauchen nicht immer erst einen Gesamtkonferenzbeschluss mit großem Konzept.
2. Eigentlich ein alter Hut, aber: Es funktioniert nur im Team – als Schulleitungsteam genauso wie im Team mit dem Kollegium!
3. Sich Ziele zu „setzen“, bleibt statisch, Ziele müssen in Bewegung gebracht werden. So werden Prozesse angestoßen und dabei entwickelt sich das Ziel selbst weiter.

Wenn Sie sich noch ein sechstes Modul wünschen dürften – wie hieße es?
Es hieße „Vernetzte Schule“: Schulen tun oft so, als wären sie eine Insel. Dabei ist es sehr hilfreich, sich mit Nachbarschulen, Schulen mit einer ähnlichen Struktur oder in der Kommune zu vernetzen. Man muss das Rad doch nicht immer neu erfinden. Diese Themen und Techniken fände ich noch wichtig.

Interview: Valeska Falkenstein

Ulrike Schmidt, Schulleitungsmitglied
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